Fürsprache in der nächsten Welt


"Der Reichtum der anderen Welt ist die Gottnähe. Folglich ist es gewiß, daß jene, die dem göttlichen Hof nahe sind, Fürsprache einlegen dürfen, und diese Fürsprache wird von Gott gebilligt. Aber Fürbitte in der anderen Welt ist nicht gleich der Fürbitte in dieser Welt, sie ist etwas anderes, eine andere Wirklichkeit, die nicht in Worten ausgedrückt werden kann.

Wenn ein reicher Mann bei seinem Tode ein Vermächtnis für die Armen und Schwachen hinterläßt und ihnen einen Teil seines Vermögens überschreibt, kann diese Tat vielleicht zur Ursache seiner Vergebung und Verzeihung und seines Fortschritts im Reiche Gottes werden.

So tragen auch Vater und Mutter unendlich viel Sorge und Mühe um ihre Kinder; und oft, wenn die Kinder das Alter der Reife erreicht haben, gehen die Eltern in die andere Welt ein. Nicht häufig geschieht es, daß Vater und Mutter in dieser Welt den Lohn der Sorge und Mühe, die sie für ihre Kinder auf sich genommen haben, sehen. Dann sollen die Kinder als Dank für diese Sorge und Mühe Wohltätigkeit und Nächstenliebe zeigen und um Vergebung und Verzeihung für ihre Eltern flehen. So mußt du als Dank für die Liebe und Güte, die dir dein Vater gezeigt hat, ihm zuliebe den Armen geben, mit größter Unterwerfung und Demut Verzeihung und Vergebung der Sünden erflehen und um die höchste Gnade bitten.

Es ist sogar möglich, daß die Lage derer, die in Sünde und Unglauben gestorben sind, geändert werden kann; das heißt, sie mögen zum Gegenstand der Verzeihung durch die Gnade Gottes, nicht durch Seine Gerechtigkeit, werden; denn Gnade gibt ohne Verdienst, Gerechtigkeit aber gibt nach Verdienst. Wie wir hier die Kraft haben, für diese Seelen zu beten, so werden wir die gleiche Kraft auch in der anderen Welt, die das Reich Gottes ist, besitzen. Sind nicht alle Wesen jener Welt die Geschöpfe Gottes? Dann können sie auch in jener Welt Fortschritte machen. Wie sie hier durch ihre demütigen Bitten Licht empfangen können, so können sie auch dort um Vergebung flehen und durch Bitten und Beten Licht erlangen. So wie Seelen durch die Hilfe des Bittens, des Flehens und der Gebete der Heiligen in dieser Welt Entfaltung erlangen können, so ist es auch nach dem Tode. Durch ihre eigenen Gebete und demütigen Bitten können sie auch Fortschritte machen, ganz besonders aber, wenn sie Gegenstand der Fürsprache der heiligen Offenbarer sind."
Abdu'l-Baha