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Glaube und Ratio












Hallo,

meiner Erfahrung nach sind wir neuzeitlich sehr wissenschaftlich geprägt, sehr säkularisiert und immer entfernter von Glaubenswahrheiten. Die Wissenschaft ersetzte den Götterglaube und so stellen uns nunmehr Neurowissenschaften vor dem neuprägenden Menschenbild, wir wären biochemische Neurnoenkomplexe, deren Handlungprozesse längt vor dem eigentlichen Handlungswillen prozessieren.

In diesem Bild ist z. Zt. kein Platz für ein Leben nach dem Tod.

Der Tod hat die schlechte Eigenschaft, dass er kein erfahrbares Erlebnis ist, uns bleibt daher nur die gemächliche Qual der Ohnmacht über diese Gewissheit. Daher stellen Religionen eine adäquate und fundamentierte Lebensgestaltung dar, denn sie bieten den Glauben daran; bieten Orientierung, Antworten und Sinn.

Ich bin Agnostiker und denke grobkörnig, ja wir sind biochemische Prozessträger, Nahtoderlebnisse sind biochemische "Feuer", aber statt sich dieser beschähmend resignierend ohnmächtig zu ergeben, hege ich einen gewissen fundierten Glauben. Meine Erfahrungen mit dem Tod - ich brauche sie hier des sozialien Vergleiches wegen nicht erwähnen - reichen für mich tiefgreifend aus, um mir meinen Glauben zu bewahren, dass ich zwar nicht als jene biochemische Masse weiterlebe, als die ich derzeit verkörpere; aber ich gehe in dem auf, was man als "Äther", oder als "Wirkungsprinzip" nennen mag, ich nenne es einfach "Sternenstaub". Dieses Gefühl hatte ich zum ersten Mal, als ich vor dem Atlantik im nächtlichen klaren Sternenfirmament stand und mich so ungeheuer geborgen und "eins" fühlte.

Mein "Leben nach dem Tod" ist meine ursprüngliche Rückkehr in das Gesamtkunstwerk des Universums und Lebens an sich. Ich werde nicht als Engel auf den Wolken hüpfen und schiefe Töne spielen, ich werde nicht als Geist auf Erden herumirren, sondern ich werde in all jene Teile aufgehen, aus denen ich und alles besteht. Mags einer Atome, Strings, Äther oder sonst wie nennen.

Im Grunde ist aber die Frage nach dem Leben nach dem Tod doch auch eine Sinnesfrage, wozu ein zweites Leben haben wollen?

Haben wir / ihr, hier auf Erden so viele Fehler gemacht, dass man im zweiten Leben neu anfangen möchte? Wozu ein "weiteres" Leben, wenn man dieses hier so kraftvoll und schöpferisch gestalten kann? Wir sollten uns nur mehr Mühe geben und bedenken was Menschlichkeit ist, dazu gehören auch Fehler, ohne Fehler und Konflikte kein Reifen und Wachsen!

Zudem sehe ich prinzipiell keinen Unterschied zwischen Leben, dem aktiven Atmen hier auf Erden und dem Tod. Denn mein Weltbild besteht aus der Zirkeldefinition A=B, B=A. Ich bin zwar Agnostiker, aber im Buddhismus ist die höchste Form der Erkenntnis - wenn man die Maya überwindet, dass Atman = Brahman ist und umgekehrt. Also, mein iridisches Leben ist gleich dem "Sein" nach meinem biologischen Tod. Eben "Sternenstaub" (für mich). Aus dem bin ich jetzt und kehre ein, wenn ich sterbe.

Egal welche Ansichten jeder von uns in sich trägt, sie sind so individuell und unvergleichbar wie die Träger dieser selbst. Es ist doch einfach einer lebedingen Sicherheit gewiss und schön, ein solches Bild in sich tragen zu können. Egal wie es aussieht, solange wir das Hier und Jetzt des Lebens genießen, kann uns der Ausgang dessen nicht mehr ohnmächtig umklammern und den Atem einschränken!

Nun, das mal von meiner Seite. Ach ja, viel Liebe, Emotionen und Offenheit und Vertraune im Leben, das Gute suchen und auch sehen wollen und und und... klappt schon alles.

Marc
Hallo Giacomo

Ich finde das du Recht hast mit dem wissenschaflich neuzeitlichem Denken der Menschen. Die Menschen machen sich immer weniger Gedanken über den Glauben, wie zum Beispiel im Mittelalter, wo das Leben auf den Glauben beruhte, weil man auf bestimmte Phänomene keine Antwort fand. Aber auch heute gibt es Fragen auf die man keine Antworten findet. Beispielweise die von dir angesprochenen Strings die den fundamentalen Aufbau des Universums erklären sollen und die zig-mal kleiner sind als ein Atomkern. Das zeigt, das wir noch nicht allzu viel wissen, über die Materie die uns umgibt. Ein Atom ist also mehr als nur Proton, Neutron und Elektron.

Ich interessiere mich sehr für Informatik und ich kann mir mit dessen Hilfe ein Leben nach dem Tod vorstellen. Ich weiß das Informationen nie vollständig zerstört werden können. Wenn man eine Festplatte in vier Teile spaltet bleiben die Information trotzdem bestehen nur sind nicht lesbar, was sich ändert wenn man sie wieder zusammensetzt. Genauso könnte es mit unseren Erinnerungen(Seele oder Informationen) sein, die wir im Laufe unseres Lebens sammeln, welche sich dann nach unserem Tod ins Universum auf einer Ebene, die die wissenschaft noch nicht entdeckt oder verstanden hat und möglicherweise auch nie verstehen wird, einfügt. Das wäre dann ein Form von Bewußtsein.

Das man als Engel auf den Wolken rumtanzt glaube ich auch nicht, aber als Beobachter der auch indirekt Einfluß auf den Lauf des Universums nehmen kann, könnte ich mir gut vorstellen. Beispielweise gibt es etwas was man dunkle Energie nennt, die weder sichtbar noch fühlbar ist und doch allgegenwärtig ist und noch Einfluß auf die Ausdehnung des Universums nimmt. Ich glaube nicht, das es eine andere Welt, Dimension oder gar ein anderes Universum gibt in das wir nach dem Tod kommen. Nein, ich glaube das wird das selbe Universum sein.

Vielleicht werden wir irgendwann schlauer sein, bis dahin
Zitat:
Egal wie es aussieht, solange wir das Hier und Jetzt des Lebens genießen


Mfg
Marek
Hi Giacomo,

noch ein Seelenverwandter, wie schön.. *grins*
Ich kann auch nichts mit den gängigen Religionen anfangen. Gott als irgendeine Personifizierung wäre für mein Begriff schon ein Paradox. Dennoch halte ich es für möglich, daß das Bewußtsein eine gewisse "Freiheit" hat und nicht determiniert ist.
Ich könnte mir auch vorstellen, daß unsere "Seele" im Kleinen von der Struktur nichts anderes ist als das Universum im Großen, ähnlich wie bei der "Mandelbrotmenge".
Das hast du sehr schon formuliert, Giacomo ....

@Marek ... es ist leider so, dass es eigentlich rumgedreht ist .... die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse kommen leider bei vielen Leuten nicht an und von daher kann man wirklich nicht davon sprechen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse oft den religösen "Wahrheiten" keine Chance mehr lassen würden. Die meisten "Ottonormal"-Verbraucher haben leider keinerlei Ahnung von der Funktionsweise des Kosmos .. angefangen bei der Evolution bis hin zu den Strings ... usw. Da Laien sich aber oft nur auf Allgemeinwissen gründen können, haben religöse Thesen diesem gegenüber oft den Vorteil eine simple Antwort auf komlexe Dinge zu liefern. An diesem Nachteil der Vermittelbarkeit hat die Wissenschaft noch heute und wohl auch in der Zukunft zu kämpfen.

Somit verstehe ich nicht wie man sagen kann ... heute würde man viel zu naturwissenschaftlich oder zu technisch denken. Es ist gerade andersherum ... die Menschen denken leider noch in althergebrachten Mustern.

Liebe Grüsse
Unien
Zitat:
Somit verstehe ich nicht wie man sagen kann ... heute würde man viel zu naturwissenschaftlich oder zu technisch denken. Es ist gerade andersherum ... die Menschen denken leider noch in althergebrachten Mustern.


Ich denke, das Problem ist, dass sich die Leute zu starrsinnig auf eine Seite festlegen und deshalb nicht mehr bereit sind, die eigene Seite in Frage zu stellen. In der Naturwissenschaft (bzw. in der Wissenschaft allgemein) ist das nicht viel anders, als in der Religion! Wenn etwas nicht ins Bild passt, wird es einfach passend gemacht, damit man ja nicht in den Verdacht geraten könnte, etwas von der anderen Seite (selbst wenn es etwas vernünftiges wäre) zu übernehmen. Wenn man nicht bereit ist, das Gelernte auch mal zu vergessen, wird man doch nie weiter kommen und was Neues lernen.
Forum -> Leben nach dem Tod


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