Turm zu Babylon


Turm zu Babylon
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Der Turm zu Babylon, den die Bibel (Genesis 11, 1-9) erwähnt, ist historisch nachgewiesen. Es handelt sich um eine Tempelanlage (Zikkurat) in Babylon, deren Fundamente der deutsche Architekt und Archäologe Robert Johann Koldewey 1913 freigelegt hat.

Die Bibel spricht von Babel, der griechischen Form des hebräischen Wortes bavel für Babylon, das auf das akkadische Wort babilu, Gottes Tor, zurückgeht. Das Wort Zikkurat könnte man auch mit Hochhaus übersetzen, abgeleitet aus dem akkadischen Wort zaqaru für aufrichten, hochheben.
Nach der Zerstörung um 2300 v. Chr. durch Sargon von Akkad machte Hammurabi (1792-1749) 600 Jahre später Babylon zur Hauptstadt. Er erhob den Stadtgott Marduk (Altes Testament: Merodach) zur höchsten Gottheit des babylonischen Reichs. Der Hinweis in der Bibel im Zusammenhang mit der babylonischen Sprachverwirrung bezieht sich wahrscheinlich auf einen Tempelturm in der Stadt.

Urkundlich erwähnt wird der Turm als Zikkurat von Etemenanki (sumerisch: Haus des Himmelsfundaments auf der Erde) in der Tempelanlage Esagila (sumerisch: Tempel des erhobenen Hauptes) erstmals in den Annalen des assyrischen Königs Sanherib (Sennacherib), der 689 v. Chr. den Tempel zerstörte, aber die Stadt verschonte.

Seine Nachfolger Esarhadon (Assarhaddon) und Assurbanipal (680 v. Chr.-659 v. Chr.) begannen mit dem Wiederaufbau, wie Inschriften im Fundament belegen. Nach der Befreiung von der assyrischen Herrschaft setzte der babylonische Herrscher Nabopolassar den Ausbau der Anlage fort, sein Sohn Nebukadnezar II. (604 v. Chr.-562 v. Chr.) vollendete ihn. Zusammen mit den hängenden Gärten der Semiramis und den Stadtmauern von Babylon bildete der Turm zu Babylon eines der Sieben Weltwunder der Antike, wobei in späteren Zeiten oftmals nur noch die hängenden Gärten erwähnt wurden.

In der Folgezeit verfiel das Bauwerk, möglicherweise auch durch Zerstörungen durch den Perserkönig Xerxes I. (586 v. Chr.-465 v. Chr.).

Bei seinem Einzug in Babylon im Frühjahr 323 v. Chr. ließ Alexander der Große die Reste bis auf das Fundament abreißen, um den Turm neu zu errichten. Dabei blieb es bis heute, da Alexander wenige Monate später verstarb.

Der Turm hatte eine Grundfläche von 91,48 x 91,66 m und eine Höhe von ca. 91 m, wahrscheinlich abgestuft in sieben, nach dem Geschichtsschreiber Herodot in acht Plateaus. Den Abschluss bildete ein Tempel, dessen Räume nur von Priesterinnen betreten werden durften. Wahrscheinlich nutzten Priester das Dach des Gebäudes, um dort astronomische Beobachtungen durchzuführen.

Als Baumaterial verwandten die Babylonier gebrannte Lehmziegel, wobei sie die Außenziegel farbig (blau?) emaillierten.