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Thema: Gotteszweifel
Gibt es Gott, gibt es keinen? Auch hier im Forum laufen die Gemüter heiß, entbrennt endloser Meinungsaustausch. Ich will aber einmal in den Raum stellen: Welche Wirkung übt der Gotteszweifel auf das persönliche Leben aus? Hier ein praktisches, gelebtes Beispiel:
Eine kürzlich verstorbene Cousine von mir ging schon als Jugendliche der Vorkriegszeit auf Distanz zum Religiösen. Einerseits weil sie auf das damals moderne Gedankengut einstieg, andererseits weil sie voll die Macht der "Pfaffen" zu spüren bekam. Später aber schlug das Leben zu. Sie gebar einen behinderten Sohn, den noch dazu eine Kinderlähmung zum völligen Invaliden machte. Er blieb ständig ein schweres Leid. Aber ihre hübsche, lebensfrohe Tochter war ihr Sonnenschein. Schließlich aber: Der Mann starb kurz nach Ende seines Berufslebens und ein Jahr später erkrankte die Tochter an einer rätselhaften Krankheit, der sie wiederum ein Jahr später erlag.
Schock, Entsetzen, Trauer - warum wurde gerade ihr das auferlegt? Nein, es gibt keinen Gott, schon gar nicht einen gerechten Gott. Sie lehnte alles Diesbezügliche ab, sogar die Andeutung, dass meine Frau gerne zur Kirche geht. Wozu dieses Theater? Einziger Trost was, dass sie ihren Sohn in einem Heim gut versorgt wusste.
Und sie ging immer weiter auf Distanz zu Gott. Für meine Cousine wurde ein Leben ohne Gott die beste Lösung. Sport war ihre Welt. Sie holte sich ihre Kicks aus dem Fernseher.
Die erste Wirkung war: In dieser von Gott gelösten Welt fühlte sie sich glücklich und wohl! Sie hatte das Gefühl, von Glaubenszwängen befreit zu sein und deshalb viel entspannter leben zu können. Es beruhigt sie die Erkenntnis, dass alle Lebensungerechtigkeiten durch Zufall entstehen. Beruhigung war eine starke Wirkung.
Die zweite Wirkung trat aus der Logik und ihrer Enttäuschung ein. Meine Cousine erkannt, dass Zufälle keinen Sinn ergeben, sie kommen und gehen. Man lebt nur zufällig und ohne Sinn. Sie stellte fest, dass ihr Leben ohne Tochter und Mann noch viel weniger Sinn hatte als je zuvor. Sinnlosigkeit hat aber eine verheerende Wirkung.
Die dritte Wirkung kam deshalb von hier. Es war eine schleichende und zunehmende Entmutigung. Immer mehr schwand die Antriebskraft, der Lebenswille. Oft sagte sie: Mir ist schon bald alles egal. Ach, der hohe Cholesterinspiegel, soll er hoch sein. Doch obwohl sie sich fallen ließ, ihre Reaktionen wurden schärfer. Gleichgültigkeit, Leere sind fatal. Ihre Wirkung schlägt sich in Unmut und Aggressionen nieder.
Die vierte Wirkung war: Wegen ihres geringen Antriebs hockte sie nur herum, machte sie keine Bewegung und begünstigte dadurch den Eintritt von Krankheiten, die dann ihrerseits ihr Leben zur Qual werden ließen. Sie sagte nur: Ach lasst mich, es hat ja alles keinen Sinn. So starb sie in Frieden.
Diese Geschichte lehrt: Der persönliche Glaube ist es, der den Menschen prägt. Argumente, Beweise oder die Richtigkeit etwas Anderem - nicht einmal die Überzeugung, dass Lebensfreude, Lebensmut und Lebensenergie gut sind - sind für Menschen im massiven Zweifel an Gott
eine Hilfe. Gotteszweifel an sich führt unmittelbar zu einem Leben ohne Glaube, zum Verlust wertvoller Lebenshilfen, zum Verlust einer gehaltvollen Lebensweise.
Der Mensch ohne Gottesglauben glaubt auch nicht an Seele, Geist, Himmel und Hölle. Das alles existiert einfach nicht. Deren Existenz ist für den Betroffenen einfach keine Wahrheit. Doch vielleicht weicht sich diese Ansicht auf, wenn man den Vorteil und die Wirkung höherer spiritueller Inhalte erkennt. Ein guter, hoher, bewusster Inhalt belebt ganz einfach.
Und zum Schluss noch ein Anhang.
Angenommen, Gott, den Himmel, das Jenseits gibt es wirklich und tatsächlich nicht und am Ende mündet alles Leben in ein absolutes Nichts. Man irrt sich daher, wenn man daran glaubt. Ist es aber schlecht, in diesem Irrtum sich zu bemühen, sein Leben mit Stärke und positiver Einstellung hinter sich zu bringen? Ist ein gutes Leben ein Fehler?
Sollte aber alles nicht in absolutes Nichts münden, ist es dann nicht ein gewaltiger Vorteil, mit guten oder besseren Karten im anderen Leben zu starten?
Meine Meinung ist: Der Gottesglaube zieht viele Kreise. Seine Wirkung bringt nicht nur hier auf der Erde große persönliche und überpersönliche Vorteile.
Stimmt das, stimmt das nicht? Lassen Sie sich von dieser Frage und vom ganzen Thema anregen. Darf ich damit rechnen, dass mancher unten mein Profil anklickt?
Ich bin neugierig. Liebe Grüße an Gläubige und Ungläubige.
reinwiel
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Ach schade, dachte das würde eine Stellungnahme sein. Hoffentlich wird die Studentin bald gefunden. Kann leider von hier aus nicht helfen.
Grüße
reinwiel
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@reinwiel
Warum erwartest du nach so einem langem Posting so schnell eine antwort? Lass die Leute noch mals lesen und überlegen!
Geduld - und dann gehts auch weiter ok!
Gruß alwin
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Danke alwin, du hast recht.
reinwiel
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Alsoich hab das jetzt gelesen... ist eine traurige Geschichte mit deiner Cousine und mir tut es auch echt leid, dass sie den Sinn ihres Lebens so verloren hat, aber ich kann es verstehen.
Ich kann verstehen, dass es schwer fällt, an einen gütigen und barmherzigen Gott zu glauben, wenn man von Schickslasschlägen heimgesucht wird, wie es deiner Cousine passiert ist.
Auf der anderen Seite kann ich aus eingener Erfahrung sagen, dass eine Leben voll Gottesglaube an so vielem reicher ist, als eines ohne Gott. Es gab eine lange Zeit in meinem Leben, in der ich mit Gott nichts anzufangen wusste, aber ich habe zu ihm zurückgefunden und jetzt, um seine Frage zu beantworten reinwiel, habe ich viel mehr Kraft und Antrieb ein gutes Leben zu führen, als zuvor. Auch wenn ich mich irren mag und es Gott tatsächlich nicht gibt (was ja eine reine Glaubensrage ist, denn Gott kann nicht bewiesen werden), so lebe ich zumindest in dem Bewusstsein, ein für mich gutes Leben zu führen und Menschen, die Gottes Geboten folgen und sie leben, die tun auch den anderen Mitmenschen nichts böses.
Sogesehen ist das Führen eines guten Lebens nie wertlos, egal ob es Gott gibt oder nicht. Jeder Mensch, der sich für diesen Weg entscheided, aus welcher Motivation heraus auch immer, wird seine guten Werke zurückerstattet bekommen, durch die Freude, die er den anderen Menschen gibt, durch den Trost den er spendet, es gibt so viel Gründe, das zu tun und Gott ist einer davon...
Und ich bin der Meinung, dass jeder Mensch eine Art von Glauben braucht, denn ansonsten, wie du sagst, verliert das Leben den Sinn, jeder Mensch braucht diesen Halt. Ob jemand nun an Gott oder die heilige Banane glaubt bleibt ihm überlassen.
Mit den besten Grüßen,
Nori
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