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unächst ist es mir wichtig, das noch mal zu wiederholen, was ich auch zu besagtem Kommentar schon geschrieben habe. Wenn ein Mensch sagt: „Ich will nicht mehr leben!“, meint er in aller Regel: „Ich will so nicht mehr leben!“ - d. h. er möchte, dass der Schmerz ein Ende hat, die Trauer, die Einsamkeit, die Angst ... Vielleicht geht es dir ähnlich. Aber allein die Tatsache, dass du hier im Internet unterwegs bist und dieses Blog liest, zeigt eins ganz deutlich: Nicht du möchtest nicht mehr leben, sondern eine Seite von dir denkt über Suizid nach, weil diese Seite derzeit keinen anderen Ausweg mehr sieht. Das bedeutet aber auch, dass in dir noch eine zweite Seite steckt, die sehr gerne weiterleben möchte! Schon diese Erkenntnis sollte dir klar machen, dass der Satz "ich will sterben" so nicht stimmt. Ein Teil von dir glaubt, dass der Tod die bessere Alternative wäre im Vergleich zu dem, wie dein Leben (gerade) aussieht. Aber dieser Teil bist nicht du als Ganzes.
Trotzdem ist dieser Teil natürlich ein wichtiger Teil von dir, nicht zuletzt deshalb, weil er dich darauf aufmerksam macht, dass es so, wie es ist, besser nicht bleiben soll. Dafür schuldest du ihm Dank - das ist nicht dasselbe wie Gehorsam! Ich möchte dir gerne vorschlagen, mit diesem Teil mal in einen etwas differenzierten Dialog zu treten. Eine gute Methode dazu ist es, ihn - wie es bei Psychologen gerne heißt - mal zu externalisieren, d. h., ihm eine ganz konkrete Gestalt zu geben und mit ihm zu sprechen. Vielleicht klingt das im ersten Augenblick merkwürdig für dich, aber versuch es einfach mal, es ist einfacher, als es klingt und es bringt oft sehr interessante Erkenntnisse mit sich. Schließ dazu am besten die Augen und stell dir diesen suizidalen Anteil von dir ganz plastisch vor, als würde er mit dir im selben Raum sein. Was für eine Gestalt passt am besten zu ihm? Wie groß ist er? Wenn du ihn anfassen würdest, wie würde er sich anfühlen? Wie alt ist dieser Anteil - eher jung, eher alt? Wie weit entfernt ist der Anteil von dir im Raum?
Lass dir für die Beantwortung dieser Fragen genügend Zeit, bis du ein möglichst klares Bild dieses Anteils vor Augen hast. Wenn du so weit bist, dann versuch dir vorzustellen, dass du diesem Anteil Fragen stellen kannst. Solche Fragen können z. B. sein:
* Was müsstest du tun, damit er noch näher an dich heranrückt?
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* Was könnte ihn dazu bewegen, ein wenig weiter weg zu gehen, so dass du ihn weniger stark spüren würdest?
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* Was für eine versteckte lebensfreundliche Seite könnte dieser Anteil in sich verbergen? Geh davon aus, dass alle deine Anteile im Grunde nur eins im Sinne haben: dein Wohl. Wenn du dir das vor Augen hältst und darauf vertraust, dass auch dieser suizidale Anteil eigentlich gut für dich sorgen möchte - was wünscht er sich dann? Wonach sehnt er sich?
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* Was verspricht sich dieser Anteil von einem Selbstmord? Was glaubt er, was danach anders sein wird? Was für Vorstellungen hat er darüber, was nach dem Tod auf dich wartet?
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* Was vermutet er, welche Auswirkungen dein Selbstmord auf die Menschen hätte, die dir nahe stehen?
Vielleicht bekommst du nicht sofort eine Antwort auf alle oder einige dieser Fragen, aber ich vermute, dass du doch einiges an Informationen erhalten wirst. Wie gesagt: auch dieser Anteil hat eigentlich nur dein Bestes im Sinn - und das bedeutet, dass er dir ein anderes Leben als dein aktuelles verschaffen will. Möglicherweise erwartet dieser Anteil von dir im Jenseits eine bessere Welt für dich. Das mag so sein - eine Garantie gibt es dafür aber nicht. Wir können uns viel darüber vorstellen, wie es auf der anderen Seite sein wird, aber Gewissheit erhalten wir im Leben nie. Vielleicht haben die Buddhisten Recht und wir werden wiedergeboren - aber wer sagt dir, dass du dabei einen besseren Tausch machen wirst? Oder die Christen haben Recht, dann wäre ein Selbstmord eine Todsünde und führte zu ewiger Verdammnis, auch keine schöne Aussicht. Oder es wartet wirklich gar nichts auf uns und wir zerfallen einfach in unsere biologischen Bausteine .. ob das nun eine reizvolle Vorstellung ist, darüber kann man auch geteilter Meinung sein. So oder so, wissen werden wir es erst, wenn wir drüben angelangt sind (oder auch nicht), aber dann gibt es keine Möglichkeit mehr zu sagen: ach, ich hab's mir anders überlegt, ich will wieder zurück! So hatte ich mir das nicht vorgestellt ... Wie man so schön sagt: Selbstmord ist eine endgültige Lösung für ein vorübergehendes Problem.
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