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Glaube an einen Gott - Hilfeschrei des Menschen?












@Jade
Zitat:
Das Leiden kann nur durch Erreichen der Erleuchtung aufgehoben werden.

Im Vergleich zu einer theistischen Religion kannst Du es als eine Verheißung ansehen. Was soll daran "nicht fröhlich" sein? Immerhin ist das nicht in der Abhängigkeit der Gnade oder des Sich-Erbarmens eines Gottes gebunden!

Gruß alwin
An erster Stelle...naja.

Aber in der Tat ist das, was da für den unwissenden als pessimistische Lebenseinstellung rüberkommt, der Quelle meiner Freude. (Die Interpretation ist übrigens etwas 'verwischt', wie ich finde)

Duhkha wird gerne mit Leiden übersetzt, was im Prinzip nicht ganz hinkommt. Die Wortherkunft bedeutend vielmehr "Ein Rad das nicht rund läuft"
Im Prinzip wollen alle Menschen nur glücklich sein, was im Prinzip ja nicht verkehrt ist, dummerweise erfahren wird doch 'Leid'. Alles verändert sich ständig, nichts ist von Dauer, alles ist vergänglich. Heute freue ich mich über meinen neuen iPod und bin glücklich, morgen habe ich auch noch Freude dran, übermorgen bekommt er einen Krater und sieht weniger schön aus. Nach einer Woche habe ich mich dran gewöhnt und ihn als selbstverständlich angenommen, nach zwei Wochen nerven mich die technischen Macken, nach einem Jahr gibt es ein neues besseres Modell und mein iPod ist veraltet. Die Freude, die er mir eins bereitet hat, ist längst dahin. Das ist mit der erster der vier Wahrheiten gemeint.

Die zweite besagt, dass das menschlich Verlangen, Glück aus bedingten Dingen zu erhalten, wie oben beschrieben immer wieder zu 'Leid' führt, Thrishna würde ich eher mit Durst als mit Gier übersetzen.

Die dritte sagt, weil 'Leiden' bedingt ist, also kausale Ursachen besitzt, kann man es auch aufheben und beenden.

Die vierte sagt, dass man durch den Dharma, die Lehre Buddhas endgültige Befreiung erhalten kann und sich von bedingtem Glück und Anhaftungen an das Leben frei machen kann und so die dauerhafte freudvolle klare Natur des Geistes erfahren kann - Nirvana, das aufheben jeglicher Bedingungen.


Für mich persönlich bedeutet das, dass ich mich nicht mehr von den ganzen unschönen, aber auch nicht von allen schönen Dingen des Lebens mitreißen lasse, sondern versuche einen kontinuierlichen freudvollen Zustand zu erreichen, den ich aus der Natur meines Geistes ableite, der somit unabhängig von der Welt ist, durch die Methode der Meditation. Unbedingte Freude und Glück und wenn ich alwins Bemerkungen folge, dann funktioniert das schon zumindest ab und zu mal ganz gut. Damit lässt es wesentlich leichter und schöner leben und es ist einfacher anderen Menschen zu helfen und Gutes zu tun, wenn ich nicht mehr selber verwirrt bin und leide.


Insofern ist das schon nen ganz schöner Spaß, ja.


Zitat:
Immerhin ist das nicht in der Abhängigkeit der Gnade oder des Sich-Erbarmens eines Gottes gebunden!


Das ist die zentrale Geschichte. Du wirst viele Freunde finden, die Dir helfen, die Dir unter die Arme greifen können, aber wenn Du selber nicht Dein Arsch auf das Meditationskissen setzt, dann wird auch nichts passieren, kein Gott wird kommen und Dir Gnade erweisen, kein Heiliger Dich abholen - für Dich vielleicht ein wenig zu verlassen, dass ist es aber nicht. Der feine aber kleine Unterschied zum Christentum ist es sich nicht um Glaubensreligion handelt, ich muss also nicht wie John immer damit drohen: Warten wir es ab, wir werden ja sehen, wer hier in die Hölle kommt. - sinngemäß, sondern Hölle ist hier schonmal gar nicht und als Erfahrungsreligion, profitiere ich und meine Mitmenschen, auch wenn sie nicht Buddhisten sind, erheblich von der Anwendung von Buddhas Lehren.
@Leer
Zitat:
An erster Stelle...naja.

Wieso? Auf Begründung bin ich echt gespannt!

Gruß alwin
Die vier edlen Wahrheiten standen vielleicht zu Beginn Buddhas Lehre und oft auch sicher zu Beginn von so mancher buddhistischer Karriere, aber um sich mal einem beliebten Gleichnis zu bedienen: Buddha hat sich selber, wahrscheinlich aufgrund seiner guten weltlichen Ausbildung und seiner Methoden als Arzt gesehen oder wurde so gesehen. Stell Dir vor, da kommt nen Arzt zu Dir und sagt: Sie haben da ein Leiden, dieses Leiden hat die und die Ursache, aber wir können was dagegen tun. Hier machen sie das, dann wirds schon wieder.
Einmal gehört und gut ist oder rennst Du dann die ganze Zeit durch die Gegend: Oh mein Gott, ich habe ein Leiden, weil ich... und so weiter und so fort? Einmal erkannt und gut ist, zumindest wars bei mir so. Mich hat das auch nicht sonderlich vom Hocker gehauen, irgendwie hatte ich das schon so im Gefühl - wahrscheinlich. Es war so formuliert (wieder mal ) was Neues für mich, aber keine Offenbarung, die Wahrheit dafür, habe ich wohl schon vorher in mir gespürt - bin auch ziemlich jung zum Buddhismus gekommen und musste nicht das Leiden erfahren, was man konventioneller Weise unter diesem Begriff versteht, um zu merken, dass das Leben kein Ponyhof ist.
Es gibt so viele Zahlen im Buddhismus, vier edle Wahrheiten, achtfacher Fad, zehn unheilsame Handlungen, zwölf Glieder des bedingten Entstehens, 84.000 Schleier (die größte heilige Zahl, die mir je untergekommen ist) und das alles in 108 Bänden, ein jeder von epischer Größe.
Manchmal gucke ich in rein (nicht in die Bände ), aber auswendig gelernt habe ich sie nie, auch wenn ich sowas eigentlich ziemlich gut kann. Ich glaube ein guter Geist gepaart mit einem reinen Herz macht alles automatisch richtig, vielleicht hat bei mir das einmal lesen auch gereicht, damit da jemand kapiert hat wie es läuft und jetzt muss ich nicht mehr jedes mal drüber nachdenken, spart Zeit und Arbeit.
ich habe auch Buddhisten in meinem Freundeskreis, insofern, habe ich nichts gegen Buddhismus.

Nur, der Weg vom Leiden bis zur Erleuchtung ist lang-sehr sehr lang.

Jade. (manche erreichen den Punkt der Erleuchtung nie...UG sprach davon, dass es keine Erleuchung gäbe-was dann?)
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