Foren-Übersicht
Login | Registrieren | Forum | Suche

Alles verloren ausser dem Leben












Wir erinnern uns alle an den Tsunami mit über 100'000 Toten und riesigen Schäden. Die Menschen in Europa ware alle sehr betroffen, haben gespendet - und dann hat man es vergessen. Ich auch.

Vorgestern ist ein Wirbelsturm über Oman gefegt, nur rund 20 Tote und keine grossen Schäden; in den Nachrichten am Radio wurde es kurz erwähnt (weil durch die Stilllegung der Förderanlagen der Ölpreis gestiegen ist!), am Fernsehen wurde nicht darüber berichtet. Und man wird auch kein Geld sammeln, Oman ist schliesslich ein reiches Land, das vom Öl lebt, und es ist nicht viel passiert.

Doch mich hat diese Nachricht viel schwerer getroffen als jede andere über eine Naturkatastrophe. Das ist eben der Unterschied, wenn man jemanden persönlich kennt, der dabei alles verloren hat ausser dem Leben. Es ist dann nicht wichtig, dass im grossen und ganzen alles glimpflich abgelaufen ist, es zählt nur der Einzelfall.

24 Stunden lang war ich sogar im Ungewissen, ob dieser Freund, Salim, den ich nun seit 7 Jahren kenne, überhaupt noch lebt, denn ich konnte ihn telefonisch nicht erreichen – offenbar war die omanische Telecom zusammengebrochen. Doch gestern Nachmittag ist es mir dann gelungen mit ihm Kontakt aufzunehmen. Er und seine Familie sind unversehrt, al-hamdu lillah!

Aber er hat alles verloren. Alles, wirklich. Er wohnt in der Nähe eines sonst trockenen Flusslaufes – nach dem Wirbelsturm stand das Wasser 1,5 Meter hoch in seinem ebenerdigen Haus, alles ist zerstört, der ganze Hausrat, alles. Und auch das Auto hat Totalschaden. Das Auto, ein wüstentauglicher 4WD ist Salims Existenzgrundlage, denn er ist Reiseführer; er hatte ihn vor vier Jahren gebraucht gekauft für 7000 Rial (damals ca. 30000 Franken, 20000 Euro) und erst vor wenigen Monaten erzählte er mir freudig, er hätte ihn endlich fertig abbezahlt, nach vielen Entbehrungen. Seit einem Jahr akzeptiert die Versicherung aber keine Volldeckung mehr, denn der Wagen ist schon 8-jährig. Das heisst: niemand wird für den Schaden aufkommen. Das Auto ist einfach weg und damit die Möglichkeit den Lebensunterhalt zu verdienen.
Salim ist Mitte 50, seine Frau etwas jünger, sie haben vier Kinder, alle noch unter 20 Jahren und in Ausbildung, das jüngste Mädchen ist erst 11, und Salims betagte Mutter lebt auch bei ihm. Nach der Flut wohnen sie derzeit bei Freunden.

Das hat er mir alles erzählt, am Tag nach der Katastrophe. Ich habe seine Angst vor der Zukunft gespürt, seine Sorge um die Familie. Er ist verzweifelt, er weiss nicht, wie es weiter gehen soll. Und ich bin tief betroffen, traurig. Salim steht mir sehr nahe. Ich habe ihm gleich mehrere Tausend Franken überwiesen, das was momentan im Rahmen meiner finanziellen Möglichkeiten liegt – ein Tropfen auf den heissen Stein für eine Familie, die alles, wirklich alles verloren hat und die nicht zu der Oberschicht des Landes gehört, der es dank dem Ölreichtum finanziell gut geht. Sie haben immer von der Hand in den Mund gelebt, mehr schlecht als recht, und nie etwas sparen können.

Deshalb wage ich es, hier darüber zu erzählen, und ich habe einen ganz kleinen Funken Hoffnung, dass sich jemand, der das liest und viel mehr Geld besitzt, als er braucht, Salim und seiner Familie hilft. Ich weiss nicht, ob dieser Aufruf im Forum überhaupt erwünscht und erlaubt ist – wenn nicht, dann entschuldigt mich bitte und löscht diesen letzten Absatz wieder.

Herzlichst,
eure traurige Ibnatulbadia (Ibnatulbadia = Tochter der Wüste)

Nachtrag vom 11. Juni 2007
Ich habe soeben Bilder der Verwüstungen bekommen, ihr findet sie auf meinem Blog http://www.sonnwandeln.ch/weblog/?p=34
Hallo Ibnatulbadia,
ich finde es einen sehr schönen Zug von dir, dass du dich so für deinen Bekannten einsetzt.
Leider kann ich dir finanziell nicht weiterhelfen.
Ich lebe monentan in Afrika und ich bekommen auch die Not der Leute aus meiner Umgebung mit,
und wir helfen hier finanziell so gut wir können. Aber, wie du schon richtig bemerktest, es ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Manchmal kann man nur noch helfen kann, jemanden ein würdiges Begräbnis zu verschaffen. Und das Haus, das gerade wieder aufgebaut wurde, ist beim nächsten Regen wieder weg...
Ich bewundere immer wieder, wie die Menschen trotzdem den Mut nicht verlieren und immer noch ein Lächeln übrig haben.
Dein Bekannter kann sich glücklich schätzen, eine so gute Freundin in dir gefunden zu haben.

Astrella
Danke, Astrella, für deine lieben Worte. Ich finde es schön, dass du in Afrika hilfst – irgendwie kann man einfach nicht anders, wenn man das Elend der Menschen so hautnah mitbekommt...
Und wie du sagst, es ist bewunderswert, wie sie den Mut nicht verlieren. Ich glaube, unsere Hilfe - und sei sie noch so ein Tropfen auf den heissen Stein - ist genau darum so wertvoll: Um den Menschen Hoffnung zu schenken.
Das waren auch Salims Worte, nachdem ich ihm etwas gesammeltes Geld überwiesen habe: "Ihr habt mir wieder Vertrauen und Hoffnung gegeben".

Alles Liebe für dich, Astrella, und deine Arbeit in Afrika!

Herzlichst,
Ibnatulbadia
Forum -> Plauderecke


Ähnliche Themen
danach war alles still
Ist Gott notwendig für ein eventuelles Leben nach dem Tod?
Ein Leben nach dem Tod lässt sich nicht beweisen
verloren
Warum glaubt ihr an ein Leben nach dem Tod?
Adam und Eva: War mein Leben meine Entscheidung ?
Leben im Ashram?
Leben..
Bestimmt ein Quantencode über unser Leben nach dem Tod?
Warum lässt Gott alles zu?