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Grenzen ziehen?












Ich folge nun Astrellas Rat, ein neues Thread zu öffnen.
Die Diskussion ging los im Thread über Abtreibung mit meiner Meinung, dass der Mensch sich haushoch über die Tiere stellt und somit eine gespaltene Ethik erzeugt.

Astrella schrieb:
Zitat:
Hallo Sappy, hallo Martin,
die Frage der Ethik ist sicher sehr komplex und birgt sicher auch die Frage, ob der Mensch andere Maßstäbe an sich anlegen kann als bei Tieren.
Ich finde, das diese Diskussion hier allerdings den Rahmen sprengen würde, denn, Martin, wenn Du den Gedanken zu Ende denkst, kommst Du an einen Punkt, wo Du Dich fragen musst, ob es nicht doch sinnvoll ist, irgendwo eine Grenze zu ziehen. Ist ein Tier schützenswerter als ein anderes? Warum werden Wale gerettet, eine Kopflaus aber nicht? Und was ist mit Pflanzen? Das ist doch auch Leben. Und Viren und Bakterien.
Es ist schwer, wirklich eine Grenze zu ziehen, und ich habe sie jetzt für diese Diskussion auf Menschen beschränkt.
Womit ich keine Aussage über die Wertigkeit anderer Lebewesen treffe.
Ich finde, allein schon die Grenze innerhalb des menschlichen Lebens zu ziehen - ab wann ist es Leben? Bei der Befruchtung? Bei der Einnistung? Beim ersten Herzschlag? Bei Hirnaktivität? - ist schon schwer genug, alles andere sprengt dann wirklich den Rahmen.
Warum macht ihr nicht einen Thread darüber auf? Ich glaube, es gibt bestimmt genug Leute, die gerne mitdiskutieren und gerade nicht zufällig hier hereinstolpern...

Insbesondere hier sehe ich einen Diskussionsbedarf:

Zitat:
wenn Du den Gedanken zu Ende denkst, kommst Du an einen Punkt, wo Du Dich fragen musst, ob es nicht doch sinnvoll ist, irgendwo eine Grenze zu ziehen


Nein, ich weigere mich Grenzen zu ziehen. Aber das heißt nicht, dass ich nicht aus Stechmücken haue. Ich will das mal so erklären:
Grenzen sind starre Linien, die wir im Geiste ziehen.
Die Wirklichkeit kennt keine Grenzen, sondern fließende Übergänge.
Ich könnte sagen: ich töte Stechmücken aber keinen Menschen.
Was aber, wenn ich eine Möglichkeit hätte, einen Amokschützen zu töten?
Ich würde ohne mit Grenzen gesetzt zu haben tun, so hätte ich hinterher mit keine oder zumindest weniger Gewissensbisse.
Würde ich eine klare Grenze ziehen, so würde mein innerer Widerstand diesen Menschen weiteres Unheil anrichten lassen, oder aber ich handelte im Affekt und hätte hinterher ein schlechtes Gewissen.
Steht Leben gegen Leben, wenn ich z.B. von einer Kobra bedroht werde, so würde ich davonlaufen, gäbe es aber keine Fluchtmöglichkeit, so würde ich sie versuchen, möglichst schnell zu töten.
Andererseits könnte ich nie eine Mausefalle aufstellen, und wenn ich welche sehe, dann trete ich grundsätzlich darauf, so dass sie auslöst.
Statt Grenzen zu ziehen, sollte lieber von Fall zu Fall entschieden werden, wichtig ist jedoch, zumindest bei jeder größeren Entscheidung immer eine Priese Liebe hinzuzufügen.
Wenn ich einmal aus dem Film K-Pax zitieren darf:
Es geht um eine Disskussion über die Polizei, die dafür sorgt, dass Recht und Ordnung eingehalten werden. Jemand lobt die Institution der Polizei an sich, darauf sagt Prot:

"Und darüber lacht das ganze Universum, ihr Menschen mit eurer Polizei. Jeder Mensch weiß doch was richtig und was falsch ist."

Prot ist ein Alien in Menschengestalt, der in einer Psychatrischen Klinik landet und diese gehörig auf den Kopf stellt.

Ich weiß nicht ob er es im Film genauso gesagt hat, aber sinngemäß stimmt es. Und da stimme ich ihm voll und ganz zu.

Was das Ganze mit diesem Thema zu tun hat? Nun ja, jeder Mensch ist in der Lage selbst zu entscheiden ob das was er tut und denkt richtig oder falsch ist. Ich sehe das so: Wenn ich gegen Mord bin und alle Tiere auf gleicher Stufe mit den Menschen stelle, darf ich eine Mücke nicht erschlagen (tue ich auch nicht, ich fange sie ein und schmeiß sie raus). Sonst werte ich ja die Mücke als minderwertiges Tier ab.

Ich könnte keinen Menschen töten, wahrscheinlich nicht einmal einen Amokschützen. Da ich aber noch nie in einer solchen Situation war, kann ich mich zu diesem Thema nicht äußern, doch alleinder Gedanke daran jemandem so schrecklich weh zu tun, dass er womöglich daran stirbt löst in meinen Knochen unangenehme Schmerzen aus, ich kann sie praktisch fühlen, wie der Mensch den ich töten würde fühlte. Und so geht es mir auch bei Tieren. Ich spüre ihre Schmerzen in mir, meistens tief in den Knochen und Muskeln. Das ist auch einer der Gründe warum ich sie mit den Menschen auf eine Stufe stelle.

Keine Grenzen zu ziehen halte ich für sehr problematisch, wie soll man sich dann vernünftig unterhalten? Man weiß ja nie, in welcher Grauzone man sich gerade bewegt und ob für den Gesprächspartner die Grauzone genauso groß ist wie für einen selbst. Fü mich gibt es insofern keine Grenzen weil eh alle auf einer Stufe stehen, also gleichberechtigt sind. Sie haben dasselbe Recht auf dieser Erde zu wandeln wie wir, und nur weil wir in der Nahrungskette über einigen anderen stehen heißt das noch lange nicht, dass wir diese Tiere vor dem Essen quälen und auf ekligste Weise halten dürfen!

Klar ist es notwendig die Dinge von Fall zu Fall zu klären, doch man kann einiges generell sagen. Seine (ethischen) Grundsätze zum Beispiel kann man doch festlegen. Meine sind jedenfalls so ziemlich seit meiner Erziehung festgelegt und ich bin bis jetzt immer gut damit klar gekommen.

Ich weiß, ich bin ab und zu vom Thema abgekommen, aber dieses Thema ist sehr Komplex und ich muss sagen, irgendwann habe ich den Faden und meine (ursprüngliche) Planung verloren und nur noch nach Gefühl geschrieben. Nicht böse sein

Liebe Grüße,
Branwen
Hallo Martin,
schön dass Du den Thread aufgemacht hast.
Du hast mich ja schon oben zitiert, allerdings möchte ich jetzt auch mal ganz explizit nur auf diese Thema antworten und meine Meinung sagen *verkünd*
Ich ziehe auch keine klare Grenze - bis hierhin schützenswert und ab da nicht.
Wo sollte man sie auch ziehen. Ich habe auch Schwierigkeiten, eine Mücke zu lieben, aber bevor ich eine Fliege tothau, mach ich lieber das fenster auf und versuch sie rauszulassen, auch wenn es mehr Arbeit ist. Und wenn mich eine lange nervt, kann es sein, dass sie mir besonders ans Herz wächst..
Nein, im Ernst, ich habe Respekt vor allem Leben,
allerdings mache ich Abstufungen, gekoppelt daran, wie vergleichbar es zu unserem verhalten ist. Ein Affe hat einen "höheren" Stellenwert als ein Kaninchen, einfach, weil ich meine Gefühle mehr in einem Affen gespiegelt sehe als in einem Hoppler.
Diese Abstufung mache ich aber nicht bewusst, sondern passiert eher auf der Schiene von "Mitgefühl", und das hat man eben leichter zu Lebewesen, deren Gefühlswelt eher nachvollziehen kann. Also Mit - Fühlen. In eine Kakerlake kann ich mich nicht so reinversetzen.
Aber dieses blöde Fliegenviech hier lacht sich bestimmt ins Fäustchen, wenn es denn eine hat. Ich hol doch gleich die Fliegenklatsche .. *grummel*
Das Thema, unter welchen Umständen man einen Menschen töten würde - töten dürfte ist genauso heikel wie das Abtreibungsthema
(und verdient einen eigenen Thread -*kicher*).
Ich mach den dann mal auf...

Astrella
Branwen, ich finde nicht, dass Du vom Thema abgewichen bist.

Astrella, das Wort „Abstufungen“ gefällt mit besser als das Wort „Grenzen“:
„Grenze“ kennt ein innerhalb und ein außerhalb.
„Abstufung“ kennt noch viele Nuancen.
Ja, aber auch Bei Abstufungen gibt es irgendwann ein "rein weiss" - absolut schützenswert und ein "rein schwarz" - interessiert mich nicht die Bohne (Bettwanze zum Beispiel).
Irgendwo gibt es immer eine Grenze, sie kann von Mal zu Mal unterschiedlich sein, aber wir ziehen sie.
leben- und liebenswert/lästig,gefährlich, entbehrlich.
Das Problem ist doch, das WIR als Menschen uns als Maßstab nehmen.
Wir entscheiden, welche Pflanze wir als Blume betrachten und welche als Unkraut. Und wonach beurteilen wir sie? Nach Nützlichkeit? Schönheit?
Tun wir nicht automatisch schon allem Unrecht, weil wir uns anmaßen, eine Meßlatte überhaupt anzulegen?

Astrella
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