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Religiöse Dokumente












Liebe Mitglieder,

ich sehe bei vielen von Euch eine gewisse mangelnde Bereitschaft, sich damit abzufinden, dass es keinen Gott gibt. Ich kann nicht behaupten, dass es ihn nicht gibt, weil ich es nicht beweisen kann, und weil ich genau aus diesem Grund die Möglichkeit in Betracht ziehen muss, dass es ihn tatsächlich gibt. Jedoch sehe ich keinen vernünftigen Grund für seine Existenz, abgesehen von der Notwendigkeit seiner Existenz für die Existenz oder das soziale Fortkommen des Menschen, sowie alle anderen Bedürfnisse, die der Mensch in seinem Leben mit dem Glauben an einen Gott zu befriedigen sucht.

Abgesehen von der Tatsache, dass es Menschen waren, die die Bibel (und den Koran und die Thora und alle anderen religiösen Dokumente) geschrieben haben, gibt es heute, im Gegensatz zu damals, eine Fülle von Information, die das Bedürfnis eines Allmächtigen für die Erklärung von Naturphänomenen entbehrlich macht, die oft mit Gott in Verbindung gebracht werden.

Wäre es nicht beispielsweise gerade ein Wunder, wenn die Erde nie von einem Kometen oder Meteoriten getroffen würde? Oder wenn nie ein Supervulkan ausbrechen würde, und jahrelange Dunkelheit über die Erde bringen würde? Das sind nur zwei Beispiele, wie ein Weltuntergang aussehen könnte, zwei völlig natürliche Vorgänge, die schon oft in der Geschichte der Erde vorgekommen sind. Trotzdem würden, stünde ein solches Ereignis bevor, religiöse Menschen sofort den Willen Gottes verantwortlich machen.

Natürlich kann man dann sagen, es war Gottes Wille, das genau zu der Zeit geschehen zu lassen, oder genau an dem Ort. Aber das ist genau die Art der Argumente, die letztlich das Rückgrat der Religiosität bilden. Sie lassen letztlich Gott zu einem Gott der Lücken verkommen, der, so klein der Rückzugsbereich auch werden mag, nicht aufgegeben werden kann.

Niemand kann sagen, wie der Urknall entstanden ist. Aber so gut, wie es ein Gott gewesen sein kann, kann es auch jede andere Ursache gewesen sein.

Auch macht mich stutzig, dass es purer Zufall ist, ob man an Gott, Allah, Buddha, Thor, Zeus, oder an gar keinen Gott glaubt. Entscheidend dafür ist, wo man geboren wird. Wird man in Saudi-Arabien geboren, ist die Wahrscheinlichkeit, an Gott und Jesus zu glauben, nun einmal praktisch bei Null. Genauso ist es umgekehrt in Deutschland praktisch unmöglich, in einer deutschen Familie mit dem Glauben an Allah, Buddah oder Zeus vom Beginn des Denkens an "infiziert" zu werden. Es ist also mehr ein kultureller und erzieherischer Grund, aus dem man glaubt, als tatsächlich ein universeller, wie man ihn bei Zugrundelegung der hohen Priorität fürs Leben vermuten sollte.

Wenn ich einen Gott haben will, dann möchte ich nicht nur glauben, dass es ihn gibt. Ich will es wissen, und wissen, dass es nicht Zufall war, der mir meinen Gott "verliehen" hat. Und was ich weiß, deutet nun einmal - bisher - nicht genau darauf hin.

Stellen wir uns ein Haus in der Mitte einer Fläche vor, die riesig ist und unbeleuchtet. Am Haus stehen ein paar Menschen, die sich allesamt Fragen, was es mit der Dunkelheit auf sich hat, und was dahinter liegt. Die Wissenschaftler unter ihnen werden ein paar Schritte in jede Richtung gehen, um das herauszufinden. Ans Ende, das wissen sie, werden sie wahrscheinlich nie kommen.

Andere würden ein rundum-sorglos-Paket anbieten, das alles erklärt von dem Ursprung von Allem bis zum Ausmaß der Dunkelheit, und was in ihr zu finden ist.

Die Welt, in der wir leben, bietet oft Gelegenheit zum Bedürfnis nach einem Gott, weil er, wenn man daran glaubt, tatsächlich Beruhigung spenden kann. Wenn jemand, den man liebt, stirbt, oder andere üble Sachen passieren. Dann fühlt man sich allein und die allgegenwärtige Existenz eines Wesens über einem bietet wirklichen Trost. Diese Weltsicht richtet sich an einem einzigen Ziel aus: mir soll es gutgehen. Egal, was passiert, ich denke es so, dass ich dabei am Ende ein gutes Ende habe.

Ich fürchte, es ist ein wenig anders gewichtet. Es gibt tatsächlich schreckliche Dinge, und sie werden nicht besser durch die Vorstellung, alles sei schon so gewollt oder hätte irgendeinen Sinn.

Genausowenig sind wird die einzigen "Problemkinder", und alle anderen Arten sind in Frieden. Wie in der Natur gegenseitig gefressen und gemetzelt wird, dafür bieten beim Menschen nur die Kriege ein Beispiel, und die sind oft religiös motiviert.

Nichts für Ungut, Art. 4 GG soll so bleiben, und jeder soll glauben, was er will. Ich möchte es nur besser verstehen, und offen darüber reden können. Und offensichtlichen Blödsinn als solchen benennen können.

Das gleiche erwarte ich von euch...

grüsse...
Forum -> Spiegel- und Reflexionsforum III


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