Kein wirkliches Glück und kein Fortschritt ohne Geistigkeit


Lieber edgar,

das ist ein wundervolles Diagramm, das mit den Tugenden

Lieber Pjotr,

Zitat:
Beispiel: Jemand, der im Hospiz arbeitet, wird durch den täglichen Umgang mit demTod eher dazu neigen, die Welt in etwas dunkleren Farben zu malen.

Es kommt aber immer auch darauf an, wie man die Dinge betrachtet.
Es stimmt schon, dass Menschen, die in schwierigen (besonders in emotional schwierigen) Jobs arbeiten, meist eher zu negativem Realismus neigen.
Aber es gibt auch die andere Seite.
Meine Mutter zum Beispiel hat viele Jahre in einem Pflegeheim gearbeitet, zwar nicht in einem Hospiz, aber Todesfälle waren dort auch an der Tagesordnung.
Und sie meinte, sie hätte daraus unter anderem gelernt, dass der Tod nicht so schrecklich ist, wie viele meinen würden.
Zum Beispiel hat sie mir einmal eine Geschichte erzählt von einer Frau, die regelmäßig gejammert, ja sogar geweint hat, "Ich will nach Hause, lasst mich doch endlich nach Hause gehen!".
Nun war das häufig so bei ihren Patienten, besonders bei solchen mit Demenz oder Alzheimer, dass sie "nach Hause" wollten. Meist wussten sie aber gar nicht mehr, wo denn überhaupt "zu Hause" ist, bzw. bezogen sich auf ein zu Hause, das es längst nicht mehr gab.
Eines Abends lächelt sie meine Mutter voller Freude und Glück an und sagt zu ihr: "Heute darf ich endlich nach Hause gehen."
Am nächsten Morgen wurde sie in ihrem Bett tot aufgefunden, mit einem Lächeln im Gesicht.

Eine Bekannte von mir arbeitet freiwillig in einem Hospiz, und auch sie macht das nicht aus Masochismus, sondern weil sie diesen Menschen etwas geben möchte, weil sie der Gesellschaft helfen will. Sie macht das aus Liebe zur Menschheit, aus Hingabe, und wohl auch ein Stück weit, damit andere, die emotional nicht so damit klarkommen würden, das nicht machen müssen.

Ich gebe dir vollkommen recht, in manchen Situationen sollte man sich wirklich auf das Hier und Jetzt konzentrieren.
Aber auch eine Lawine hat den "Vorteil", dass dort, wo sie abgegangen ist, durch die einsetzende Schneeschmelze gleich mal neben der Lawine die meisten Blumen erblühen.

Alles Liebe,
Riki
Namaste

Guten Morgen Pjotr,

Ich wüßte nicht warum einen Menschen die Arbeit in einem Hospiz traurig oderr gar depressiv machen sollte. Sicher mag es hier Mitarbeiter geben die so empfinden, aber ich denke das dürfte eher die Ausnahme als die Regel sein.

Wer Menschen beim sterben begleitet hat zutiefst verinnerlicht das der Tod als solcher einen neutralen Übergang darstellt, dass er weder böse noch gut ist und einfach ein Teil unserer kosmischen Existenz. Unabhängig davon welches Glaubenssystem wie hernehmen, in keinem ist der Tod per se negativ besetzt und meines Wissens ist er nur im Atheismus endgültig bzw. das Ende schlechthin.

LG Tiro
_________________
„Es gibt keinen Schöpfer außer dem Geist.“
(Lord Buddha)

"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
(Machiavelli)
Hallo Riki, hallo Tiro,

Ganz klar, wie jemand mit Leiden, Tod und Schmerz umgeht, ist zum grössten Teil ein Produkt aus Veranlagung und Erfahrungen. Deswegen habe ich ja auch geschrieben, er wird die Welt in e t w a s dunkleren Farben malen.

Jemand , der sich nicht darauf einstellen kann, wird ein Hospiz wahrscheinlich erst gar nicht betreten.
Aber ich denke, jeder Mitarbeiter im Hospiz wird erleben, dass ihm mancher Tod näher geht, als er eigentlich will und er es rational zulassen will. Nicht umsonst werden für diese Mitarbeiter psychologische Seminare angeboten.
Diese Seminare sollen ihm helfen, den Sterbenden besser zu begleiten, aber auch, sich selbst vor zu grosser Belastung zu schützen.

Die meisten Menschen werden aber doch wohl eine Zeit lang so ihre Probleme mit plötzlichen Katastrophen haben und sie nicht mit einem Lächeln wegstecken. Hier hilft wahrscheinlich nur, in der ersten Phase
Trauer und, ja auch Wut, zuzulassen, um dann nach einer gewissen Zeit wieder die Schönheit einer Blumenwiese erkennen zu können.

Pjotr Kala
_________________
Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Hallo Riki, hallo Tiro,

Ganz klar, wie jemand mit Leiden, Tod und Schmerz umgeht, ist zum grössten Teil ein Produkt aus Veranlagung und Erfahrungen. Deswegen habe ich ja auch geschrieben, er wird die Welt in e t w a s dunkleren Farben malen.

Jemand , der sich nicht darauf einstellen kann, wird ein Hospiz wahrscheinlich erst gar nicht betreten.
Aber ich denke, jeder Mitarbeiter im Hospiz wird erleben, dass ihm mancher Tod näher geht, als er eigentlich will und er es rational zulassen will. Nicht umsonst werden für diese Mitarbeiter psychologische Seminare angeboten.
Diese Seminare sollen ihm helfen, den Sterbenden besser zu begleiten, aber auch, sich selbst vor zu grosser Belastung zu schützen.

Die meisten Menschen werden aber doch wohl eine Zeit lang so ihre Probleme mit plötzlichen Katastrophen haben und sie nicht mit einem Lächeln wegstecken. Hier hilft wahrscheinlich nur, in der ersten Phase
Trauer und, ja auch Wut, zuzulassen, um dann nach einer gewissen Zeit wieder die Schönheit einer Blumenwiese erkennen zu können.

Pjotr Kala


Ich denke, ein Mensch kann immer das geben, was er selbst in sich hat.

Die Menschen, die ich kenne, die in Hospizen arbeiten, hatten selber die Erfahrung von Krankheit, in der sie sich mit dem Tod auseinander gesetzt hatten, auseinander setzen mussten.
Sie kennen also selbst die Verzweiflung, die Angst und das große schwarze Loch, in das man fällt, wenn man zum ersten Mal mit dieser Angst konfrontiert wird.
Und weil sie das durch gemacht haben, können sie es weiter geben und sie leiden dann nicht persönlich an dem Leid der anderen, denn sie kennen den Prozess und wissen, dass dabei etwas Positives heraus kommt.

Man stelle sich als Bild vor, jemand schwimmt durch einen reißenden Fluß.
Er hat Angst, er überwindet sich, aber mit viel Kraft und Überwindung kommt er drüben an.
Wenn er nun zurück kehrt, um anderen zu helfen, sich auch zu überwinden und in den Fluß zu springen, so teilt er nicht mehr dieselbe Angst, denn er hat ja die Erfahrung gemacht, dass man drüben ankommen kann.

Er spricht also Mut zu und spricht von seiner Erfahrung und vor allem dem positiven Ergebnis, das diese Überwindung gebracht hat.
So können sie wirklich unterstützen ohne mitzuleiden.
Lieber Pjotr,

Für mich zeigst Du hier ganz klar eine der großen Schwächen des "aufgeklärten und nicht gläubigen Wissenschaftlers". Du kennst nur 2 Arten mit dem sterben oder dem Tod eines Menschen den man begleitet umzugehen, entwerder man ist rational und gefühlsarm oder man gerät in tiefe Trauer. Ich aber kenne eine Dritte und ich glaube die kennt jeder Gläubige und sie ist jedem Ungläubigen auf ewig ein Rätsel.

LG Tiro
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„Es gibt keinen Schöpfer außer dem Geist.“
(Lord Buddha)

"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
(Machiavelli)
Lieber Pjotr, auch ich habe schon ehrenamtlich sterbende Menschen begleitet und ich denke, dass ich dadurch die Blumenwiese erst recht sehen und mich daran erfreuen konnte.
Und wir hatten auch noch viel e c h t e Freude miteinander.

Aber natürlich können und dürfen uns Katastrophen bei denen Menschen unsägliches Leid erdulden müssen nicht einfach kalt lassen.

Liebe Grüße Linde
Als erstes musst du nach Geistigkeit dürsten; dann lebe das Leben! Lebe das Leben! Lebe das Leben! Um diesen Durst zu bekommen, denke über das Leben nach dem Tode nach. Studiere die heiligen Worte.
Lies deine Bibel, lies die heiligen Bücher und studiere besonders die heiligen Aussagen Bahá'u'lláhs.

Gebet und Meditation – nimm dir für beide viel Zeit. Dann wirst du diesen großen Durst spüren, und nur dann kannst du anfangen, das Leben zu leben!

'Abdu'l-Bahá
Zitat:
Als erstes musst du nach Geistigkeit dürsten; dann lebe das Leben! Lebe das Leben! Lebe das Leben! Um diesen Durst zu bekommen, denke über das Leben nach dem Tode nach. Studiere die heiligen Worte.



Danke liebe Linde,
ja, genau das ist es!

Habt einen wunderschönen Tag
Alhamdulillah es regnet!

Liebe Licht und Segen
Zahira
_________________
Möge Liebe, Licht und Frieden sich überall verbreiten
Dir auch einen wunderschönen Tag, liebe Zahira!

>Lasst jeden Morgen besser sein als den Abend davor und jeden neuen Tag reicher werden als den gestrigen<
Ábdu'l-Bahá
hallo Tiro,

danke, dass du mich für die Rolle eines "aufgeklärten und nicht gläubigen Wissenschaftlers" vorsiehst.

Leider muss ich dir da widersprechen. Es geht nicht um m e i n e Einstellung zu diesem Thema. Die ist ziemlich ambivalent und schwankt je nach Gefühlslage.

Ja, es gibt viele Menschen, die aus ihrem Glauben heraus viele persönliche Katastrophen gut verarbeiten können. Aber es gibt meines Erachtens ebenso viele, die dafür keinen Glauben brauchen. Und es gibt wahrscheinlich genauso viele Gläubige wie Nichtgläubige, die an der Bewältigung eines solchen Katastrophenfalls scheitern. Diese Menschen kommen entweder nur noch mit fremder Hilfe oder aber gar nicht mehr zu einer "normalen" Sicht der Dinge.

Ich bestreite auch nicht, dass jemand, der ähnliche Katastrophen bewältigt hat, vielleicht ein besseres Einfühlungsvermögen für andere hat.
Trotzdem beurteilt er die Situation aus s e i n e n Erfahrungen und auf Basis seiner gesamten Lebenserfahrung. Der Betroffene beurteilt die Katastrophe vor dem Hintergrund seiner gesamten Lebenserfahrung und kommt damit eventuell zu ganz anderen Schlüsssen. Da hilft dann auch nicht, dass man selbst eine ähnliche Situation besser oder zumindest anders gelöst hat.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!