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Leben in Deutschland












@Inanna
Ich bin in Angola. Jetzt schon für fast ein Jahr.
Mal sehen, wie viele noch folgen.
Ich kann mir ein Leben in Deutschland gar nicht mehr vorstellen.
Klar gibt es Sachen die ich vermisse, aber hier fühle ich mich mehr ein Teil der Gesellschaft, der Menschheit, als ich das je in Deutschland gefühlt habe.

Seit ich denken kann, habe ich mir Fragen nach meinem Sein, nach meinem Sinn, nach Gott gestellt.
Es gab auch mal Zeite, da habe ich inbrünstig geglaubt.
Gott war für mich Wahrheit, ich habe ihn gefühlt, ich habe keine Zweifel gehabt.
Aber jetzt, wenn ich so aus ein bißchen Distanz auf diese Zeit zurückgucke - es ist, als wenn ich auf eine alte Liebe zurückgucke.
Auch so eine Liebe war einmal wahr, man hat auch mit jeder Faser seines Leibes und seines Geistes geliebt und hätte sich nicht vorstellen können, daß es auch einmal zu Ende geht.
Ich bin sehr christlich aufgewachsen, und die christliche Religion erweckt immer noch soetwas wie Wehmut in mir.
Das Gefühl des Glaubens kann ich aber nicht "erarbeiten" oder mir den Glauben herbeireden - er ist entweder da oder nicht.
Aber ich weiß noch, wie es sich angefühlt hat, es war schön. Aber wer weiß, vielleicht "verliebe" ich mich ja noch einmal neu.
Zwischenzeitlich hatte ich einmal ein kurzes und intensives Stelldichein mit Scientologie (die damals noch nicht so in aller Munde waren), und meine Art, auch das zu hinterfragen was oberflächlich schön erscheint, hat mich vor Schlimmeren bewahrt.
Ich habe ein Mißtrauen entwickelt gegen Leute, die sagen:
Lass dich fallen!
Lass dich fallen in eine Urschreitherapie,
lass dich fallen in eine Hypnose, eine Rückführung, eine Meditation.
Hab Vertrauen!
Oder: Gott fängt Dich auf!
Tut er das?
Warum soll ich irgendjemandem vertrauen? Warum soll ich irgendjemanden erlauben, in meiner Seele rumzuwurschteln?
Wer muß denn mit eventuellen Folgen leben?
Ich kenne Menschen, auch in meiner direkten Familie, die haben durch eine Therapie so einen "Schuß" bekommen, daß sie nicht mehr gesellschaftskompatibel sind.
Gut, muß ja auch nicht unbedingt sein. Die Alternative ist dann eben: Einsamkeit.

So, ich bin mal wieder vom Thema abgekommen.
Ich spreche niemandem eine Gott oder einen Glauben ab, ich habe es ja selbst auch "erlebt".
Ich könnte von mir noch nicht einmal 100% sagen, ob ich an ein Leben nach dem Tod glaube oder nicht.
Ich schließe auch Gott nicht aus.
Ich weiß es schlicht und einfach nicht.
Wenn es nach dem Tod zu Ende ist - nun, ich werde es dann ja nicht mehr merken.
Und wenn nicht, vielleicht sehe ich dann ja jemanden wieder, den ich sehr vermisse.
Beides ist ok und mit beiden Vorstellungen lebe ich gut.
Was ich nicht verstehe, ist warum manche Menschen sich das Leben und das Anderer mit einem Glauben schwer machen.
Alles Mögliche wird in einen Gottesglauben reinprojiziert: Ausgleichende Gerechtigkeit, ewiges Weiterleben..
Die Menschen könnten die Erde jetzt schon zu einem Paradies machen, soviel braucht es gar nicht dazu.
Gott kann man in allem sehen, etwas Schönem genauso wie in etwas Häßlichem.
Ich kann aber auch ganz gut damit leben, nicht alles spirituell zu überhöhen.
Ich, die ich davon ausgehe, daß ich vielleicht nur dieses eine Leben habe, versuche alles "rauszuholen", und ich habe gemerkt, daß es nicht durch Geld oder Macht oder Ansehen geht, sondern durch Harmonie, Liebe und Zuneigung. Vieles, was mich umgibt, ist einfach bestaunenswert genug.
Vielleicht hat mir dieses Land mit seiner erschreckender Armut und seiner Bevölkerung mit seiner unbändigen Lebenslust einfach nur die Augen geöffnet.

Astrella
Forum -> Spiegel- und Reflexionsforum II


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