Foren-Übersicht
Login | Registrieren | Forum | Impressum | Suche

Angst vor dem Leben und Tod herbeigesehnt












Hallo Träumerin,
ich habe lange überlegt, ob ich Dir irgendetwas schreiben kann, damit Du Dich besser fühlst..
Ich stand mal an einem Zeitpunkt in meinem Leben - ich war damals noch sehr jung - an dem entgegengesetztem Punkt: Ich hatte Angst vor dem Leben und habe mir den Tod herbeigesehnt.
Der Tod - ich habe ihn mir vorgestellt wie ein friedliches Zurückkehren zu dem Ort, an dem man schon vor seiner geburt war - wo immer das auch gewesen sein mag.
Als ich heiratete wollte, fing ich zeitweise an, es ein bißchen von Deinem Standpunkt aus zu sehen:
Das Gefühl, mit diesem Mann werde ich den Rest meines Lebens verbringen und irgendwann wird einer von uns alleine sein - und da Frauen normalerweise länger leben und ich aus einer Familie komme, wo man locker mal über 100 wird - würde ich diejenige sein, die dann zurückbleibt.
Der Gedanke war zeitweise so unerträglich, daß ich wirklich daran gedacht habe, die geplante Hochzeit wieder abzusagen.
Nun, ich bin jetzt 10 Jahre verheiratet, und ich bin älter geworden. Liebe nutzt sich mit der Zeit ein bißchen ab und wird ein wenig zur Gewohnheit.
Ich habe in der Zeit auch jemanden verloren: Meinen Großvater, wie bei Dir, er war 97 Jahre alt und das ganze letzte Jahr hatte er schon angedeutet, daß er nicht mehr mag. "Ich habe jetzt kein Ziel mehr", sagte er einmal, und dann bekam er auch noch einen Schlaganfall und konnte sich danach nicht mehr gut ausdrücken, obwohl er noch klar im Kopf war. Ich denke, er hat meiner Oma zuliebe so lange durchgehalten. Sie hat immer gesagt: "Wenn der Opa geht, gehe ich auch".
Jetzt, nach 2 Jahren, würde ich sie als "lustige Witwe" einstufen, die noch einmal aufblüht, nachdem sie sich lange aufgeopfert hatte. Ich habe natürlich geweint, aber ich hatte das Gefühl, es war gut so. Für mich ist er nicht tot, ich weiß, daß er nicht mehr lebt, und obwohl ich nicht an ein Leben nach dem Tod so unbedingt glaube - er ist immer noch da. Er lebt in mir weiter, in meinem Herzen, meinen Erinnerungen und meinen Genen.
Nun, das war jetzt abgeschweift in meine Vergangenheit.

Wie sieht deine Vorstellung vom Tod aus?
Glaubst Du an irgendetwas? Gott? Leben nach dem Tod? Reinkarnation? Und welche Erfahrungen hast Du von Zuhause mitbekommen? Hast Du mit deinen Eltern oder Geschwistern mal dieses Thema angeschnitten? Vielleicht liegt da die Ursache deiner Traumatisierung.
Tod gehört zum Leben dazu, von der Zeugung an sind wir dazu "verurteilt", irgendwann auch wieder zu gehen. Diese Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit macht meiner Meinung nach erst das Leben so wertvoll. Man hat nur dieses (gehe ich jetzt einfacherhalber mal von aus) und man sollte es hegen und pflegen, genießen mit seiner ganzen Bandbreite der Emotionen.
Du kommst mir vor wie jemand, der vor einem reich gedeckten Tisch sitzt und weint, weil dieses Essen irgendwann einmal aufgegessen sein wird.
Und über die Trauer hinweg vergisst er zu essen. Nun, dann wird das Essen schlecht - und das ist noch "sinnloser" als seine Trauer.
Lebe Dein Leben. Setze Dir Ziele. Das Leben dauert so lange, und je mehr du in dein Leben packst, um so mehr lebst Du auch. Deine Angst - ich weiß, Du hast sie dir nicht ausgesucht - tötet dein Leben schon vor dem Tod

Astrella
Forum -> Spiegel- und Reflexionsforum II


Ähnliche Themen
Hermann Hesses "Das Leben, das ich selbst gewählt"
Angst davor ihn zu treffen! HILFE!
Leben nach dem Tod!? Auch nach suizid!?
Angst das er mich nicht liebt
Mein Leben mit Gott
leben nach dem tod
Sinn im Leben verloren
Neues leben
Wenn ich an sowas denk...SCHEISS LEBEN !
Das Leben nach der Wandlung - Jenseits