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So jetzt die versprochenen Zitate von Terzani:
TIZIANO TERZANI; Korrespondent des Spiegel während des Vietnam-Krieges in Indochina ist den Älteren unter uns noch gut bekannt durch seine mitreißenden Schilderungen der Welt hinter den politischen Kulissen.
In Interviews hat sein Sohn sein Leben nachgezeichnet, Terzani ist im Juli 2004 an Krebs gestorben.
„Ich habe mir dieses Leben ganz gut erfunden, nicht? Ich bin tausend Dinge gewesen, einige tatsächlich, andere potentiell, Aufschneider und Schauspieler, Mörder, Kinderschänder und Ehebrecher. Alles bin ich gewesen, wie alle anderen auch, und immer wieder etwas anderes. Vieles davon war echt und intensiv, doch immer wieder hat eines das andere ersetzt, wie bei einem Fernglas, das sich stets auf etwas Neues richtet. Meine Güte, wie viele Rollen du im Leben spielst, wie viele Masken du trägst. Bis du irgendwann keine Luft mehr kriegst und sagst: „Jetzt werfe ich sie fort – hopp!“ Und so bin ich nun am Ende Anam, ein Namenloser, ohne Geschichte, ohne Vergangenheit. Denn das ist alles überflüssiger Kram, um den sich der Kuckuck nicht schert. Nicht, weil er etwas dagegen hätte, sondern weil es ihm einfach egal ist.“
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„Falco: Wenn man den Tod annimmt, was kann man dann noch wollen? Was kann es innerlich Größeres geben, als den eigenen Tod anzunehmen?
Tiziano: Noch ein Schritt weiter wäre es, Gut und Böse zu integrieren, Leben und Tod. Wenn du das nicht nur mit dem Kopf verstehst, sondern wenn dir diese Integration wirklich gelingt, hast du intuitiv, mit dem Herzen, die Quintessenz des Universums erfasst; dass es zwischen asuras und devas im Grunde keinen Unterschied gibt, dass Dämonen und Götter sich zwar zu bekämpfen scheinen, letztendlich aber ein und dasselbe sind.“
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„Wenn ich zurückblicke, sehe ich einen kleinen Jungen, der arm in einer Stadt geboren wurde und versucht hat, sich aus seinen engen Verhältnissen zu befreien, und zwar nicht durch Geld oder Macht, nicht durch die Errichtung eines großen Reichs, sondern indem er sich eine Identität aufgebaut hat, indem er versucht hat, jemand zu werden, der die Welt verändert .... Natürlich habe ich nichts verändert, aber das war mein Plan. Dafür habe ich Jura studiert, deshalb habe ich mich für bestimmte Dinge entschieden und gegen andere, deshalb bin ich nicht Bankdirektor, sondern Journalist geworden. Das ist die Geschichte meiner Entwicklung, wie ich Journalist, Reisender, Schriftsteller, all das geworden bin, was ich war. Und ich finde es wunderschön, dass alles, was ich aufgebaut habe, am Ende – krach! – wieder zusammenfällt. Nun bin ich nichts mehr, will ich nichts mehr sein, suche ich nichts mehr zu sein. Ich bin nicht mehr Tiziano Terzani. Ein ganzes Leben zu leben, um niemand zu werden, das ist schon ein bisschen seltsam.
Vieles bin ich gewesen, doch am Ende bin ich nichts.“
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In den letzten Stunden vor seinem Tod:
„Tiziano: Früher habe auch ich die Welt unterteilt gesehen, unterteilt. Ich sah mich von dem was ich sah, getrennt. Ich sah mich, wie ich mich betrachtete. Dann ist etwas geschehen, und zwar ist geschehen, dass ich sie vereint sehe. Ich sehe die Trennung nicht mehr. Davor sah ich die Welt in Stücken. Ich sah mich, wie ich mich selbst sah. Dann ist etwas ganz Seltsames geschehen, weil ich auf einmal nicht mehr unterteilt sah. Ich sah mich als Teil des Ganzen. Und das ist wunderschön, denn auf einmal habe ich mich als anderes Ich gefunden.
Falco: Wann und wo ist das geschehen?
Tiziano: Das ist das Ergebnis des Himalaja, als ich begonnen habe, meine Wünsche über Bord zu werfen. Da war auf einmal alles eins. Alles eins. Das Schöne ist, wenn du alles eins siehst, wird dir bewusst, dass es keine Unterteilungen mehr gibt. Das heißt, wenn du die Blumen und das Gras betrachtest, sind sie nicht mehr Blumen und Gras, sondern Teil dieser majestätischen Schönheit des Lebens. Da braucht man sich nicht mehr zu fragen, ob das ein Stein ist oder eine .... eine .... Pflanze. Sobald du zu schauen beginnst, merkst du, dass alles eins ist. Du schaust die Schönheit dieser Erde und siehst ihre Einheit. Und das ist eine Schönheit, die es zu begreifen gilt. Die man erlebt, ohne daran zu hängen. Du schaust und entdeckst die Schönheit der Steine. Doch die schließt .... die Pflanzen nicht aus. Und dann schaust du die Schönheit der Pflanzen und siehst die Schönheit des Ganzen. Und siehst die herrliche Schönheit der Erde.
Und das ist wie .... erst die Steine zu umfassen und dann .... die Tiere zu umfassen, und dann die ganze Menschheit. Du lässt dich in diese Schönheit fallen. Was bleibt, ist dass du die Steine umfasst, du umfasst, du um ...., du umfasst die Menschheit, denn da ist kein Unterschied.“
Tiziano Terzani, Das Ende ist mein Anfang, DVA München, 2006
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