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Die Ansprüche des Bab
Die Feindseligkeit, die sich beim Anspruch auf die Vorläuferschaft erhob, verdoppelte sich, als der junge Erneuerer erklärte, daß Er der Mihdi (Mahdi) selbst sei, dessen Kommen Muhammad vorhergesagt hatte. Die Shi'iten setzten diesen Mihdi dem zwölften Imam gleich, der, ihrem Glauben entsprechend, vor tausend Jahren in geheimnisvoller Weise aus den Augen der Menschen verschwand. Sie glaubten, daß er noch am Leben sei und in seinem früheren Körper wieder erscheinen werde. Sie legten die Prophezeiung über seine Herrschaft, seine Herrlichkeit, seine Eroberungen und die "Zeichen" seines Kommens in einem äußerlichen Sinne aus, wie sich die Juden zur Zeit Christi ähnliche auf den Messias beziehende Prophezeiungen auslegten. Sie erwarteten, daß er erscheinen werde mit irdischer Herrschaft und einem zahllosen Heere und seine Offenbarung verkünden werde, daß er die toten Leiber zur Auferstehung rufen und sie zu neuem Leben erwecken werde und so fort. Da alle diese Zeichen nicht eintrafen, verwarfen die Shi'iten den Bab mit demselben grimmigen Spott, den die Juden Jesus widerfahren ließen. Die Babi dagegen legten viele der Prophezeiungen bildlich aus. Sie sahen die Herrschaft des Verheißenen, gleich der des galiläischen "Mannes des Kummers", für eine mystische Herrschaft an; Seine Herrlichkeit für eine geistige, nicht irdische, Seine Eroberungen für solche über die Städte der Herzen der Menschen; und sie fanden genügend Beweise für den Anspruch des Bab in Seinem wundervollen Leben und in Seinen Lehren, in Seinem unerschütterlichen Glauben, Seiner unüberwindlichen Standhaftigkeit und Seiner Macht, die zu neuem geistigen Leben zu rufen, welche in den Gräbern des Irrtums und der Unwissenheit befangen waren.
Aber der Bab blieb nicht bei dem Anspruch stehen, der Mihdi zu sein. Er legte sich den geheiligten Titel des "Nuqtiy-i-Ula" oder des "Ersten Punktes" bei. Dies war ein Titel, der Muhammad von Seinen Nachfolgern beigelegt wurde. Sogar die Imame waren in ihrer Bedeutung dem "Punkt" untergeordnet, von dem sie ihre Inspiration und ihre Autorität ableiteten. Durch die Annahme dieses Titels beanspruchte der Bab eine Stellung für Sich, wie die Muhammads in der Reihe der großen Religionsstifter, und deshalb war Er in den Augen der Shi'iten ein Betrüger, ebenso wie Moses und Jesus vor Ihm als Betrüger angesehen worden waren. Er führte sogar einen neuen Kalender ein, der das Sonnenjahr wiederherstellt und der das neue Zeitalter mit dem Jahr Seiner eigenen Erklärung beginnen läßt.
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Die Verfolgung wächst´
Infolge dieser Erklärungen des Bab und der beunruhigenden Schnelligkeit, mit der Menschen aus allen Klassen, Reiche und Arme, Gelehrte und Unwissende, sich eifrig Seiner Lehre zuwandten, wurden die Bestrebungen, sie zu unterdrücken, immer grausamer und entschiedener. Häuser wurden geplündert und zerstört. Frauen wurden festgenommen und verschleppt. In Tihran, Fars, Mazindaran und anderen Plätzen wurde eine große Menge der Gläubigen getötet. Viele wurden enthauptet, gehängt, vor die Mündung der Geschütze gebunden, verbrannt oder zerstückelt. Trotz aller Unterdrückungsversuche ging die Bewegung ihren Weg. Gerade durch diese Unterdrückung wuchs vielmehr die Gewißheit bei den Gläubigen, denn dadurch erfüllten sich wörtlich viele der Prophezeiungen über das Kommen des Mihdi. So lesen wir in einer von Jabir stammenden Überlieferung, die von den Shi'iten für echt gehalten wird:
"In Ihm wird sein die Vollkommenheit von Moses, die Köstlichkeit von Jesus und die Geduld von Hiob; seine Heiligen werden zu seiner Zeit gedemütigt und ihre Häupter werden als Geschenke ausgetauscht werden, wie die Köpfe der Türken und der Deylamiten gegenwärtig als Geschenke ausgetauscht werden; sie werden erschlagen und verbrannt werden und werden in Furcht und Angst sein und beben vor Schreien; die Erde wird mit ihrem Blut getränkt werden und Wehgeschrei wird herrschen unter ihren Frauen; dies sind in der Tat meine Heiligen."
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Das Märtyrertum des Bab
Am 9. Juli 1850, in Seinem einunddreißigsten Lebensjahre, fiel der Bab selbst der fanatischen Wut seiner Verfolger zum Opfer. Mit einem ergebenen jungen Anhänger namens aqa Muhammad Ali, der leidenschaftlich darum gebeten hatte, Sein Märtyrertum teilen zu dürfen, wurde Er in Tabriz auf den alten Kasernenhof geführt. Etwa zwei Stunden vor Mittag wurden die beiden mit Stricken unter den Armen derart aufgehängt, daß das Haupt von Muhammad Ali an der Brust seines geliebten Meisters ruhte. Eine Abteilung armenischer Soldaten zog auf und erhielt den Befehl zu feuern. Alsbald krachte die Salve, aber als der Rauch sich verzog, fand man den Bab und Seinen Gefährten noch am Leben. Die Kugeln hatten nur die Seile zerrissen, an denen sie aufgehängt waren, so daß sie unverletzt zu Boden fielen. Der Bab begab sich in einen Raum in der Nähe, wo man Ihn im Gespräch mit einem Seiner Freunde fand. Um die Mittagszeit wurden sie abermals aufgehängt. Die Armenier, welche die Wirkung ihrer Salve als Wunder ansahen, weigerten sich, nochmals zu feuern, so daß ein anderes Regiment Soldaten antreten mußte, das dem Befehl zum Feuern Folge leistete. Diesmal hatte die Salve den gewünschten Erfolg. Die Körper der beiden Opfer wurden von Kugeln durchbohrt und schrecklich zugerichtet, ihre Gesichter aber blieben fast unberührt.
Durch diese ruchlose Tat wurde der Kasernenhof in Tabriz ein zweites Golgatha. Die Feinde des Bab erfreuten sich eines frevelhaften Triumphes und dachten, daß dieser verhaßte Baum des Babi-Glaubens an der Wurzel getroffen sei und seine völlige Ausrottung nun leicht sein werde. Aber ihr Triumph war von kurzer Dauer. Sie dachten nicht daran, daß der Baum der Wahrheit von keiner irdischen Axt gefällt werden kann. Mußten sie doch erkennen, daß ihr großes Verbrechen nur dazu führte, der Sache noch größere Kraft zu verleihen. Der Märtyrertod des Bab erfüllte Seinen zärtlich gehegten Wunsch und entflammte Seine Anhänger zu wachsendem Eifer. So groß war das Feuer ihrer geistigen Verzückung, daß die schlimmen Stürme der Verfolgung es nur zu helleren Flammen anfachten. Je größer die Anstrengungen, es auszulöschen, desto höher schlugen die Flammen empor.
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Das Grab am Berge Karmel
Nach dem Märtyrertod des Bab wurde Seine irdische Hülle mit der Seines ergebenen Gefährten zusammen an den Rand des Festungsgrabens außerhalb der Stadtmauer geworfen. In der übernächsten Nacht wurden sie von einigen Babi um Mitternacht geborgen, und nachdem sie jahrelang an geheimen Orten in Persien verborgen gehalten worden waren, wurden sie schließlich unter großer Gefahr und Schwierigkeit in das Heilige Land verbracht. Hier ruhen sie nun in einem wundervoll gelegenen Grab am Abhang des Berges Karmel, nicht weit von der Höhle des Elias und nur wenige Meilen von der Stelle, wo Baha'u'llah Seine letzten Jahre zubrachte und wo Seine Gebeine nun ruhen. Unter den Tausenden von Pilgern, die aus allen Teilen der Welt kommen, um dem heiligen Grab von Baha'u'llah ihre Ehrerbietung zu bezeugen, versäumt es keiner, auch am Schrein Seines in Liebe ergebenen Vorläufers, des Bab, zu beten.
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Die Schriften des Bab
Die Schriften des Bab sind umfangreich, und die Schnelligkeit, mit der Er, ohne Studium oder vorherige Überlegung, sorgfältig ausgearbeitete Kommentare, tiefgründige Abhandlungen und ausdrucksvolle Gebete verfaßte, wurde als einer der Beweise für Seine göttliche Inspiration betrachtet.
Der Inhalt Seiner verschiedenen Schriften ist wie folgt zusammengefaßt worden: "Einige von ihnen (des Babs Schriften) waren Kommentare und Auslegungen von Versen des Koran; andere waren Gebete, Betrachtungen und Hinweise auf (die wahre Bedeutung gewisser) Stellen; wieder andere waren Aufrufe, Ermahnungen, Abhandlungen über die verschiedenen Zweige der Lehre von der göttlichen Einheit ... Ansporn zur Besserung des Charakters, zur Abkehr vom Weltläufigen und zur Hingabe an die Eingebungen Gottes. Aber das Wesen und der Sinn Seiner Werke waren Lobpreisungen und Beschreibungen jener Wirklichkeit, die bald erscheinen sollte, und der all Sein Sinnen und Trachten, Seine Liebe und Seine Sehnsucht gehörten. Denn Er betrachtete Sein eigenes Kommen als das eines Vorläufers froher Botschaften und hielt Seine eigene wirkliche Natur nur für ein Werkzeug der Manifestation von größeren Vollkommenheiten jenes Einen. Und in der Tat ließ Er nicht nur keinen Augenblick ab, Ihn Tag und Nacht zu verherrlichen, sondern pflegte allen Seinen Anhängern zu bedeuten, sie müßten auf Sein Kommen warten, ja Er ging darin so weit, daß Er in Seinen Schriften erklärte:
"Ich bin ein Buchstabe aus diesem höchst mächtigen Buche und ein Tautropfen aus diesem unermeßlichen Meere; wenn Er erscheinen wird, werden Meine wahre Natur, Meine Geheimnisse, Meine Rätsel und Meine Andeutungen offenbar werden, und der Keim dieser Religion wird sich entwickeln durch die Grade Seines Wesens und Aufstiegs hindurch zu der Stufe ‘der schönsten Gestalt’ und geschmückt werden mit dem Gewand von ‘Gepriesen sei Gott, der Beste, der Schöpfer!’ ... So begeistert war Er durch Sein Feuer, daß die Erwähnung von Ihm das helle Licht in den dunklen Nächten in der Festung Mah-Ku und das Gedenken an Ihn Sein bester Begleiter in der Not des Gefängnisses von Chihriq war. Er empfing dadurch geistiges Wachstum, an Seinem Wein berauschte Er sich, und im Gedenken an Ihn erfreute Er sich."
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