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Hi Astrella
Verdammt schlau von dir das mit der Haushälterin Hier nennt sich sowas 'muchacha' (mutschatscha - Mädchen, junge Frau) und falls ich hier bleiben sollte, will ich auch eine. *G*
Gehalten wurde ich hauptsächlich in 'Einzelhaft', keine Geschwister, kaum Freunde. Die Familie hab ich ganz schnell um den Finger gewickelt, die konnten mir nix - ausser meiner Mum: 'Nein' war ihr Lieblingswort und den Putzlappen hielt meist ich in der Hand ("Ich geh jeden Tag arbeiten und _du_ kannst auch was tun!"). 'Fix und gründlich' wurde mein Motto - so blieb viel Zeit um Spleenigkeiten zu entwickeln...
Dann ging ich an die Uni (weil mir nix besseres einfiel) und kam ins Studentenwohnheim - 20 Leute in der Küche, die alle zum gleichen Zeitpunkt eingezogen sind. Wir kochten zusammen, putzten zusammen, tranken Unmengen an hirnschädigenden Flüssigkeiten und rauchten äh Blumenkohl, grillten, machten sehr viel Lärm, trampelten durch die Büsche und im Winter bauten wir Iglus und Müllschlitten... Was ich an sozialem Verhalten haben, habe ich dort entwickelt. (Und noch ein paar spezielle Wohnheimspleens zusätzlich.)
In dem Haus, in dem meine Mum bis vor kurzem noch gewohnt hat, lebten - bis auf ein Ehepaar - nur ältere Semester, alles Männer und alles Singles. Wenn du wissen willst, was 'Spleen' ist, im Lexikon stehen bestimmt deren Namen als Definitionsbeispiele. Der, der unter uns wohnte, wusch sich nie. Man konnte riechen, wenn er im Treppenhaus gewesen war; wenn er die Kehrwoche gemacht hatte, konnte man es für zwei Stunden nicht betreten... Versuche zur Kontaktaufnahme gabs keine, höchstens von Seiten unsrer Katze. Das heisst doch... die türkische Nachbarin von oben lud mich zum Essen ein und bat mich um Nachhilfe, mal abgesehen davon, dass sie mich mit ihrem Vetter verheiraten wollte, war das immer ganz nett... dann wurde sie schwanger und zog aus. Gegenüber war ein türkisches Ehepaar, das sich immer unsre Katze auslieh, wenn ihr Mädel weinte, zogen auch um... aber abgesehen davon war die Katze wohl immer das lebendigste Element.
Meine Mum wurde nur deswegen nicht wahnsinnig, weil sie einen Job hat, der sehr viel Kontakt zu Menschen impliziert (Physiotherapeutin). Aber auch sie hatte nach "11 Jahren Friedhof" die Schnauze voll und zog ins 'Ghetto'. Da werd ich demnächst auch wohnen, bis ich mein Studium beendet habe. (Man hat in meiner Abwesenheit wohl schon vereinbart, dass ich die Kinder der Nachbarin hüten könnte... die armen Kinder, ich werde sie allesamt umprogrammieren *g*)
Du hast schon recht, was fehlt ist aber nicht die Gemeinschaft an sich, sondern der Wille (und auch die Gewohnheit) zum Gemeinschaftsleben. Indessen kann man das auch umgekehrt sehen: auch die zu starke Eingebundenheit in soziale Abhängigkeiten hat ihren Preis. Sie kann auf Kosten der individuellen Entwicklung gehen. Manche ersticken gar daran. Und viele 'grosse Geister' hätten sich nicht dazu entwickeln können, wenn es die Einsamkeit nicht gäbe.
Wo will man das richtige Mass finden zwischen Abgrenzung und Eingebundenheit - Ordnung und Chaos? Was davon ist 'gut'?
Mein Vater ist Künstler und er sagte einmal zu mir: "Ob es uns vom moralischen Standpunkt aus gesehen passt oder nicht... die Voraussetzung um Kunst zu produzieren ist ein egoistischer Charakter. Nur ein absoluter Egoist kann ein wirklich guter Künstler sein." Und das Paradoxe daran ist, dass seine Kunst letztendlich allen zugute kommt... wir können ohne andere Menschen leben, aber wer von uns will schon ohne Kunst leben? (Die Philosophen freilich diskutieren, ob sie nötig sei.)
Ich denke das Problem ist nicht extern (an Möglichkeiten mangelt es nicht), sondern intern. Und das muss nicht mal ein Problem sein... was wenn wir als Kollektiv diese Ehrfahrung machen müssen?
Aber klar... man weiss nicht, ob man lachen oder weinen soll, wenn die Nachbarin von unten klingelt und sagt: "Könnten Sie wohl bitte aufhören meine Wäscheklammern zu benutzen! Kaufen Sie sich gefälligst ihre eigenen Wäscheklammern!" - Mein Freund ist schier gestorben vor Lachen... ich sagte nur: "Oh, es tut mir wirklich leid, ich wusste nicht, dass Ihnen diese Wäscheklammern so viel bedeuten..."
Als Kind lebte ich in Russland zu Zeiten des Kommunismus, wenn meine Oma Wäscheklammer brauchte, schickte sie mich los um die Büsche unter den Balkonen abzuklappern . Meist kam ich dann mit vier fünf Stück wieder...
LG
Lisken
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Hallo Gralsbote
Versuch du mal mit 300 Euro im Monat und 40 Litern Wasser am Tag (wovon weniger als 10 Trinkwasser sind) zu leben. Dann reden wir weiter . Will sagen: 25 Euro im Monat sind für mich kein "nur", sondern das, was ich in der Woche esse.
Ich habe bereits ein Patenkind, meine kleine Cousine. Sie hat in letzter Zeit viel durchgemacht und ist in der dritten Klasse sitzengeblieben. Ihre Mutter würde das am liebsten totschweigen. Es ist auch meine Aufgabe ihr Halt zu geben, ihre Nase in die Schulbücher zu drücken und ihr vom Balkon zu pfeiffen, wenn sie mal wieder allein auf der Schaukel hockt, weil keiner mit ihr spielen will... das sind keine 25 Euro, sondern meine Zeit, meine Kraft, meine Nerven die ich da reinpumpe. Und ich _weiss_ wo meine Investition hingeht.
Von der Art des spendablen Gutmenschentums, dessen du dich hier so rühmst, halte ich nicht viel. Und wenn du den Thread gründlich gelesen hast, weisst du auch warum. Meiner Meinung nach sind diese Spenden nur dazu da das schlechte Gewissen von Leuten zu beruhigen, die das Gefühl haben, sonst recht wenig zum Wohlergehen ihrer Artgenossen beizutragen.
Wenn _jeder_ mehr vor der eigenen Haustür kehren würde, statt in die Ferne zu schweifen, wären wir _alle_ besser dran. Damit es den Menschen in armen Ländern besser gehen kann, müssten die reichen Länder nicht mehr geben, sondern einfach weniger nehmen. Die Realität sieht so aus, dass derselbe Gutmensch, der jeden Monat brav seine 25 Euro spendet, sich am selben Tag, an dem sie ihm vom Konto abgezogen werden, drüber ärgert, warum der Kaffee so verdammt teuer ist. Und igendwann liegt er dann unter einem Grabstein, den ein Kind in Indien rausgebrochen und zum Lastwagen geschleppt hat, das nicht das 'Glück' hatte einen 25-Euro-Paten in Europa zu haben.
MFG
Lisken
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@Lisken
*gröhl*
Selten so gelacht.
Wenn es nur nicht so traurig wäre.
Es ist - da stimme ich dir 100% zu - eben auch ein "Preis" für Gemeinschaft zu zahlen: den der Unterordnung, der Individualität und der Unabhängigkeit. Und die wenigsten Gemeinschaften sind so aufgebaut wie eure Wohngemeinschaft, sonder eher hirachisch, und wer ganz "unten" ist, versucht auch, ganz schnell da rauszukommen - meistens die jungen Frauen - um dann in eine andere hirachische Struktur zu schlüpfen. Es hat Vor- und Nachteile. In solchen Ländern, in denen wir jetzt Leben, können die Menschen ohne einen solchen Zusammenhalt nicht leben. Es gibt nun mal keine Absicherung. Eine alleinstehende Frau mit 6 Kindern ist gut beraten, ein gutes Verhältnis zu ihrer Familie zu haben, andernfalls verhungert ihr Nachwuchs in der Zeit, in der sie halb bewußtlos gegen ihre Malaria kämpft und nicht das Bett verlassen kann. Auf der anderen Seite gibt es diese Fürsorge eben nicht umsonst: Man erwartet genau den gleichen Einsatz von ihr.
Individualität ist ein Luxus. Man muß ihn sich leisten können. Ich meine auch nicht, daß Gemeinschaft die einzig glückseligmachende Gesellschaftsform für jeden ist.
Es ist ein bißchen so wie mit Essen: Manchmal bevorzugen wir das, von dem wir eigentlich genau wissen, daß es und nicht guttut und vielleicht sogar krank macht. Die Wahl zu haben ist schon Luxus.
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ich denke, ohne Hierarchie geht überhaupt nichts, denn die entsteht in jedem Augenblick mehr oder weniger aus den Gegebenheiten.
Schlimm ist es dann, wenn die Hierarchischen Plätze ohne Ausbildung vererbt werden, wie das im Mittelalter vielerorts der Fall war, da war ein Volk auf gedeih und Verderb Leibeigentum eines Chefs und wenn das ein Egomane war, dann gute Nacht.
Ich denke, nicht jeder Mensch ist gleichermaßen fähig, willig und Bedürftig eine Gesellschaft zu haben. Es gibt geborene Pioniere und darunter auch einige geborene Bruchpiloten.
Es gibt Menschen mit Führungsstärke und einer natürlichen Autorität, welche keiner Uniform bedarf.
Wahrscheinlich gibt es für jeden Charakter einen optimalen Platz innerhalb seiner Gesellschaft, und gerade diesen zu erwischen ist vermutlich nur zu einem Teil Kunst dessen, der seinen richtigen Platz sucht, da ist viel Bedingungen dabei, Erfahrungen und Erlebnisse, welche die Kompetenz für ganz genaue Plätze schafft.
Und ganz bestimmt sitzt sehr oft ein falscher Mensch an einem festen Platz einer konstruierten Hierarchie und leider tun dies manche viel zu lange, viel länger als erkannt worden ist, dass es so ist.
Nur, wenn niemand da ist, der die verkorkste Situation retten kann, dann muss man eben warten bis sich die Lage aus anderen Gründen ändert, und sei es mal durch eine Revolution oder eine Naturkatastrophe.
Wenn die nicht kommt, beliebte man früher einen Krieg anzuzetteln, heute ist das vielleicht nicht mehr so einfach, zum Glück.
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Ich meinte eigentlich die Hirachieen auf unterster Ebene, die Familienhirachie. Eigentlich meinte ich sogar mehr die Familiengemeinschaft, den Clan.
Es ist mühsam, sich unterzuordnen, gerade wenn man nichts anderes gewohnt ist. Für uns Individualisten (da schließe ich mich ein) ist es in allen Konsequenzen kaum vorstellbar.
Aber Einsamkeit lässt die Menschen durchknallen. Nicht gegen ein paar Durchgeknallte, eine Gesellschaft braucht sie wie das Salz in der Suppe. Und viele von ihnen sind ja auch äußerst kreativ und "neu" in ihren Gedanken.
Aber eine Gesellschaft, sie nur noch aus solchen Menschen besteht?
Meine deutschen Mitbürger haben mich mit meinen 4 Kindern angeguckt, als wäre ICH durchgeknallt.
Als wenn ich masochistisch veranlagt wäre..
Wobei - meine Kinder habe ich aus purem Egoismus *jetzt mal die Hosen runterlass*
Wie mein Töchterchen schon so naseweis anmerkte: "Mama, du bist halt gerne Bestimmerin!"
Voll auf die 12....
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