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Rhetorische Mittel gebraucht












Ich such Zuflucht bei Gott vor dem verfluchten Teufel,
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen
Frieden wünsche ich allen, einschließlich Christen und Juden und Nichtmuslimen

Gut, ich habe mir den ersten Teil angeschaut, welcher mit "Erhaltung der Sunnah" betitelt wird. Ich kann verstehen, wieso z.B. Abdulvahap Pierre Vogel glaubt, weil dieser rhetorische Mittel gebraucht, ohne wirkliche Argumente zu verwenden. Ich will mal nun auf den ersten Teil eingehen, um zu zeigen, dass seine Schlussfolgerung gegen Ende des Films ohne jegliche Grundlage und Basis ist. Damit diejenigen, die die Argumente meinerseits mit denen von Vogel vergleichen wollen, leichter überprüfen können, gebe ich die Zeitangabe des Films ungefähr an. Das Format ist Minuten:Sekunden.

Let's get ready to rumble

Um 2:30 zitiert Vogel einen angeblichen Hadith des Propheten mit dem folgenden Inhalt: "Ich habe euch Gottes Buch und die Sunna hinterlassen!"

Ich bitte die LeserInnen, den siebten Punkt des fünften Abschnitts zu lesen. Dort wird alles erklärt: http://www.alrahman.de/index.php?id=96#Verbot

In den weiteren Minuten gebraucht er eine einleitende Rhetorik mit dem Begriff "Satans Weg". Damit soll der Eindruck entstehen, dass der Koran UND die Sunna den EINZIGEN Weg darstellen würden. Nebst dieser Rhetorik verrät Vogel etwas Entscheidendes: Er kritisiert Leute, die für sich das auswählen, was ihnen aus der Sunna passe. Wohlbemerkt, die sunnitischen Gelehrten tun in der Verkleidung der "Gelehrtheit" genau dasselbe, wenn sie nach eigenem Gutdünken meinen, Ahadith bewerten und einstufen zu können. Der Koran kritisiert die Menschen, die in außerkoranischen Schriften das finden, was ihnen passt. Lassen wir einmal die Hadith-Sammlung der Schiiten aus, so ist es auch innerhalb der vier Rechtsschulen (Madhabs) des Sunnismus so, dass alle vier ihre häufig unterschiedliche Meinungen aus den Ahadith entnehmen (eine Darstellung dieser Unterschiede lässt sich im Buch "Die erfundene Religion und die Koranische Religion" finden).

Zitat:
68:36 Was ist los mit euch, wie urteilt ihr denn!
68:37 Oder habt ihr etwa ein Buch, in dem ihr studiert?
68:38 Worin ihr alles findet, was ihr euch wünscht?


Um etwa 7:30 gibt es in der Logik von P. Vogel einen Fehler. Die Frage, die ich ihm gerne direkt stellen würde: Wieso werden "erfundene Ahadith" überhaupt überliefert, wenn diese seiner Meinung nach gar nicht erwähnt werden dürfen? Ist der Idschmau-sabaha (Konsens der Sahaba) bzw. sind "die ersten drei Generationen" weitere Religionsquellen neben Gott? Im Laufe des Films wurde diese Frage indirekt mit "Ja" beantwortet.

Zitat:
6:114 Soll ich etwa jemand anderen als Gesetzesgeber (ħakaman) suchen als Gott, wenn Er doch euch dieses Buch vollständig detailliert offenbart hat?


Im Vortrag wird des Weiteren betont, dass wir so glauben sollen, wie die Gläubigen zur Zeit des Propheten geglaubt haben. Die Frage lautet also: Wie haben die Gläubigen zur Zeit des Propheten geglaubt? Die ganz simple, einfache und logische Antwort: So wie es im Koran steht, wie denn sonst?

Zu 10:10 gibt's Folgendes zu sagen: die einzige Pflicht des Gesandten besteht darin, die ihm zuteil gewordene Offenbarung zu verkünden (5:92, 5:99, 16:35, 16:82, 24:54, 29:18, 42:48, 64:12). Es ist die Aufgabe Gottes höchstpersönlich, den Koran den gläubigen Dienern Gottes richtig zu erklären (55:1-2, 75:16-19, 20:114). Gleich im Anschluss (um 10:29) wird ein Vers aus dem Koran falsch übersetzt wiedergegeben. Der besagte Vers:

Zitat:
16:64 Und Wir haben dir das Buch nur deshalb herabgesandt, auf daß du ihnen das verkündest (litubeyyine), worüber sie uneinig sind, und (ebenso) als Führung und Barmherzigkeit für die Leute, die glauben.


Diejenigen, die die Ahadith und die Sunna der Weisheit Gottes beigesellen, verzerren die Bedeutung des Wortes "litubeyyine" im Vers. So wie das Wort "Erklärung" im Deutschen zwei Bedeutungen haben kann, verhält es sich mit diesem Ausdruck. Jene, die die den deutlichen Koranversen widersprechende Bedeutung wählen, werden in Vers 3:7 erwähnt. Für ähnliche Formulierungen können die Verse 2:159-160 oder 16:44 nachgeschlagen werden. Das Merkwürdige dabei ist, dass die Araber heute die richtige Bedeutung immer noch wissen, dass dieses Verb SICHTBAR bedeutet, wenn es im anderen Kontext verwendet wird. Sura 98 besitzt einen von derselben Wurzel abgeleiteten Titel: al-bayyinah. Im koran gibt es einen vers, der das deutlicher macht:

Zitat:
Transliteration 3:187 waez açaza Allaho meyßaqa Allazeyna owtow Alketaba latobayyenonnaho lelnnase wala taktomownaho fanabazowho wara žohowrehem waƒtaraw behe ßamanan qaleylan fabeysa ma yaƒtarowna

paret 3:187 Und (damals) als Allah die Verpflichtung derer, die die Schrift erhalten haben, entgegennahm (des Inhalts): Ihr müßt sie den Leuten klarmachen und dürft sie nicht (vor ihnen) verborgen halten! Hierauf warfen sie sie achtlos hinter sich und verschacherten sie. Ein schlechter Handel (auf den sie sich eingelassen haben)!

azhar 3:187 Einst hat Gott mit den Schriftbesitzern einen Bund geschlossen, durch den Er sie verpflichtete, den Menschen die Schrift bekannt zu machen und diese nicht zu verbergen. Sie haben dem Bund aber den Rücken gekehrt und ihn für einen geringen Preis verkauft. Welch schlechter Handel!

zaidan 3:187 Und (erinnere daran), als ALLAH das Gelöbnis derjenigen entgegennahm, denen die Schrift zuteil wurde: ‚Ihr werdet sie doch den Menschen erläutern und sie nicht verbergen.‘ Dann haben sie ihr (der Schrift) jedoch den Rücken gekehrt und sie gegen Minderwertiges eingetauscht. Und erbärmlich ist das, was sie eingetauscht haben.


Das nicht genug, auch die Türken kennen das Wort beyyine:

Zitat:
beyan: Angabe [die], Anmeldung [die], Kundgebung [die]
beyan etmek: anzeigen, aussprechen, bekunden, feststellen, kundgeben, proklamieren
http://www.sozluk.web.tr/index.php


Für gewöhnlich wissen alle Araber was "bayan" heißt, nur schalten sie plötzlich den Kopf ab, wenn sie bei der Lektüre zu diesem Vers gelangen! Unglaublich aber wahr. Es gibt sogar einen modernen ägyptischen Film, der heißt: dscha'ana albayan altaly (d.h. es ist zu uns folgende Verkündigung angekommen). In den medien wird 'bayan' ebenso als Verkündigung verwendet. Für diejenigen, die das überprüfen wollen, habe ich folgenden Vorschlag eines Freundes von mir: Suche Araber aus, die nichts mit dem Thema zu tun haben. Im Internet lassen die sich leicht finden. Stelle ihnen die einfache Frage, was die folgenden zwei Wörter bedeuten: ezhar we baan اظهر وبان. Das wird eine ausreichende Bestätigung sein, dass Araber unter dem Wort "baana" 'komm raus', 'sei sichtbar' usw. verstehen. Frage außerdem, ob der Ausdruck verbreitet ist oder nicht.

Um 11:00 spricht er kurz vom Kopftuch. Seiner Meinung nach sei diese Sache klar, dass das Kopftuch erwähnt wird. Wer das unbedingt so verstehen will, wird Kopftuch hinein interpretieren, doch die entsprechenden Koranverse sprechen nicht das Kopftuch an. Kopftuch wird nicht mal im Koran als solches erwähnt.

Bis 13:50 werden auf rhetorische Weise die "Gelehrten" von Bukhary bis Abu Hanifa als solche dargestellt, die sehr viel Wissen hätten. Es grenzt schon fast daran, dass sie wegen ihrem Wissen idolisiert werden, dass sie sich ja nicht geirrt haben könnten, da sie sich ja "solche Mühe" gegeben hätten, Wissen anzueignen etc.

Um 14:00 kommt aus dem Munde Vogels eine Meinung, die fast das eigenständige Denken verbietet. Der Koran ist NICHT nach der Interpretation des Propheten zu interpretieren, das wäre eine Denkhaltung, die metaphorisch einem Papagei ähnelt. Der Prophet hat nicht dasselbe Wissen über den Koran. Was die Koranischen Wunder angeht, so war der Prophet selbst unwissend. Also kann seine Interpretation (die übrigens definitiv NICHT in den außerkoranischen Büchern des Sunnismus zu finden sind) gar nicht diejenige sein, die als Quelle dient.

Etwa 20 Sekunden später sagt Pierre: "Die Wahrheit, um den rechten Weg vom falschen zu unterscheiden" sei das Verständnis derjenigen, die zur Zeit des Propheten gelebt hätten. Das ist Götzentum. Menschen als Quelle und Wahrheit neben dem Buch Gottes anzusehen ist nichts anderes als Polytheismus. Nicht Menschen sind es, sondern der Koran selbst, der das Rechte vom Falschen unterscheidet. Einer der Namen des Koran lautet auch Al-Furqan (der Unterscheider, das Maß).

Um 17:34 wird die Betonung dermaßen auf die so genannte Sunna gelegt, dass hinterfragt werden kann, ob Vogel den Koran überhaupt aufmerksam liest. Im Koran ist nie von der Sunna des Propheten die Rede. Laut Koran ist die Sunna Gottes die einzige Sunna (33:62, 35:43, 48:23 - um das Wort Sunna in den Versen zu entdecken, sollten Transliterationen beigezogen werden).

Ein weiterer falscher Punkt: die Propheten seien masuum (fehlerfrei). Im Koran wird von 6 Fehlern des Propheten Mohammeds berichtet (diese sechs Fehler werden im Buch "Die erfundene Religion und die Koranische Religion" erwähnt und kommentiert). Ohne diese Aussage klarzustellen (rhetorischer Trick), geht er weiter zur Aussage, dass damit die Verkündung der Botschaft gemeint ist. (Das Bild der fehlerlosen Propheten hängt aber immer noch nach). Was die Verkündung der Botschaft angeht, bin ich fast gleicher Meinung. Die Überlieferung des Koran wurde vollbracht, das beweist der Code 19 eindeutig (zu dem er ja eine ablehnende Haltung hat; eigentlich überrascht es mich nicht, denn der Code 19 erfordert kritisches, skeptisches, rationales Denken, das Vogel wohl zu fehlen scheint). Die vollständige Überlieferung der Botschaft bedeutet aber nicht, dass damit verbunden auch das Leben des Propheten fehlerfrei sei. Durch das Zitat des Koranverses gebraucht er eine feine, nicht mal blöde Rhetorik, um den Propheten selbst als sündenlos darzustellen.

Der "zweite Punkt": Der zitierte Vers bezieht sich auf den Koran, nicht auf außerkoranische Taten und Aussprüche des Propheten. Allein die Offenbarung wird mit dem Vers angesprochen, nicht der Prophet und seine Taten, Handlungen, Wege und Aussprüche selbst.

Um 22:20 kann ich meinen Ohren fast nicht trauen: ein enormer Widerspruch zum Koran. Im Koran wird Mohammed direkt von Gott getadelt, weil er in spiritueller Hinsicht (!) falsch gehandelt hat. Im Koran wird deutlich ausgesagt, dass Mohammed sich abgewandt hat. Es steht nichts davon, dass er "gerade beschäftigt gewesen sei" oder ähnliches. Mohammed hat sich aktiv abgewandt, das kann jeder selbst nachlesen. Ich finde es schändlich, dass Vogel Koranverse abschwächen will, um die Sunna als legitim dastehen zu lassen.

Um 23:38 wird etwas Altbekanntes erwähnt. Der Gesandte Mohammed sei ein Beispiel für die Gläubigen. Die Beispiele der Gesandten Gottes (Plural!) sind IM Koran. Sowohl Mohammed als auch Abraham werden im Koran als Beispiele genannt (auch dies wird im zuvor erwähnten Buch unter die Lupe genommen).

Bei ca. 25:20 spricht er vom "Iman (Glaube) an den Gesandten", wohlbemerkt nicht an Mohammed! Der Gesandte verkündet die Botschaft, die er von Gott als Offenbarung erhält. Wenn wir dem Gesandten gehorchen, wenn er im Namen Gottes spricht, dann glauben wir der überlieferten Botschaft.

Etwa um 26:40 zitiert er einen Koranvers (4:113) und meint, dass der Vers aussage, dass es zwei Offenbarungen gäbe: Buch und Weisheit. Jedoch kann soviel gesagt werden: Die Weisheit ist IM BUCH. Das "wa" bedeutet normalerweise "und" in den sprachen, aber nicht auf Klassischarabisch. Damit verliert die Interpretation von "zwei Offenbarungen" an Gültigkeit. Beispiele mit 33:7 und 55:68:

Zitat:
33:7 waez açazna mena Alnnabeyyeyna meyßaqahom wamenka wamen nnowħen waebraheyma wamowsa waåeysa abne maryama waaçazna menhom mmeyßaqan ğaleyžan


men alnabeyeen = von den propheten; men = von; wa men ka = und von dir. Obwohl derjenige, der mit "dir" gemeint ist, auch ein Prophet ist, und obwohl auch Noah, auch Abraham, auch der Sohn der Maria Jesus, auch Moses, obwohl alle Propheten sind, werden diese mit WA verknüpft.

Zitat:
55:68 feyhema fakehaton wanaçlon warommanon
In ihnen gibt es Obst und (Datteln-)Palmen und Granatäpfel.


Der Granatapfel oder Grenadine (Punica granatum) ist eine Laubbaumart, [...] deren rote Frucht als Obst gegessen wird. Datteln sind auch Früchte.

Um 28:10 wird wieder mal etwas Ähnliches erwähnt: gehorcht Gott und gehorcht dem Gesandten (oder: wer dem Gesandten gehorcht, gehorcht Gott). Wohlbemerkt, im Koran steht nicht "gehorcht Mohammed", sondern "gehorcht dem Gesandten". Der Gesandte überliefert die Botschaft, und wenn er die Botschaft verkündet, sollen wir dem gehorchen, was der Gesandte sagt. Wir müssen also der verkündeten Botschaft, die aus dem Munde des Gesandten kommt, gehorchen. Wer der Botschaft des Gesandten gehorcht (die im Koran vorliegt), hat Gott gehorcht.

Bei ca. 29:44 Wird Sure 4, Vers 65 zitiert. Auch dieses Thema wird im Buch "Die erfundene Religion und die Koranische Religion" erklärt. Das was der GESANDTE sagt, das muss gehorcht werden und was Mohammed ALS GESANDTER entscheidet, dem muss Folge geleistet werden. Mohammed ALS GESANDTER ist der Richter, nicht Mohammed als Mensch. Mohammed war auch ein gewöhnlicher Mensch, der seiner Arbeit nachging und Fehler beging. Pierre Vogel bestätigt und beweist durch seine Aussagen mitunter die Idolisierung Mohammeds im Sunnismus.

Die Aussage, die um 31:20 erfolgt, kann so erklärt werden: Folgt dem Koran, um dem Propheten zu folgen. Denn, wenn wir dem Koran nicht folgen, folgen wir auch nicht dem Weg, den der Prophet beschritten hat. Der Prophet wird sich beschweren, dass SEIN VOLK den KORAN und nicht die Sunna verlassen hat!

Anschließend die Sunna mit Zitaten aus der Sunna zu beweisen, das ist ein Zirkelschluss.

Pierre Vogel zeigt seine Unwissenheit (oder Ignoranz?) um 34:40. Gebet, Pilgerfahrt (Hadsch), Almosen werden im Koran beschrieben, ausführlich und verständlich für diejenigen, die nachdenken (auch das wird im Buch "Die erfundene Religion..." gezeigt).

Erneute Unwissenheit von Pierre Vogel um 36:30: er soll mal sein Wissen überprüfen. Rashad Khalifa hat sich nicht als Propheten angesehen. Zudem wird im Koran die Funktion der 19 in 74:31 beschrieben. Ach, Sakon, so ganz nebenbei: Hölle oder Wunder? (Über Kapitel 74)

Wie schon Pax erwähnt hat: Gott hat nicht versprochen, die Sunna zu schützen, sondern die OFFENBARUNG selbst, also den Koran. Die Aussage von Pierre Vogel um 38:30 ist völlig ohne Grundlage.

mfG und in Frieden,
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