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Voller Mitgefühl












*nick*
Leider grassiert diese Mentalität ganz immerns - ich weiss nicht, wem das mehr zu danken ist: der Historie oder den vielen Westlern voller Mitgefühl, die ihr eigenes Gewissen etwas erleichtern möchten...
Meine Freundin erzählte mir, dass ihr in Gambia sämtliche Kinder hinterhegerannt sind, "Tubaab" geschrieen und die Hände aufgehalten haben. Ich hab hier ähnliches erlebt - ich guck aus dem Fenster, unten geht eine Mum mit Kind vorbei, man grüsst sich freundlich - 30 Sekunden später kommt das Kind zurück und fragt nach 20 Pesos. Die Leute sind gut angezogen, haben Schuhe an den Füssen und sehen gut genährt aus... und trotzdem... arh, in solchen Momenten weiss ich nicht, wie ich mich fühlen soll. Wo ist der Stolz dieser Leute geblieben?
Und dann begegne ich Leuten, wie diesem Taxifahrer, der mich anderthalb Stunden durch die Gegend gefahren hat um den Ort zu finden, an den ich wollte, wissend, dass ich nur 50 Pesos in der Taschen habe... die Fahrt wäre min. 100 wert gewesen. Er hat mir geholfen, weil ich fremd war und Hilfe brauchte und sich keine Minute geärgert.
Das ist so unterschiedlich - man kann die Leut einfach nicht über einen Kamm scheren. Am Anfang hatte ich immer so ein komisches Gefühl der Überlegenheit und damit einhergehend ein schlechtes Gewissen und viel Mitleid, aber mittlerweile hat sich das gelegt... Die meisten Menschen hier haben ein härteres Leben und mit mehr Schwierigkeiten zu kämpfen, doch auf der anderen Seite sind sie Menschen geblieben und das kann man von vielen in Dt. nicht behaupten - sie fühlen nicht hin, sie lassen nicht mit sich reden. (So wie der Vermieter, der meiner Mum eine Kündigungsfrist von 9 Monaten aufs Auge drücken wollte und es war ihm egal, ob er damit vielleicht ihre Existenz gefährdet...)

Mir ist gerade beim Lesen deines Beitrags ein Vorfall eingefallen. Ich sitze in der Sauna und es werden nach dem Aufguss Früchte auf einem Tablett gereicht - die meisten nehmen sich einfach ne Scheibe mit den Fingern, nur ein dicker Schwabe meckert, dass das ja voll unhygienisch sei und wir seien ja hier nicht in Afrika... Gott sei dank. Es gebe aber auch schöne Orte in Afrika, gebe ich ihm zu bedenken... Wir würden aber nicht über die schönen Orte reden, dröhnt er... Schon klar, meine ich, wir reden hier über Vorurteile. Da war er plötzlich ruhig.

Und doch gibt es viel, was die meisten Menschen im Westen nicht zu sehen kriegen. Und wenn sies doch mal zu sehen kriegen, ergreifen sie die Flucht. Ich rede gerade mit einem Kumpel, der sehr unruhig ist, weil er weg will (obwohl er alles hat, was man sich wünschen kann)... Abenteuer erleben und er hat das Prob, das die meisten haben: er will sich dabei nicht in Gefahr begeben. Das ist nur vernünftig.
Aber was ist es denn, was uns fehlt?

LG
Lisken
Forum -> Spiegel- und Reflexionsforum II


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Re: Buddismus voller Wiedersprüche