|
|
|
"Es giebt immer noch harmlose Selbst-Beobachter, welche glauben, dass es 'unmittelbare Gewissheiten' gebe, zum Beispiel 'ich denke', oder, wie es der Aberglaube Schopenhauer's war, 'ich will': gleichsam als ob hier das Erkennen rein und nackt seinen Gegenstand zu fassen bekäme, als 'Ding an sich', und weder von Seiten des Subjekts, noch von Seiten des Objekts eine Fälschung stattfände. Dass aber 'unmittelbare Gewissheit', ebenso wie 'absolute Erkenntniss' und 'Ding an sich', eine contradictio in adjecto in sich schliesst, werde ich hundertmal wiederholen: man sollte sich doch endlich von der Verführung der Worte losmachen!
Mag das Volk glauben, dass Erkennen ein zu Ende-Kennen sei, der Philosoph muss sich sagen: "wenn ich den Vorgang zerlege, der in dem Satz "ich denke" ausgedrückt ist, so bekomme ich eine Reihe von verwegenen Behauptungen, deren Begründung schwer, vielleicht unmöglich ist, --- zum Beispiel, dass i c h es bin, der denkt, dass überhaupt ein Etwas es sein muss, das denkt, dass Denken eine Thätigkeit und Wirkung seitens eines Wesens ist, dass es beireits fest steht, was mit Denken zu bezeichnen ist, --- dass ich w e i s s, was Denken ist. [...]
Was den Aberglauben der Logiker betrifft: so will ich nciht müde werden, eine kleine kurze Thatsache immer wieder zu unterstreichen, welche von diesen Abergläubischen ungern zugestanden wird, --- nämlich, dass ein Gedanke kommt, wenn 'er' will, und nicht wenn 'ich' will; so dass es eine F ä l s c h u n g des Thatbestandes ist, zu sagen: das Subjekt 'ich' ist die Bedingung des Prädikats 'denke'. Es denkt: aber dass dies 'es' gerade jenes alte berühmte 'Ich' sei, ist, milde geredet, nur eine Annahme, eine Behauptung, vor Allem keine 'unmittelbare Gewissheit'. Zuletzt ist schon mit diesem 'es denkt' zu viel gethan: schon dies 'es' enthält eine A u s l e g u n g des Vorgangs und gehört nicht zum Vorgang selbst. [...] und vielleicht gewöhnt man sich eines Tages noch daran, auch seitens der Logiker ohne jenes kleine 'es' (zu dem sich das ehrliche alte Ich verflüchtigt hat) auszukommen. [...]
An einer Theorie ist wahrhaftig nicht ihr geringster Reiz, dass sie widerlegbar ist: gerade damit zieht sie feinere Köpfe an. Es scheint, dass die hundertfach widerlegte Theorie vom 'freien Willen' ihre Fortdauer nur noch diesem Reize verdankt ---: immer wieder kommt Jemand und fühlt sich stark genug, sie zu widerlegen. [...]
Gesetzt, Jemand kommt dergestalt hinter die bäurische Einfalt dieses berühmten Begriffs 'freier Wille' und streicht ihn aus seinem Kopfe, so bitte ich ihn nunmehr, seine 'Aufklärung' noch um einen Schritt weiter zu treiben und auch die Umkehrung jenes Unbegriffs 'freier Wille' aus seinem Kopfe zu streichen: ich meine den 'unfreien Willen', der auf einen Missbrauch von Ursache und Wirkung hinausläuft. [...] Der 'unfreie Wille' ist Mythologie: im wirklichen Leben handelt es sich nur um s t a r k e n und s c h w a c h e n Willen."
Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse.
Die [sic]s hab ich mit mal gespart, die Tippfehler schenk ich dir.
LG
Lisken
|
|
|