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Umgang mit Tod












Hi Lisken,
ich bin zur Zeit in Angola.
Es gab lange Bürgerkrieg hier, viele Flüchtlinge hier. Das Volk ist mehr oder weniger entwurzelt. Die Leute wohnen nicht mehr da, wo sie geboren und aufgewachsen sind.
Es gibt natürlich einen Unterschied im Umgang mit dem Tod, gerade weil er hier so alltäglich ist. Ich weiß aber nicht, ob es nicht einfach eine "Verrohung" durch den vielen Schmerz ist, den die Leute hier ertragen. Die Leute haben keine Zeit, ihre Wehwechen zu pflegen wie in der "1. Welt", aber nichts desto trotz werden sie auch bei schlimmen Erkrankungen einfach allein gelassen und fügen sich, einfach aus Unwissenheit und mangel an Alternativen. Gewissen Krankheiten brechen über sie hinein, für uns als Europäer mit unserem Wissen um die Linderung und Heilbarkeit dieser Krankheiten ist das schwer zu ertragen und auszuhalten.
Mir scheinen die Menschen hier auch glücklicher - auf den ersten Blick. Wenn ich genauer hinschaue: Die Frauen nicht. Die Frauen sind ernst. Sie werden hier zum Glück nicht religiös unterdrückt. Aber sie tragen die Last. Sie gebähren die Kinder, sorgen für den Lebensunterhalt, machen den Haushalt - einfach alles. Ich sehe sie hier bei 40 Grad im Schatten mit Tonnen von Zeugs auf dem Kopf, hochschwanger, Baby auf dem Rücken, und das bei 90% Luftfeuchte. Ich würde schon bei 2 dieser Sachen am Rande meiner Leistungsfähigkeit sein.
Ich weiß nicht, wie viele unter dieser Last seelisch zusammengebrochen sind. Aber die Frauensterblichkeit hier ist so enorm, daß es hier zu einem "Politikum" geworden ist.
Nun, das es in Deutschland keine komplett "gesunde" Familie gibt - es ist immer eine Sache des Maßstabes, da gebe ich Dir recht. Hier in Afrika ist eineAllergie keine Krankheit, und selbst mit meiner Angina letzte Woche habe ich mich geschämt, ins Krankenhaus zu gehen.
Für die Afrikaner sind wir allerdings Vorbild. Unsere Imfungen - davon können die meisten hier nur träumen. Unser Kinderarzt hier sagte, es schäme sich, daß "sein" Land es nicht allen Kindern anbieten kann, und ich sehe hier immer noch Kinder mit Hungerbäuchen.
Ich möchte nicht tauschen.
Denn ich habe immer noch eine Alternative - eine Wahl - kann an meiner Situation etwas ändern, kann mich entwickeln. Mir ist es jetzt mehr bewußt denn je.
Hier - die Menschen können sich anpassen an ihre Situation.
Astrella
Forum -> Spiegel- und Reflexionsforum III


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