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Der Bab












Er, Den Gott offenbaren wird

Der Bab ist mit Johannes dem Täufer verglichen worden, aber die Stufe des Bab ist nicht nur die des Heroldes oder Vorläufers. Der Bab war eine Manifestation Gottes, der Begründer einer unabhängigen Religion, obgleich diese Religion zeitlich auf einen kurzen Abschnitt von Jahren beschränkt war. Die Baha'i glauben, daß der Bab und Baha'u'llah gemeinsame Begründer ihres Glaubens waren, und die folgenden Worte von Baha'u'llah bezeugen diese Wahrheit:

"Daß eine so kurze Spanne Zeit diese höchst mächtige und wunderbare Offenbarung von Meiner eigenen vorbestimmten Manifestation getrennt hat, ist ein Geheimnis, das kein Mensch enträtseln, und ein Mysterium, wie es kein Geist ergründen kann. Ihre Dauer war vorbestimmt, und kein Mensch wird je ihren Grund entdecken, wenn nicht und ehe nicht er über den Inhalt Meines verborgenen Buches unterrichtet ist."

In Seinen Hinweisen auf Baha'u'llah jedoch offenbarte der Bab äußerste Selbstlosigkeit, indem Er über den Tag "Dessen, Den Gott offenbaren soll", erklärte:

"Wenn jemand auch nur einen einzigen Vers von Ihm hören und diesen nachsagen würde, so ist dies besser, als wenn er den Bayan tausendmal hersagen würde."

Er schätzte sich glücklich im Erdulden jeder Trübsal, wenn Er dabei auch nur in geringem Maß den Pfad ebnen durfte "für Den, Welchen Gott offenbaren wird", welcher - wie Er erklärte - die einzige Quelle Seiner Eingebung wie das einzige Ziel Seiner Liebe sei.
Auferstehung, Paradies und Hölle

Ein wichtiger Teil der Lehre des Bab ist Seine Erklärung der Bedeutung der Worte "Auferstehung", "Tag des Gerichts", "Paradies und Hölle". Unter Auferstehung ist, wie Er sagte, das Auftreten einer neuen Manifestation der Sonne der Wahrheit zu verstehen. Das Auferstehen vom Tod bedeutet die geistige Erweckung derer, die in den Gräbern der Unwissenheit, Achtlosigkeit und Sinnenlust schlafen. Der Tag des Gerichts ist der Tag der neuen Manifestation, durch deren Annahme oder Verwerfung die Schafe von den Böcken geschieden werden, denn die Schafe kennen die Stimme des göttlichen Hirten und folgen Ihm. Paradies ist die Freude, Gott zu erkennen und zu lieben, wie Er sich durch Seine Manifestation offenbart, und dabei die höchste Vollkommenheit, deren ein Mensch fähig ist, zu erlangen und nach dem Tod eintreten zu dürfen in das Königreich Gottes zu ewigem Leben. Hölle bedeutet, dieser Erkenntnis Gottes beraubt und dadurch abgehalten zu sein, göttliche Vollkommenheit zu erlangen; sie bedeutet auch den Verlust der ewigen Gnade. Er erklärte endgültig, daß diese Ausdrücke keinen anderen Sinn haben außer dem angegebenen, und daß die herrschenden Ansichten über die Auferstehung des materiellen Körpers, über einen materiellen Himmel und eine Hölle und dergleichen nur Hirngespinste seien. Er lehrte, daß den Menschen ein Leben nach dem Tod erwartet und daß in dem kommenden Leben der Fortschritt zur Vollkommenheit hin unendlich ist.
Soziale und ethische Lehren

In Seinen Schriften sagt der Bab zu Seinen Jüngern, daß sie sich auszeichnen sollten durch brüderliche Liebe und Höflichkeit. Nützliche Künste und Handwerke müßten gepflegt werden. Elementare Erziehung müsse allgemein werden. Durch die neue und wundervolle Sendung, die jetzt beginne, sollten die Frauen größere Freiheit genießen. Für die Armen sollte aus öffentlichen Mitteln gesorgt werden, das Betteln aber sei streng verboten, wie auch der Genuß berauschender Getränke.

Der Leitgedanke eines wahren Babi muß reine Liebe sein, ohne Gedanken an Belohnung oder Furcht vor Bestrafung. So sagt Er im Bayan:

"Du sollst Gott so verehren, daß, wenn der Lohn für deine Anbetung das Feuer wäre, dies keinen Einfluß auf deine Anbetung haben würde. Wenn ihr Gott aus Furcht anbetet, so ist dies der Schwelle der Heiligkeit Gottes unwürdig ... Desgleichen auch, wenn euer Blick auf das Paradies gerichtet ist und wenn ihr in der Hoffnung darauf betet; denn dadurch stellt ihr Gott und Seine Schöpfung auf die gleiche Stufe."
Sein Leiden und Sein Triumph

Dieser letztere Ausspruch offenbart den Geist, der den Bab Sein ganzes Leben lang beseelte. Gott zu erkennen und zu lieben, Seine Merkmale widerzuspiegeln und den Weg für Seine kommende Manifestation vorzubereiten, das war das einzige Dichten und Trachten Seines Wesens. Für Ihn hatte das Leben keine Schrecken und der Tod keinen Stachel, denn die Liebe hatte die Furcht ausgelöscht, und sogar der Märtyrertod war nur ein Entzücken, Sich ganz zu Füßen Seines Geliebten werfen zu dürfen.

Seltsam, daß diese reine und herrliche Seele, dieser erleuchtete Lehrer göttlicher Wahrheit, der so ergeben Gott und Seine Jünger liebte, so gehaßt und von den Geistlichen Seiner Zeit dem Tod überliefert werden sollte. Sicherlich konnte nur gedankenloses oder beabsichtigtes Vorurteil der Tatsache gegenüber blind machen, daß es sich hier tatsächlich um einen Offenbarer handelte, der ein heiliger Gottgesandter war. Weltliche Größe und Herrlichkeit besaß Er nicht. Aber wie kann geistige Macht und Herrschaft bewiesen werden außer durch die Fähigkeit, aller irdischen Hilfe entraten zu können und über allen irdischen Widerstand zu triumphieren, sogar über den mächtigsten und den stärksten? Wie kann göttliche Liebe einer ungläubigen Welt vor Augen geführt werden außer durch ihre Fähigkeit, bis aufs äußerste den Stürmen des Unheils und den Pfeilen der Anfechtung, dem Haß der Feinde und der Verräterei falscher Freunde zu widerstehen, sich hoch über all dies zu erheben und unerschrocken und ohne Verbitterung noch zu vergeben und zu segnen?

Der Bab hat durchgehalten und der Bab hat triumphiert. Tausende haben die Aufrichtigkeit ihrer Liebe zu Ihm bezeugt durch das Opfer ihres Lebens und aller Habe in Seinem Dienste. Könige könnten wohl neidisch werden auf Seine Macht über die Herzen und das Leben der Menschen. Noch mehr: "Er, den Gott offenbaren wird", ist erschienen, hat den Anspruch Seines Vorläufers bestätigt, dessen großmütige Ergebenheit angenommen und Ihn an Seiner Herrlichkeit teilnehmen lassen.
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