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Quälender Hunger












Mein liebes, mein geliebtes Kind,
du fragst, wie du erkennen kannst, dass Ich dir nahe bin.

Wenn in einer drückend heißen Nacht alles glüht und reglos ist,
liebkose ich dich mit dem ersten kühlen Windhauch, der deine Wange streichelt,
denk an mich!
Wenn quälender Hunger gestillt ist und Glücksgefühl in die Einsamkeit dringt,
denk an mich!
Wenn dein Mund ausgedörrt ist und du nur mit Mühe sprechen kannst
ist der erste Schluck kühlen Wassers die Linderung, die ich dir schenke,
denk an mich!
Wenn die Wolke des Todes sich auflöst beim ersten Lächeln im Blick eines Neugeborenen,
denk an mich!
Wenn ich dein Gesicht mit Regentropfen benetze und die Erde wasche,
die trockenen braunen Blätter,
ist der erste Duft reinen Regens die Reinigung, die ich dir schenke,
denk an mich!
Wenn Schmerz vergeht und Tränen versiegen,
denk an mich!
Wenn furchtlose Augen erschrecken vor den Grausamkeiten des Lebens
und der erste Anblick des stillen Sonnenunterganges dich tröstet,
denk an mich!

Dann fragst du mich, wie du erkennen kannst, daß du Mir nahe bist.

Wenn die brennende Sonne dich und die Erde ausdörrt,
wenn Sand und Staub deine Augen füllen und kein Schatten weit und breit zu sehen ist
und du mich liebst;
Wenn Einsamkeit und Hunger dich quälen und für keines Erlösung zu finden ist
und du mich liebst;
Wenn deine Lippen aufgesprungen sind, und die Zunge dir am Gaumen klebt,
wenn deine Kehle nach Wasser lechzt und weit und breit kein Wasser,
nicht einmal als Luftspiegelung, zu sehen ist,
und du mich liebst;
Wenn du ein sterbendes Kind im Arm hältst, das dich mit bittendem Blick anschaut,
und du mich liebst.
Wenn ich das Meer aufpeitsche zu einer Woge und du in seiner Tiefe
wie ein Blatt hilflos herumwirbelst
und du mich liebst;
Wenn der Schmerz vergeht und die Angst sich auflöst,
denk an mich!
Wenn standhafte Augen entsetzt sind von den Grausamkeiten des Lebens,
tröste ich dich mit dem ersten Blick auf den stillen Sonnenuntergang,
denk an mich!
Wenn Schmerz unerträglich wird und du lächelst
und du mich liebst;
Wenn ich dir dein Liebstes nehme und du nicht mehr sehen kannst,
wenn Dunkelheit dich umfängt
und du mich liebst;

Denn alles, was du siehst, hörst, riechst, schmeckst oder tastest, ist mein. Wie kannst du mir geben, was ich schon bin, es sei denn deine Liebe? Und Liebe gab ich dir schon vor Anbeginn der Zeit als deines. Gibst du sie mir nun wieder zurück, dann weiß ich, du bist wirklich mein, und ich werde alle deine Sorgen und all dein Glück in mir auflösen.
Weil ich dies bin, gebe ich dir die höchste Glückseligkeit für immer.
Denn ich liebe dich und meine Gedanken sind immer bei dir.

Dein Gott
Forum -> Spiegel- und Reflexionsforum IV


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