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Am Anfang war die Nudel












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Am Anfang war die Nudel
Streit um die wahre Lehre: das Intelligent Design und seine Parodie


Quelle: Gehirn & Geist 05/2007

Die Welt wurde vor rund 5000 Jahren von einem fliegenden Spaghettimonster erschaffen. Es verstreute Fossilien, um die Menschen glauben zu machen, die Arten hätten sich über Jahrmillionen entwickelt. Klingt unglaubwürdig? Das soll es auch! Schließlich ist Bobby Hendersons "Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters", das den Schöpfungsakt einem ominösen Nudelungeheuer zuschreibt, eine Satire auf das – vollkommen ernst gemeinte – "Intelligent Design".

Die Vertreter dieser Lehre glauben, dass der Mensch und die natürliche Artenvielfalt nicht allein aus der Evolution heraus entstanden sind, sondern dass ein intelligenter Designer alle Lebewesen geschaffen und immer wieder in ihre Entwicklung eingegriffen hat. Wer dieser Schöpfer sein soll, lassen die – mehrheitlich christlichen – Befürworter zwar offen. Aber das könnte einen ganz praktischen Grund haben. Seit Jahren fordern sie, ihre Lehre als alternatives wissenschaftliches Modell gleichberechtigt neben der Evolutionstheorie an den öffentlichen Schulen in den USA zu unterrichten. Doch dort ist jegliche Glaubenslehre verboten – 1987 strichen die Obersten Richter den christlich orientierten "wissenschaftlichen Kreationismus" aus den Schulbüchern.

Trotzdem feierte das Intelligent Design zwischenzeitlich einen Erfolg: Erst 2005 beschloss das School Board des US-Staates Kansas, die neue Lehre von der Entwicklungsgeschichte in den Lehrplan aufzunehmen. Diesen Februar wurde die Entscheidung zwar revidiert. Aber zuvor sorgte sie für einige Proteste – darunter auch ein offener Brief von Bobby Henderson, der damit den Grundstein zu seiner Religionsparodie legte. Der Physiker verlangte, an den Schulen gleichberechtigt neben Evolutionstheorie und Intelligent Design auch die Schöpfungsgeschichte vom Fliegenden Spaghettimonster zu unterrichten. Seine Begründung: Wenn das Intelligent Design ein alternatives wissenschaftliches Modell darstellt, dann gelte das ebenso für die Idee eines Nudelungeheuers.



Die Macht der Pasta

In seinem "Evangelium" überträgt Henderson die Argumentationsweise der Verfechter des Intelligent Design auf sein eigenes Theoriegebäude. Dabei nutzt er, wie er selbst anmerkt, auch Widersprüche, dreiste Lügen und schamlose Übertreibungen, um den Glauben der Leser auf die Probe zu stellen. Beispielsweise demonstriert er die Macht der Pasta anhand der verblüffenden Ähnlichkeit zwischen der menschlichen DNA und den Fusilli, einer spiralförmigen italienischen Nudelsorte.

Nach diesem Muster führt der Autor die Verquickung von Religion und Wissenschaft, die immer dann auf eine übernatürliche Erklärung setzt, wenn es ihr gerade passt, ad absurdum. Henderson schreibt so respektlos, wie Satire eben sein sollte. Das Resultat ist eine ausgesprochen kurzweilige Lektüre – solange man das Buch nicht als Angriff auf den eigenen Glauben versteht.

Wer sich dem Thema Intelligent Design lieber ernsthaft nähern möchte, dem sei "Darwins Werk und Gottes Beitrag" von Christopher Schrader empfohlen. Der Redakteur der "Süddeutschen Zeitung" lässt zunächst die Befürworter ihre Thesen darlegen. Zwar behandelt er diese Kreuzung aus Religion und Evolutionstheorie damit wie ein wissenschaftliches Modell, und das mag viele verärgern. Für den Leser ist diese Vorgehensweise jedoch hilfreich, denn so wird es überhaupt erst möglich, diese Lehre zu verstehen und sich mit ihr auseinanderzusetzen.

Die Gegenargumente bleibt Schrader selbstverständlich nicht schuldig. In den folgenden Kapiteln zitiert er Wissenschaftler und Theologen, die sich gegen das Intelligent Design aussprechen, und widerlegt mit ihrer Hilfe eines der wichtigsten Argumente der Befürworter: den viel beschworenen Widerspruch zwischen Wissenschaft und Religion. Dabei gelingt es Schrader in seinem klaren, flüssigen Schreibstil, den Bogen von Charles Darwin zu einer Prognose über die Zukunft des Intelligent Design zu schlagen und dem Leser so eine gute Übersicht über alle Positionen in diesem Streit zu verschaffen.

Wie aktuell der Konflikt noch immer ist, zeigt eine von Schrader zitierte Umfrage aus den USA von 2005. Demnach glaubten 53 Prozent der Amerikaner daran, dass der Mensch so geschaffen wurde, wie es in der Bibel steht. Nur 12 Prozent vertraten die Meinung, der Mensch habe sich im Lauf der Evolution ohne göttliches Zutun entwickelt. Ein knappes Drittel wiederum bevorzugte ein Modell ähnlich dem des Intelligent Design: Evolution ja, aber nur geführt von der Hand Gottes.

Nina Bublitz
Die Rezensentin ist Biochemikerin und arbeitet als freie Wissenschaftsjournalistin in Hamburg
Forum -> Spiegel- und Reflexionsforum II


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