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@Inanna
Nö, so ganz taufrisch bin ich mit 42 eigentlich nicht mehr.
Und glaube mir, Leid habe ich in meinem Leben schon genug erfahren.
Ich habe eines meiner Kinder verloren.
Ich weiß nicht, warum es mich stört.
Ich schätze, ich sehe in vielem, was Menschen praktizieren, um einem Gott, einem Jenseits, einem Nirvana näherzukommen, einfach verschwendete Energie, Lebensfreude und Lebenszeit.
Da wird versucht - eigentlich fast in jeder Religion - das zu negieren, was ein Leben so lebenswert macht.
Gut, es ist ihr Leben, aber andere werden mit in den Strudel gezogen. Und ich bin gegen Verschwendung.
Ich habe im Laufe meines Lebens schon einige Religionen "durchwandert", und so unterschiedlich diese Religionen auch waren, eines hatten sie gemeinsam:
Es gab immer einen "Preis" zu zahlen.
Das Prinzip Gott ist mir immer fremder geworden. Ich verstehe Menschen, die an Gott glauben, ich kenne viele, die wirklich inbrünstig glauben, ich mag diese Menschen und halte sie nicht für doof, minderbemittelt oder naiv.
Doch, naiv eigentlich schon.
Aber ich lebe zur Zeit in Schwarzafrika, mit Europa kann man diesen Kontinent nicht vergleichen.
Warum ist uns das nicht genug, was wir haben? Warum sollen Zustände (durch Beten, Meditation, wie auch immer) in denen wir uns Eins mit dem Kosmos fühlen, "wahrer" sein als Zustände, in denen wir uns durch Leid und Trauer abgeschnitten fühlen von der Welt?
Einfach weil es sich schöner anfühlt?
Ich habe nichts gegen Meditation und Beten für persönlichen Lustgewinn.
Ich habe etwas gegen Wahrheitsanspruch.
Ich habe auch nicht die Weisheit mit Löffeln gefuttert.
Ich denke, man sollte Glaube aber als das einstufen, was es ist: Als Glaube.
Und bei manchen ist zwischen Glauben und Aberglauben kein großer Unterschied mehr.
Es sind zum Teil so absurde Ansichten, die die Menschen vertreten, und normalerweise halte ich mich auch zurück, Menschen nach ihrem Glauben und ihren Überzeugungen zu beurteilen.
Es steht mir nicht zu.
Trotzdem habe ich meine Meinung dazu.
*Und die musste ich mal loswerden- brummel - auch wenn es Euch nicht interessiert*
Astrella
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Doch Astrella,
Deine Meinung interessiert mich sehr.
Es tut mir sehr Leid, dass Du eines Deiner Kinder verloren hast. Der Sohn meiner Freundin hat mit ihr gefrühstückt, ging dann zum Bergwandern. Am Nachmittag kam die Polizei: er war abgestürzt. Ich habe miterlebt, in welche Dunkelheiten dann eine Mutter abstürzt.
Deine Kritik an den Religionen kann ich nachvollziehen, ich gehöre keiner an. Ich interessiere mich zwar sehr für Religionen, suche nach der verborgenen Kostbarkeit, die alle haben - aber oft ist sie schon sehr verborgen!
Was mich brennend interessiert, das ist das Bewusstsein. Wie funktioniert es, wie kann ich es beeinflussen, usw. Immer wieder lese ich von Erkenntnissen der Gehirnforschung, die mit dem, was ich aus meinem Leben und aus der Meditation weiß, übereinstimmen.
Hier habe ich auch viel experimentiert. Und über diesen Weg habe ich zu Gott gefunden. Und für mich ist das kein Glaube, das ist Wissen. Kein naturwissenschaftliches, das reproduzierbar wäre, aber Wissen, das ich mir erarbeitet habe. Und das für mich gültig ist.
Aus diesem Angebundensein an Gott hole ich mir meine Lebensfreude. Wenn ich morgens im Moos spazieren gehe und meine Freunde, die Rehe, Hasen, Füchse und Vögel begrüße, dann fühle ich mich ganz eins mit der Natur, dann bin ich reine Freude. Und die nehme ich mir dann mit in meinen Arbeitstag.
Auch Meditation kann reine Freude sein.
Ich kenne Menschen aus allen Religionen, die den mystischen Weg gehen. Ich kenne allerdings auch Menschen aus allen Religionen, die verbiestert sind, andere missionieren wollen, Schuld zuweisen und weitere solch schrecklichen Dinge. Das sind für mich keine Menschen, die Kontakt zu Gott haben. Denn Gott ist für mich Liebe, Freude, absolute Harmonie.
"Warum sollen Zustände (durch Beten, Meditation, wie auch immer) in denen wir uns Eins mit dem Kosmos fühlen, "wahrer" sein als Zustände, in denen wir uns durch Leid und Trauer abgeschnitten fühlen von der Welt?"
Sie sind nicht wahrer. Beides, Freude und Leid, sind eine Ausdrucksform des Seins. Beide sind gleich berechtigt, gleich wertvoll.
Aber bis man das auch leben kann, das dauert! Zumindest bei mir hat es gedauert und dauert es noch. Das beispielsweise sind Übungen, die ich mache, um hier weiterzukommen. Das Ego, das immer bewertet und rumnölt, stillzukriegen, damit es sich raushält, so dass ich Schmerzen nicht mehr als Ich erlebe, sondern Schmerz einfach ist.
Wer hat einen Wahrheitsanspruch? Die Religionen sicher, deshalb sind sie ja da. Aber ich habe, so glaube ich, keinen. Wenn Du da auf etwas in einem meiner Beiträge gestoßen bist, so sage es mir bitte.
Mich hat die Auseinandersetzung mit dem Göttlichen schon als Kind interessiert, sie hat mich mein Leben lang begleitet. Es gab Irrwege (während der Studentenbewegung war ich Kommunistin - auch eine Religion!), es gab Umwege. Ich kann mir ein Leben ohne Kontakt zu Gott gar nicht mehr vorstellen. Und wie gesagt, ich war noch nie in einer Kirche oder einer Religionsgemeinschaft, schon komisch.
Wo bist Du denn in Schwarzafrika? Ich hab in Mali ein Patenkind.
Inanna
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Hallo alwin.
Du mich fragen was ich jetzt erwarten?
Gar nichts ich erwarten, ich Leben geniessen. Wenn Du immer erwarten,
Du nicht Glücklich sein, Du immer mehr wollen.
Leben sein geboren werden, Leben dann wenn Du alt bist Sterben.
An das ich Glauben
Liebe Grüsse Elisheva
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@Inanna
Ich bin in Angola. Jetzt schon für fast ein Jahr.
Mal sehen, wie viele noch folgen.
Ich kann mir ein Leben in Deutschland gar nicht mehr vorstellen.
Klar gibt es Sachen die ich vermisse, aber hier fühle ich mich mehr ein Teil der Gesellschaft, der Menschheit, als ich das je in Deutschland gefühlt habe.
Seit ich denken kann, habe ich mir Fragen nach meinem Sein, nach meinem Sinn, nach Gott gestellt.
Es gab auch mal Zeiten, da habe ich inbrünstig geglaubt.
Gott war für mich Wahrheit, ich habe ihn gefühlt, ich habe keine Zweifel gehabt.
Aber jetzt, wenn ich so aus ein bißchen Distanz auf diese Zeit zurückgucke - es ist, als wenn ich auf eine alte Liebe zurückgucke.
Auch so eine Liebe war einmal wahr, man hat auch mit jeder Faser seines Leibes und seines Geistes geliebt und hätte sich nicht vorstellen können, daß es auch einmal zu Ende geht.
Ich bin sehr christlich aufgewachsen, und die christliche Religion erweckt immer noch soetwas wie Wehmut in mir.
Das Gefühl des Glaubens kann ich aber nicht "erarbeiten" oder mir den Glauben herbeireden - er ist entweder da oder nicht.
Aber ich weiß noch, wie es sich angefühlt hat, es war schön. Aber wer weiß, vielleicht "verliebe" ich mich ja noch einmal neu.
Zwischenzeitlich hatte ich einmal ein kurzes und intensives Stelldichein mit Scientologie (die damals noch nicht so in aller Munde waren), und meine Art, auch das zu hinterfragen was oberflächlich schön erscheint, hat mich vor Schlimmeren bewahrt.
Ich habe ein Mißtrauen entwickelt gegen Leute, die sagen:
Lass dich fallen!
Lass dich fallen in eine Urschreitherapie,
lass dich fallen in eine Hypnose, eine Rückführung, eine Meditation.
Hab Vertrauen!
Oder: Gott fängt Dich auf!
Tut er das?
Warum soll ich irgendjemandem vertrauen? Warum soll ich irgendjemanden erlauben, in meiner Seele rumzuwurschteln?
Wer muß denn mit eventuellen Folgen leben?
Ich kenne Menschen, auch in meiner direkten Familie, die haben durch eine Therapie so einen "Schuß" bekommen, daß sie nicht mehr gesellschaftskompatibel sind.
Gut, muß ja auch nicht unbedingt sein. Die Alternative ist dann eben: Einsamkeit.
So, ich bin mal wieder vom Thema abgekommen.
Ich spreche niemandem eine Gott oder einen Glauben ab, ich habe es ja selbst auch "erlebt".
Ich könnte von mir noch nicht einmal 100% sagen, ob ich an ein Leben nach dem Tod glaube oder nicht.
Ich schließe auch Gott nicht aus.
Ich weiß es schlicht und einfach nicht.
Wenn es nach dem Tod zu Ende ist - nun, ich werde es dann ja nicht mehr merken.
Und wenn nicht, vielleicht sehe ich dann ja jemanden wieder, den ich sehr vermisse.
Beides ist ok und mit beiden Vorstellungen lebe ich gut.
Was ich nicht verstehe, ist warum manche Menschen sich das Leben und das Anderer mit einem Glauben schwer machen.
Alles Mögliche wird in einen Gottesglauben reinprojiziert: Ausgleichende Gerechtigkeit, ewiges Weiterleben..
Die Menschen könnten die Erde jetzt schon zu einem Paradies machen, soviel braucht es gar nicht dazu.
Gott kann man in allem sehen, etwas Schönem genauso wie in etwas Häßlichem.
Ich kann aber auch ganz gut damit leben, nicht alles spirituell zu überhöhen.
Ich, die ich davon ausgehe, daß ich vielleicht nur dieses eine Leben habe, versuche alles "rauszuholen", und ich habe gemerkt, daß es nicht durch Geld oder Macht oder Ansehen geht, sondern durch Harmonie, Liebe und Zuneigung. Vieles, was mich umgibt, ist einfach bestaunenswert genug.
Vielleicht hat mir dieses Land mit seiner erschreckender Armut und seiner Bevölkerung mit seiner unbändigen Lebenslust einfach nur die Augen geöffnet.
Astrella
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Liebe Astrella,
auch ich könnte mir vorstellen, dass Du Dich irgendwann einmal wieder "verliebst".
Ich hatte während der Studentenbewegung, als wir uns Marx, Engels, Lenin ... reingezogen haben, endlich "verstanden", dass Religion Opium ist fürs Volk, und dass es keinen Gott gibt. Da war ich fast erleichtert, denn vor dieser Zeit habe ich mich doch immer wieder mit religiösen Fragen herumgeschlagen.
Und dann hatte ich - eigentlich aus heiterem Himmel - ein Gotteserlebnis, das es mir - wie ich glaube - für alle Zeiten unmöglich macht, an Gott zu zweifeln.
Immer wieder gab es trotzdem Zeiten, wo mein Kontakt zu Gott abgerissen war. In der Zeit der Krebs-Diagnose, der OPs und der Chemos war dies besonders schlimm. Ich weiß aber aus Erfahrung, dass dies eine Zeit ist, die vorbei geht (Mystiker nennen dies die mystische Nacht), danach ist meine Beziehung zu Gott um so intensiver. Diese Beziehung macht aber Wandlungen durch, zur Zeit beschäftige ich mich sehr mit der unpersönlichen Seite, dem Sein.
Ich finde es gut, dass Du Dich nicht fallen lassen willst in etwas, das Dir andere einreden. Ich habe auch immer selbst herausfinden wollen, wie die Dinge sind. Dies ist sicher auch ein Grund, weshalb ich mich nie angeschlossen habe einer Religionsgemeinschaft.
Ich habe schon als Kind gewußt: allein wirst Du leben, allein mußt Du sterben. Ich laß mich nicht mitziehen und kann deshalb vieles mitmachen, weil ich mich auf mich selbst verlassen kann.
In Gott allerdings kann ich mich fallenlassen.
Die Projektionen der Menschen, das ist, wie Du sagst, das Gefährliche an allen Religionen. Nie weißt Du, weshalb stellen sie die oder jene Regel auf, zumindest gibt es oft ganz egoistische Gründe für ihr Regelnaufstellen. Deshalb bin auch ich sehr kritisch gegenüber allen Regeln. Für mich gilt nur, was ich selber weiß. Nicht, was mir andere einreden wollen. Und das ist gut so.
Weißt Du was, mir kommt das, wie Du das Leben siehst und es lebst, viel "religiöser" vor, als manches, was man von religiösen Menschen so hört. Und wenn es Zeit ist für Dich, zu Gott eine Beziehung zu haben, dann wirst Du es schon merken.
Deine Liebe zum Leben ist für mich höchst spirituell. Vielleicht muss man tatsächlich in einem armen Land unter Menschen, die nichts haben, auch keine Zukunft leben, um zu sehen, worauf es ankommt im Leben.
Inanna
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