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Was ist Sinn und Unsinn - welche Bedeutung geben wir ihnen - was sehen wir als sinnlos an und wie gehen wir damit um, daß die Menschen eine Unterscheidung treffen ?
Sinn – Unsinn
Der Versuch, dem Sein Sinn zuzuschreiben, so Friedrich Nietzsche, war von jeher der große Fehler der Philosophie. Auch Theodor Lessing betrachtete Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen, und Maurice Merleau-Ponty sah die Menschheit gar zum Sinn verurteilt. Doch mit dem Unsinn tun sich die Denker schwer. Meint Unsinn nur die Abwesenheit von Sinn, oder eröffnet der Unsinn ganz neue Bereiche des Seins?
http://www.derblauereiter.de/ausg_1-10/dbr08/dbr08_inha.html
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diskussion
Der Tod des Menschen als komplexes Phänomen
Die Frage nach dem Todeskonzept ist als solche keine medizinische Fragestellung, sondern eine philosophische.
Autor: Klaus Steigleder
Humanität: nur noch in der Katastrophe?
Selbst in auswegloser Lage ist es noch möglich, sich mitmen-schlich zu verhalten und dadurch dem Leben einen Sinn aufzuzwingen, den es von sich aus nicht hat. Moral fordert mit ihren Prinzipien das ein, was sein soll. Humanität ist die Qualität eines sozialen Handelns, das sich seine Grenze an der Freiheit der anderen setzt.
Autorin: Annemarie Pieper |
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Sinn – Unsinn
Sinn ist eine Ordnungsform menschlicher Erfahrung, mittels derer versucht wird, die Welt verstehbar zu machen. Damit sich ein Individuum seines „intellectuellen Wertes“ bewußt werden kann, muß die „innere Leere“ und „Dürftigkeit“, so Schopenhauer, allererst durch „Sinn und Geist“ angefüllt werden. Sinn ist demnach ohne ein Vorverständnis dessen, woraufhin das Leben entworfen sein soll, nicht denkbar. Nicht-Sinn, ein Leben ohne Sinn, wäre ein bloßes Dahinleben. Demgegenüber ließe sich der Begriff des Unsinns als eigenständiger in einer Mittellage ansiedeln zwischen Sinn und Nicht-Sinn. Nicht der Weg wäre das Ziel, sondern das, was sich auf einem ziellosen Weg findet, was übergangen oder aufgegriffen werden kann. Die Aufforderung zum Unsinn meint in dieser Sicht, sich frei zu machen von allen fremden Sinnstiftungen. Sie bezeichnet eine Lebensform, in welcher der einzelne beständig aufgefordert ist, in Freiheit das zu ergreifen, was ihm begegnet. Denn ein Ziel vor Augen versperrt die Sicht auf das, was sich ereignet. Das was dem Lebendigen gegenübertritt, ist nicht sinnbehaftet – es fällt ihm im wörtlichen Sinne zu, ist zufällig. So schreibt Klaus Giel in seinem Beitrag Über den Spieler – Sinngebung und Sinnerfahrung im Spiel: „Das Spiel ist eine Form der Überführung von zufälligen Möglichkeiten in produktive Zufälle, die der Spieler als Belohnung seiner Empfänglichkeit wahrnimmt, aufgrund deren er sich in einem tiefen Einvernehmen mit der Welt findet … Sinn hat, was keinen Zweck nach außen hat, auf den hin es entworfen wurde.“ Will man in der Verminderung des Zufälligen das sehen, was man auch Sinn nennt, so Giel, „ist das Spiel eine eminente Form der Sinngebung und der Sinnerfahrung“.
Der eine, absolute Sinn hat im Zeitalter von Freiheit und Selbstverwirklichung ausgedient.
Wenn Formen und Inhalte der Tradition zerbrechen, die sinnstiftenden Botschaften der Kirchen an Anziehungskraft verlieren, setzt zwangsläufig eine neue Suche nach Sinn ein, welcher nun in weltlichen und sinnlichen Zusammenhängen gesucht wird. Sinn zu finden, so Wilhelm Schmidt unter dem Titel Das schöne Leben, „davon verspricht man sich, das zu finden, wofür
es sich zu leben lohnt“. Sinn, das ist Zusammenhang – „sinnlos bleibt nur das, was ohne Zusammenhang ist“.
Soll mit Unsinn nicht die Kehrseite des Sinns, der englische „Nonsens“, der „Blödsinn“, gemeint sein, tun sich Philosophie wie Literatur gleichermaßen schwer. Denn, so schreibt Klaus H. Hil-
zinger zum Thema Unsinnspoesie: Texte „haben immer Sinn, sie erzeugen ihn von innen, und sie erhalten ihn von außen“. Der Sinn der Literatur allerdings ist „Gegensinn: gegen den alltäg-
lichen, den herkömmlichen, den allzu vertrauten“. Das vermeintliche Plädoyer für den literarischen Unsinn und die Unsinnspoesie ist für Hilzinger denn auch keines: „Der ,Sinn’ erweist sich, wie der ,Unsinn’, als ,Faktor’, als ,Element’. Beide sind, ,künstlerisch geformt’, gleich relativ – aber ,gewertet’.“
Gegen „Die Wut des Verstehens“ wissenschaftlicher Sinnsuche, die Hermeneutik, wendet sich Jochen Hörisch im Interview; denn „Verstehenwollen ist eine Form des Willens zur Macht“. Schon Goethe schrieb mit Blick auf spätere Generationen von Interpreten seines Werks:
http://www.derblauereiter.de/ausg_1-10/dbr08/dbr08_edit.html
Muß nicht Jeder für sich das selbst entscheiden ? Mit einem freien Willen sagen: das ist für mich sinnvoll und das weniger und das und das ist für mich blanker unsinn - ähnlich wie Unkraut - es gibt keine Verneinung von Kraut - im Grunde genommen hat Gott ohne Sinn nichts geschaffen - es kommt nur darauf an, was ich vom Kraut verstehe und wie ich es verwenden kann.
Oder ?
Ist es Anmaßung vom Menschen zu sagen: das ist sinnlos ? Um dann zu sagen: nur das, was aus meinem Munde kommt, ist sinnvoll - hat man dann Gottes Wort - hätte Gott das je gewollt ?
Was wollte Gott und wie kann ich Sinnvolles unterscheiden ? Unterscheiden,was Sinn macht und was nicht sinnvoll ist ?
Liegt nicht auch Verachtung darin, zu meinen, das, was mir nicht paßt, kann ja nur unsinnig sein ?
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