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Erster türkischer Schützenkönig












„Dann kam der Adler runter“

Emin Özel hat als erster Türke den Vogel abgeschossen. Nun regiert der Werbekaufmann den Paderborner Schützenverein. „Die große Flexibilität und Toleranz der Leute mich erstaunt“, sagt der 46-Jährige im Interview.

Herr Özel, gibt es eigentlich ein türkisches Wort für „Schützenkönig“?
Nein, das gibt es nicht. Meine Eltern kennen zwar das Wort. Sie gehörten zur ersten Generation Gastarbeiter in Deutschland und leben nun wieder in Istanbul. Für Verwandte und Freunde muss ich den Begriff aber umschreiben. Er ist schwer zu vermitteln.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie der erste türkische Schützenkönig Deutschlands wurden?

Ein Freund hatte mich zum Schützenfrühstück mitgenommen. Auch weil die Mitgliedschaft im Verein nur 25 Euro im Jahr kostete, bin ich eingetreten – als passives Mitglied zunächst, weil ich nie mitmarschiert bin. Meine Werbeagentur hat dann für den Paderborner Schützenverein einen Slogan entwickelt . . .

... wie lautet der?
„Wir haben 'nen Vogel . . . und stehen dazu!“ Später sollte mir vom Verein ein Orden verliehen werden – ruckzuck wurde ich in eine Uniform gesteckt. Die ist Voraussetzung, um den Vogel abschießen zu können. Ich habe zum Hauptmann meiner Kompanie gesagt: „Ich kann überhaupt nicht schießen.“ Ich kann es bis heute nicht.

Dann haben Sie doch abgedrückt.

Der Hauptmann hat mich herumgekriegt. Er sagte, was für eine große integrationspolitische Signalwirkung von einem türkischstämmigen König ausgehen würde. Und beim zweiten Schuss kam dann der Adler runter.

Hat Sie das erschreckt?

Das war ein großer Schreck, als das Teil plötzlich da runterflatterte. Es gibt ein schönes Bild von meiner Frau, wie sie in dem Moment voller Freude die Arme hochreißt. Ich brauchte ein paar Sekunden, um zu begreifen, dass ich König bin.

Gibt es im erzkatholischen Paderborn auch Menschen, die Probleme damit haben, dass ein Muslim auf den Schützenthron steigt?
Nein, die Resonanz war absolut positiv. Es überraschte mich, dass die Menschen mich so schnell ins Herz geschlossen haben. Viele, auch fremde Leute gratulierten mir. Es war eine gute Entscheidung, auf diesen Vogel zu schießen.

Fühlen Sie sich als Musterbeispiel für gelungene Integration?

Das Ziel ist erst erreicht, wenn ein Fall wie meiner zur Normalität geworden ist. Die große Flexibilität und Toleranz der Leute, dass ich kein Schweinefleisch esse und keinen Alkohol trinke, hat mich aber schon erstaunt.

Schützenkönige müssen doch während ihrer Regentschaft zig Runden ausgeben. Bei Ihnen heißt es dann „50 Bier und eine Cola, bitte“?

Warum nicht. Es gehört dazu, dass man mal einen ausgibt. Aber es stimmt: Schützen sind immer durstig.

Quelle: http://www.faz.net/s/Rub501F42F1AA0.....Tpl~Ecommon~Scontent.html
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