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Christentum und Islam - Spuren gemeinsamer Theologie












Hi,

Hier eine m.E. hochinteressante Betrachtung von Gemeinsamkeiten von Christentum und Islam. Ohlig zeigt Parallelen des fruehen arabischen Christentums (vor Einfuehrung der Trinitaetslehre) und dem Islam auf.

Zitat:
Aus Karl-Heinz Ohlig
Das „Sanctus“ der Messe (des Abendmahls) und „Mohammed“
Spuren gemeinsamer Theologie (stark gekuerzt)
... Wir beten zu demselben Gott, und nicht nur, weil unsere katholischen Brüder und Schwestern in Malta oder auch die arabischen Christen Gott als Allah anreden.Die Gemeinsamkeiten reichen tiefer. Wenn die Muslime Gott als den alleinigen Gott, ohne Beigesellung – also nicht trinitarisch – verstehen oder der Koran von Jesu sagt, er sei Messias, Prophet, Gesandter, Knecht Gottes – und nicht Sohn Gottes oder selber Gott –, dann handelt es sich dabei ursprünglich nicht um eine „nichtchristliche“ islamische Lehre, die gegen das Christentum gerichtet ist, Zeichen eben einer anderen Religion.
Vielmehr war diese Auffassung im frühen Christentum selbst lange Zeit verbreitet, ...vor allem, nicht nur, im syrischen Christentum, das von der palästinischen Mittelmeerküste bis weit in den Osten Mesopotamiens verbreitet war.
Dort wurde bis zum Konzil von Nizäa im Jahre 325 der sogn. Monarchianismus vertreten: Gott allein ist Herrscher, Wort und Geist sind „nur“ seine Kräfte (dynameis), durch die er selbst nach außen wirkt. ...
So nannten ihn die syrischen Christen den (vollkommenen) Knecht Gottes, den Messias, „Sohn der Maria“ (nicht: Gottes), den (großen) Propheten und Gesandten Gottes, dem wir nachfolgen sollen. Im aus Syrien stammenden Martyrium des Polykarp aus dem 2. Jahrhundert, das zu den „Apostolischen Vätern“ gezählt wird, heißt es: „Herr, Gott, Allmächtiger, Vater dieses geliebten und gelobten Knechtes Jesus Christus“ (14.1). Ebenso wird in der Didache, der die älteste Fassung des eucharistischen Hochgebets entnommen ist, Jesus „Knecht Gottes“ genannt (10,2), sogar auch in einem Schreiben der römischen Gemeinde aus dem Jahr 97 (Erster Klemensbrief 59,2) ist vom „geliebten Knecht Jesus Christus“ die Rede...
In Ostsyrien, in Mesopotamien östlich des Euphrat, das damals zum Perserreich gehörte, war Nizäa zunächst unbekannt. Erst im Jahre 410 wurde dessen Glaubensbekenntnis auch im Osten, auf einer Synode in der persischen Hauptstadt Seleukia-Ktesiphon angenommen. Aber es dauerte eine längere Zeit, bis sich dieses Bekenntnis verbreitete und durchsetzte. Seitdem übernahm auch die ostsyrische Großkirche eine Binitäts-, später auch eine Trinitätslehre sowie für die Christologie die Zwei-Naturen-Lehre.
Anders im Koran. Dieser bleibt bei der alten vornizenischen Theologie. Die aramäischen Christen, die den Grundstock des Koran formulierten, blieben bei dem Christentum ihrer Anfänge und grenzten sich gegen die neuen theologischen Aussagen ab.
Der spätere Araberherrscher ’Abd al-Malik hat im Innern des von ihm 693 erbauten Felsendoms in Jerusalem eine Inschrift anbringen lassen, die diese christliche Theologie programmatisch festhält (die sich auch im Koran findet). Dort heißt es zu Beginn eines gänzlich der Christologie gewidmeten Textes, nach einem Bekenntnis zu dem einen Gott ohne Teilhaber: „Gelobt/gepriesen (muhammad) sei der Knecht Gottes (’abdallah) und sein Gesandter ... Denn der Messias Jesus, Sohn der Maria, ist der Gesandte Gottes und sein Wort, das er der Maria eingegeben hat ...“...
Wer das Sanctus nicht nur – in „Volksweisen“ oder mit Mozart – singt und fromm betet, sondern auch über seinen Inhalt nachdenkt, wird bemerken, dass hier nicht der dreifaltige, sondern der unitarisch eine Gott des Alten Testaments gepriesen wird; denn das „dreimal Heilig“ (Trishagion) ist ein Zitat aus Jesaja 6,3, der noch nichts von einer Trinität wusste: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen (Zebaoth). Die ganze Erde ist erfüllt von seiner Herrlichkeit“[6]. Dieses Zitat findet sich auch im Ersten Klemensbrief (34,6), der ebenfalls noch keine Trinität kennt – er nennt Jesus „Knecht Gottes“....
Tatsächlich stammt das Sanctus ursprünglich aus ganz frühen, wahrscheinlich syrischen Zeiten des Christentums. Es wurde erst Jahrhunderte später auch im Westen in die Messliturgie übernommen, wobei hilfreich war, dass das dreifache Heilig, das im Alten Testament und in der frühen christlichen Theologie nur eine feierliche Bekräftigung ist, dann trinitarisch missverstanden werden konnte.
http://www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/mainframe.html


Es ist schon erstaunlich, wie aus Jesaja 6,3 sich eine Trinitaetslehre entwickelt hat, wie eine Phrasierung tatsaechlich zunehmend "vermystifiziert" wurde.

LG
Aus "Heilig, heilig, heilig" hat sich nicht die Trinitätslehre entwickelt. Es passt nur gut dazu.
Wie ist sie denn entstanden?
Hallo solution_1,

"Wie ist sie denn entstanden?"

Durch die Kompromissbereitschaft der jungen Kirche gegenüber den vorchristlichen Bräuchen in Rom. Durch den großen Zustrom an Heiden im 2 Jh. den das Christentum zu verzeichnen hatte. Diese Heiden waren oftmals der gr. Philosophie kundig. auf diesen Wege versuchte man Gemeinsamkeiten in der Lehre der Bibel und der Philosophie zu erkennen. Auf diese Weise fanden die Lehre der Dreieinigkeit und der Unsterblichkeit der Seele Einzug in die christliche Denkweise.

Adios
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