Weltreligionen: Christentum


Christentum

Der Begriff Christentum (gr. christianismós ) wird erstmals in einem Brief des syrische Bischofs Ignatius von Antiochien erwähnt. Die Anhänger des Christentums nennen sich selbst Christen. Die Apostelgeschichte erzählt, dass die Nachfolger Christi den Namen Christen zuerst von den Ungläubigen der syrischen Stadt Antiochia erhielten, in welche sie nach den ersten Verfolgungen in Palästina (vermutlich wenige Jahre nach Jesus Auferstehung und Himmelfahrt) geflohen waren.

Das Christentum ist eine monotheistische, gestiftete und missionierende Religion. Ihre Wurzeln liegen im Judentum des zweiten Tempels Palästinas zur Zeit der römischen Herrschaft vor circa 2000 Jahren. Das Christentum geht zurück auf die Anhänger eines jüdischen Wanderpredigers namens Jesus von Nazareth. Dieser Jesus wird von den Christen als der Christus, als der jüdische Messias verehrt, als Sohn Gottes. Die christlichen Lehren berufen sich allesamt auf diese Person.

Christentum wird auch häufig synonym zu Christenheit verwendet.
Verbreitung

Die christliche Religion, alle Glaubensrichtungen zusammengenommen, ist gegenwärtig die zahlenmäßig bedeutendste Weltreligion; es wird geschätzt, dass ungefähr ein Drittel aller Menschen auf der Welt einer der christlichen Kirchen angehören.

Die offiziellen Zahlen werden danach berechnet wie viele Leute offiziell in einer christlichen Gemeinschaft getauft sind. Im Regelfall wird man durch die Taufe als Kleinkind Christ und Mitglied einer Kirche.

Dies führt allerdings auch zahlreiche Probleme mit sich. So erhöht diese Praxis der Kindstaufe zwar die offiziellen Zahlen, allerdings gibt es wohl - hauptsächlich im Westen - zahlreiche Taufscheinchristen, die sich nicht bewußt als Christen sehen und in keinster Weise über religiöse Belange nachdenken, oder sich dem Atheismus, Agnostizismus oder anderem zugehörig fühlen. Im extremsten Fall betrachten einige dieser offiziellen Christen das Christentum negativ. Viele evangelische Freikirchen lehnen daher die Kindstaufe ab mit der Begründung, erst sei der Glaube und dann die Taufe erforderlich um Christ zu sein (Wiedertäufer / Erwachsenentaufe). In freikirchlichen Kreisen wird auch von der so genannten Geisttaufe oder Wiedergeburt gesprochen und diese praktiziert, in der Hoffnung, dass sich die Integrität der Gemeinschaft auf diese Weise erhöht.
Zusammenhalt, Organisation und Richtungen

Die gesamte Christenheit wird als "die Kirche" bezeichnet, als Leib Christi mit Christus als Kirchenoberhaupt und jeder einzelne Christ stellt ein Glied dieses mystischen Leibes dar. Manche Theologen unterscheiden zwischen der "unsichtbaren Kirche", die alle gläubigen Christen aller Konfessionen umfasst, und der oder den sichtbaren Kirchen, deren Mitglieder mehr oder weniger gläubig sein können. Alle christlichen Kirchen und Gemeinden fühlen sich dem Leib Christi zugehörig. Die Meinungen darüber, wer außer der spezifischen Kirche auch noch dem Leib Christi zugehört, sind jedoch sehr unterschiedlich: das Spektrum geht von "alle getauften Mitglieder aller christlichen Kirchen " bis zu "nur wer so wie wir glaubt und in unserer Gemeinschaft getauft ist".

Viele Kirchen sind in einer mehr oder weniger lockeren Gemeinschaft mit anderen Kirchen, die in beiderseits anerkannten Lehren begründet ist, ohne deshalb ihre spezifischen Lehren und Bräuche aufzugeben. Beispiele für solche Gemeinschaften sind der Ökumenische Rat der Kirchen, die Evangelische Allianz, die Leuenberger Konkordie. Daneben gibt es auch Kirchengemeinschaften, die die vollständige gegenseitige Anerkennung von Sakramenten, Kirchenmitgliedschaft und Ämtern beinhalten. Beispiele für solche Kirchengemeinschaften sind die anglikanische Kommunion oder die östlich-orthodoxen Kirche oder die evangelischen Unierten Kirchen.

Innerhalb des Christentums entstanden bald mehrere Gruppierungen bzw. Strömungen, manchmal durch politische Motive oder geografische Gegebenheiten, aber auch durch abweichende Lehrmeinungen. Grob lassen sich diese Richtungen nach ihren Merkmalen in Konfessionen einteilen. Zu einer Konfession gehören eine oder mehrere Kirchen oder Gemeinden. Der einzelne Christ ist Mitglied einer bestimmten Kirche oder Gemeinde. Neben den Konfessionen gibt es heute auch konfessionsübergreifende theologische Richtungen, beispielsweise liberal, evangelikal, oder charismatisch.
Historische Entwicklung

Die älteste bedeutende Kirchenspaltung entstand anlässlich des Konzils von Chalcedon über Fragen der Christologie (Trennung der monophysitischen Kirchen).

In den folgenden Jahrhunderten vertiefte sich in der Reichskirche die Entfremdung zwischen der östlichen und westlichen Tradition bis zum definitiven Bruch (gemeinhin auf 1054 datiert). Die westliche Tradition entwickelte sich im west-römischen Reich, während die östliche Tradition in Ägypten, Syrien und Kleinasien entstand. Die eigentlich dogmatischen Unterschiede blieben bis heute gering.

Die westliche Tradition (Römisch-katholische Kirche ohne unierte Ostkirchen) erfuhr durch die Reformation des 16. Jahrhunderts eine neue tiefgreifende Spaltung. Sie betraf vor allem das Kirchen- und Sakramentsverständnis und die Erlösungslehre. Die reformatorische Bewegung führte zu mehreren parallelen Kirchenbildungen, von denen sich im weiteren Verlauf neue Gruppierungen lösten, die sich aber auch wieder zu Kirchengemeinschaften zusammenfanden.

Während die verschiedenen Traditionen sich früher gegenseitig exkommunizierten, sind sie heute bei einer gewissen Akzeptanz und Zusammenarbeit in der Ökumene angelangt und sehen Konfessionen, die die zentralen Elemente der christlichen Lehre ebenfalls bejahen, als christliche Schwesterkirchen an.
Östliche Tradition

In der antiken Welt gab es fünf christliche Patriarchate, denen jeweils die lokalen Metropoliten, Erzbischöfe und Bischöfe unterstellt waren: Rom, Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem. Der Patriarch von Rom (Papst) hatte traditionell den ersten Rang als primus inter pares, der Patriarch von Konstantinopel den zweiten.

War über wesentliche Lehrfragen zu entscheiden, wurde ein Konzil (eine Versammlung von Bischöfen) einberufen. Das höchste Ansehen genossen die ökumenischen Konzile, in denen Bischöfe aus allen Patriarchaten zusammenkamen; allerdings hatten auch diese nicht "das letzte Wort", denn mehreren Konzilen, die sich selbst als "ökumenisch" betrachteten, wurde dieser Status wegen mangelnder Zustimmung der Bevölkerung später aberkannt. Insgesamt gab es zwischen 321 und 787 sieben ökumenische Konzile, die bis heute von östlich-orthodoxen, katholischen und den meisten evangelischen Kirchen anerkannt werden; viele evangelische Kirchen erkennen allerdings das siebte Konzil nicht an wegen seiner Ikonenlehre.

Zu einer ersten Spaltung kam es 451 nach dem ökumenischen Konzil von Chalcedon, das die Natur Christi als sowohl menschlich als auch göttlich definierte. Die Patriarchate einschließlich Rom akzeptierten den Konzilsentscheid. Die monophysitischen Kirchen haben dagegen eine Auslegung gewählt, die nicht mit der des Konzils vereinbar ist. Die Koptische Kirche hält Jesus für fleischgewordenes Wort, d.h. er ist göttlich, jedoch in vollkommen fleischlicher Gestalt. Beide spalteten sich von ihren jeweiligen Patriarchaten Antiochia und Alexandria ab. Die Assyrische Kirche des Ostens vertrat eine dem Monophysitismus entgegengesetzte Position.

In der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends entwickelte dann die römische Kirche Lehren, die nicht von ökumenischen Konzilen abgesegnet worden waren, z.B. bezüglich Primat des Papsttums und Filioque und forderte Jurisdiktion über die übrigen Patriarchate, was diese verweigerten. Weitere Unterschiede bestanden seit langem bezüglich politischer Umgebung, Sprache und theologischen Ansätzen. Die Situation eskalierte und 1054 kam es zu einer gegenseitigen Exkommunikation zwischen dem Papst und dem Patriarchen von Konstantinopel. Auf diesen Anlass wird üblicherweise das Morgenländische Schisma zwischen östlich-orthodoxen Kirchen und der römisch-katholischen Kirche datiert. Trotz einiger Versöhnungsversuche blieben die Traditionen von da an getrennt.

Die Patriarchate von Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem und einige seither neu dazugekommene nationale Kirchen, haben bis heute die gleiche Theologie und Spiritualität, die sich, im Gegensatz zur protestantischen und katholischen Theologie kaum verändert hat, und sehen sich als Teil der ursprünglichen, von Christus gegründeten Kirche. Allen ist gemeinsam, dass sie Bibel und Liturgie in der jeweiligen Landessprache haben. Die größte orthodoxe Kirche ist heute die Russisch Orthodoxe Kirche. Heute haben die orthodoxen Patriarchate oft auch Kirchen im Ausland, die ihnen unterstellt sind. Es gibt signifikante Unterschiede zwischen den Orthodoxen und den westlichen Kirchen - dazu gehören z.B die Interpretation der Dreieinigkeit und der Erlösungstat Christi, der Stellenwert der Liturgie, die Heiligungslehre, die Spiritualität, die Bedeutung von Ikonen, oder die Lehre über die Kirche. Die orthodoxen Kirchen haben ihre historischen Schwerpunkte in Osteuropa, im Balkan, im Nahen Osten, in Indien und in Nordostafrika, sind heute als Auswandererkirchen in allen Teilen der Welt zu finden.
Westliche Tradition

Katholische Tradition

Ursprünglich gab es in der westlichen Tradition, nach innerkirchlichen Auseinandersetzungen zwischen den Päpsten (=urspr. Bischof) resultierend die katholische Kirche von Rom. Eine zentrale katholische Lehre besagt, dass der katholische Papst eine Autorität besitzt, die direkt auf den Apostel Petrus zurückgeführt werden kann und die ihn zum Stellvertreter Christi und damit Inhaber des obersten Lehr- und Hirtenamts in der christlichen Kirche macht. Daraus hat sich eine spezifische Lehre von der Kirche und ausgeprägte Hierarchie entwickelt. Ebenso sieht sich die katholische Kirche - gemeinsam mit der orthodoxen Kirche - als alleinige Verwalterin aller Sakramente, da sie in ihr die Kirche Christi substituiert sieht (vgl. 2. Vatikanisches Konzil Lumen Gentium). Römisch-katholische Kirche und orthodoxe Kirchen unterscheiden sich also hauptsächlich darin, dass es in der orthodoxen Kirche keinen Papst gibt (obwohl der Patriarch von Konstantinopel einen Ehrenvorrang innehat)und die Orthodoxie von synodalen Prozessen geleitet wird. In beiden Kirchen gibt es 7 heilige Sakramente (Taufe, Heilige Eucharistie/Kommunion, Sakrament der Versöhnung/Bußsakrament, Firmung, Priesterweihe, Ehe, Krankensalbung). In orthodoxen Kirchen werden die Sakramente Taufe, Erstkommunion und Firmung zusammen im Kindesalter gespendet, während dies in der römisch-katholischen Kirche zeitlich abgestuft wurde. Das Pflichtzölibat besteht in der orthodoxen Kirche nur für das Bischofsamt. Die Lehre beider Kirchen basiert auf der Bibel, deren Verständnis in der kirchlichen Tradition unter der Leitung des Heiligen Geistes fortschreiten kann, wobei eine "tradition constitutiva" (unveränderbar) und eine traditio divino-apostolica die sich in der menschlichen traditiones zeigt (Ausdruck daher veränderbar) zu unterscheiden ist, die Orthodoxie beschränkt die "tradition constitutiva" auf die von ihnen anerkannten ökumensichen Konzilien.

Die römisch-katholische Kirche ist bei weitem die größte christliche Konfession und weltweit vertreten. Von ihr abgespalten haben sich einige wesentlich kleinere Gruppen, die sich ganz in der katholischen Tradition sehen aber mit den neuen Dogmen des ersten bzw. einigen Lehren des zweiten vatikanischen Konzils nicht übereinstimmen. Ein besonderer Fall ist die Anglikanische Kirche, die in Großbritannien und im Commonwealth verbreitet ist und ein eigenes Kirchenoberhaupt hat. Auch sie sieht sich in der apostolischen Sukzession, was die römisch-katholische Kirche anfangs unter Hinweis auf eine Ritusänderung ablehnte, jedoch kehrte die Sukzession durch Mitgliedschaft in der Utrechter Union und Teilnahme von gültig geweihten Bischöfen wieder zurück, die katholische Kirche anerkennt mittlerweile die Sukzession bei den orthodoxen Kirchen und Kirchen der Utrechter Union (inkl. Anglikaner, siehe auch Bischofssynode vom 30.9.2003). Die apostolische Sukzession spielt eine Rolle bei der Gültigkeit der Weihe von Bischöfen und daran anknüpfend Priestern. Die bereits früh abgespaltenen Altkatholiken lehnen die Unfehlbarkeit des Papstes ab und ebenso den Pflichtzölibat die Leitung obliegt ähnlich der Orthodoxie der Synode.

Katholischen Kirchen gemeinsam ist dass es für den Gottesdienst eine Liturgie gibt, d.h. einen genau festgelegten Ablauf / Ritus, bei dem die Gläubigen aktiv teilnehmen und bei dem bestimmte Teile nur von geweihten Priestern gesprochen und getan werden dürfen. Die Gottesdienste sind jedermann zugänglich, der Kommunion-Empfang ist jedoch nur nach Empfang der Erstkommunion möglich. Die Interkommunion ist untersagt und nur in Ausnahmefällen gestattet wenn ein gleiches Kommunionsverständnis vorhanden ist. Eine weitere Gemeinsamkeit katholischer Kirchen ist die Bitte um Fürsprache bei den Personen, die man für in den Himmel aufgenommen hält (Maria, Heilige). In der katholischen Kirche gibt es über das Kirchenjahr verteilt sehr viele Feste und Gedenktage. Weiterhin ist das ausgeprägte Ordensleben der katholischen Kirchen zu erwähnen.
Evangelische Tradition

Eigentlich kann man schwerlich von evangelischer Tradition sprechen, da evangelische Kirchen weniger auf der altkirchlichen Tradition beruhen (diese in manchen Fällen sogar ablehnen), sondern sich fast ausnahmslos in der Reformationszeit oder später neu aus der Bibel definieren (Sola Scriptura = allein die Schrift). Vereinfacht kann man sagen: Die evangelischen Kirchen erklärt sich aus der biblischen Schrift heraus (Sola Scriptura), während sich die katholischen Kirchen aus der Schrift und der Überlieferung erklärt. Um die Mitte des zweiten Jahrtausends entwickelte sich an verschiedenen Orten im deutschen Sprachraum aus Protest gegen Missbräuche in der katholischen Kirche die Reformation. Die Lehre Luthers ist festgehalten in 95 Thesen und einem von ihm verfassten Katechismus. Luther selbst war noch Verfechter der Kindstaufe, des Bußsakraments und der Marienverehrung. Er verfasste allerdings eine neue Rechtfertigungslehre, die besagt, der "Glaube allein" (Sola Fide) würde den Menschen retten. Basierend auf dieser Rechtfertigungslehre, es würde nichts weiter erforderlich sein als allein der Glaube, legten die nachfolgenden evangelischen Zersplitterungen nach und nach alle Sakramente bis auf Taufe und Abendmahl ab. In den nicht-lutherischen evangelischen Kirchen und Gemeinden stellt das Abendmahl ein rein symbolisches Gedächtnismahl dar (keine Realpräsenz Jesu in Brot und Wein) und das Bußsakrament wurde abgeschafft. Im freikirchlichen Bereich wurde die Kindstaufe oft durch die Erwachsenentaufe ersetzt, da man ja davon ausgeht, es müsse ein aktiver Glaube zur Errettung vorhanden sein (Sola Fide). Eine weitere Entwicklung sind so genannte Hauskreise in den Gruppierungen, wo man alles Institutionelle ablehnt. Die vielfältigen evangelischen Konfessionen sind völlig unabhängig voneinander und haben keine offizielle gemeinsame Lehre und kein gemeinsames Oberhaupt.

Gemeinsam ist den evangelischen Kirchen die "vier Solas": solus Jesus Christus, allein Jesus Christus als Herr der Kirche, sola scriptura allein die Bibel als Basis, sola gratia Erlösung allein durch Gnade, sola fide Rechtfertigung allein durch den Glauben.

Bezüglich Einstellung zur Kirchentradition gibt es alle Zwischenstufen von der Anglikanischen Kirche, die viele ursprünglich katholische Traditionen weiterführt bis zu den calvinistisch-reformierten Kirchen, die alle Kirchentradition außerhalb der Bibel ablehnen. Bezüglich Lehren über Taufe, Abendmahl, Sakramente und Kirchenstrukturen gibt es innerhalb der evangelischen Kirchen große Unterschiede. Über Lehre und Praxis wird in einigen Konfessionen durch Synoden oder Konferenzen auf internationaler Ebene entschieden, in anderen Konfessionen auf der Ebene der lokalen Kirche. Heute sind die Unterschiede zwischen liberalen und konservativen Flügeln innerhalb einer Konfession oft größer als die Unterschiede zwischen einzelnen Liberalen bzw. zwischen einzelnen Konservativen aus verschiedenen Konfessionen.

Während die evangelischen Konfessionen früher sehr stark die Unterschiede betonten, gibt es heute einige Ansätze zur Annäherung: Viele evangelische Konfessionen in Europa haben sich in der Leuenberger Konkordie zusammengeschlossen, konservative Konfessionen arbeiten in der evangelischen Allianz zusammen, in einigen Fällen ist es sogar zu Wiedervereinigungen gekommen (United Church of Canada aus Lutheranern, Methodisten und Presbyterianern, Uniting Church of Australia aus Presbyterianern, Kongregationalisten und Methodisten, United Church of Christ aus sieben Konfessionen).
Andere Konfessionen

Verschiedene andere Konfessionen, für die Jesus Christus ebefalls eine zentrale Figur ist, sehen sich weder in der orthodoxen noch in der katholischen noch in der evangelischen Tradition. Gruppen die sich selbst so einordnen sind beispielsweise die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage ("Mormonen") die Zeugen Jehovas und die Vereinigungskirche. Diese Gruppen haben in der Regel sehr spezielle Auslegungen oder Strukturen, welche für Außenstehende oft nur schwer nachvollziehbar sind. Beispielsweise haben sie Ansichten über Dreieinigkeit, die nicht mit den ökumenischen Konzilen übereinstimmen oder gleichwertige Schriften neben der Bibel. Solche Gruppen haben oft die (allerdings unterschiedlich stark ausgeprägte) Tendenz, ihre eigene Sicht des Christentums absolut zu setzen und allen anderen Traditionen das Christsein abzusprechen und intern undemokratische Strukturen zu etablieren. Die Unitarier bezeichnen sich als Grenzchristen (borderline Christians), da Jesus Christus keine zentrale Rolle in ihrem Glaubenssystem spielt.
Lehre

Die zentralen Elemente der christlichen Lehre sind die Liebe zu Gott, die Liebe zum Nächsten und die Liebe zu sich selbst (christliche Ethik ); die Menschwerdung Gottes im Messias Jesus , sein Opfertod in Form der Kreuzigung sowie der Glaube an die leibliche Auferstehung nach dem Tode. Die Christen glauben, dass diese Ereignisse die Basis von Gottes Werk bilden, mit welchem die Menschheit mit ihm ausgesöhnt werden sollte, da alle Menschen, nach christlicher Lehre, als mit der sog. Erbsünde behaftet deklariert werden. Dies schloss die jüdischen Urchristen nach Jesu Kreuzestod, die diesen Glauben annahmen, von der Gemeinschaft der Juden aus, da diese es u.a. ablehnen, einen Menschen anzubeten, denn sie sahen in Jesus Christus nicht den verheißenen Messias und Sohn Gottes.

Jesus Christus ist nach der christlichen Glaubenstradition ganzer Gott und ganzer Mensch, doch halt: -ganzer Mensch jedoch ohne menschliche Sünde und von der Erbsünde frei, zudem wird gelehrt, dass Jesus Christus nicht sündigen könne. Er wird als Mensch und als Gott angebetet. Dies bedeutet eine Schwächung des Monotheismus, die sowohl vom jüdischen Glauben als auch vom Islam trennt, welche die Vorstellungen einer Inkarnation Gottes als Mensch, als auch die Anbetung von Menschen ablehnen.

Es existieren allerdings zahlreiche Meinungsdivergenzen unter den Gläubigen, was nun wirklich das entscheidende Kriterium für das Christ Sein darstellt. Zum einen gehen viele davon aus, dass zum Christ Sein sowohl das befolgen der ethischen Prinzipien, wie auch aktive Teilnahme an der christlichen Kirche dazugehört. Andere Menschen sehen sich selbst als Christen weil sie an Gottesgläubig sind und die christliche Ethik achten, ohne dass sie allerdings selbst (aktives) Mitglied in einer Kirche sind. Der Ausdruck humanistische Christen bezeichnet wiederum Menschen, welche weder in einer Kirche sind noch an Gott glauben, jedoch ihre Ethik als christlich betrachten. Anonyme Christen (nach Karl Rahner) sind hingegen diejenigen, welche das Christentum nicht kennen oder es sogar bewußt ablehnen, aber dennoch der moralischen Prinzipien folgen.
Ursprung und Einflüsse

Christentum geht auf die Lehren des jüdischen Jesus Ben Joseph (also: Jesus, Sohn des Joseph) zurück, die im ersten Jahrhundert der (daher rührenden) christlichen Zeitrechnung (A.D. = anno domini = Jahr des Herrn) von Urchristen entscheidend entwickelt und elaboriert wurde. Die Christen übernahmen die fünf Bücher Mose und andere alttestamentliche Schriften aus der jüdischen Tradition und viele grundsätzliche Lehren wie den Glauben an einen Messias oder Christus (aus dem griechischen: christos: Gesalbter). Von den Juden übernommen wurde auch die Art der Gottesverehrung; die Konzepte von heiligen Orten und heiligen Tagen; sowie das Gebet und die Verwendung der Psalmen. Nicht zu vergessen die Vorstellung von der leiblichen Auferstehung. Bei der Ausbreitung des Christentums auf alle Kontinente und in alle Kulturen nahm das Christentum die jeweils vorhandenen Riten auf, so dass es zu landestypischen Prägungen kam. Die Gemeinsamkeit mit dem Judentum besteht in der Anbetung des gleichen Schöpfergottes. Jedoch sehen die Christen Gott als einen dreifaltigen Gott an (Trinität): Den Vater, den Sohn (Christus) und den Heiligen Geist. Jesus Christus ist nach christlicher Lehre zugleich ganz Mensch und ganz Gott. Die ersten Christen waren Juden, die sich zum christlichen Glauben bekehrten. Dem Christentum wird oft der Vorwurf gemacht, eine Hauptschuld an der Judenverfolgung gehabt zu haben. So gibt es auch heute noch Diskussionen darüber, ob Christen Juden die Schuld am Kreuzestod Jesu geben, da es jüdische Schriftgelehrte bzw. Priester waren, die von Pontius Pilatus die Hinrichtung Jesu forderten. Die Kirchenlehre selbst sagt dazu, dass jeder Sünder die Schuld am Kreuzestod Jesu trägt und hierfür nicht eine bestimmte Gruppe verantwortlich sei.