|
|
|
Hallo meriem.
gehen wir jetzt mal wieder von der Annahme aus, daß es tatsächlich einen Gott und ein Weiterleben nach dem Tod gibt. Ich habe im Laufe der Jahre sehr viele Erfahrungsberichte über Nahtoderlebnisse gelesen. Ich selber hatte nie eines. Zugeben, lange Zeit habe ich mir für mich auch ein solches Erlebnis gewünscht (allerdings nicht mit der Absicht, ein Märtyrer werden zu wollen, sondern einfach der Erfahrung selber wegen), heute bin ich froh, daß ich davor verschont geblieben bin.
Aber worauf ich jetzt eigentlich hinaus will: Diese Menschen, die von ihren Nahtoderlebnissen berichten, haben sich in ihrem neuen Dasein unbeschreiblich glücklich gefühlt und haben ihrer "alten" Welt, ihrem "alten" Dasein sinngemäß den Rücken zugekehrt und waren mehr als unglücklich, daß sie wieder zurückgeschickt wurden. Sie wollten nicht mehr zurück in diesen Körper, zurück in diese Welt. Sie wollten das alles hinter sich lassen.
Wenn nun schon wir Menschen nach unserem Tod diese Welt hinter uns zurücklassen würden und kein Interesse mehr an ihr hätten, welches Interesse könnte dann ein Gott haben, der noch über diesem Universum steht, zu Krümeln wie uns zu sprechen?
Mal ein Beispiel: Das PC-Spiel "SIMS". Es ist ein Simulationsspiel, in dem man gewissermaßen selber Gott spielen kann. Man kann Menschen erschaffen, Ihnen je nach Lust und Laune verschiedene Charaktereigenschaften verpassen, in ihren Lebensablauf eingreifen, sie sterben lassen etc. Aber würden wir jemals auf die Idee kommen, mit diesen Menschen Kontakt aufnehmen zu wollen und ihnen vorzugeben, wie sie sich zu verhalten haben und daß sie an uns glauben sollen?
Ist vielleicht kein sehr gelungener Vergleich, aber ich finde, er beschreibt am besten, was ich meine.
Meine frühere Lebenseinstellung war die, daß das Leben eine Prüfung ist, deren Sinn und Zweck nicht daran besteht, Götter anzubeten und ihnen demütig zu dienen, sondern darin, seine Persönlichkeit, seinen Charakter, seine geistige Reife zu entwickeln. Einfach zu lernen, GUT zu sein und davon überzeugt zu sein.
Ich habe an eine höhere Macht geglaubt, und logisch betrachtet kann ich ihre Existenz leider auch heute nicht ausschließen. Aber woran ich nie geglaubt habe, war eine Kontaktaufnahme dieser Macht mit den Menschen. Denn das würde wieder darauf hinauslaufen, daß wir Gott kleiner machen als er sein würde.
Wir sind uns ja einig darüber, daß wir Menschen noch weit davon entfernt sind, unsere Welt, unser Universum vollständig zu erfassen und zu verstehen. Und ich meine, daß wir noch weniger den Schöpfer eines solchen Werkes verstehen könnten.
Es heißt, Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild. Im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, daß es vielmehr umgekehrt ist. Der Mensch überträgt seine ganz menschlichen Eigenschaften auf sein jeweiliges Gottesbild. Auf diese Weise findet er in seinem Glauben Halt und Sicherheit, weil er seinen Gott auf diese Weise verstehen kann. So erkläre ich mir auch die Entwicklung der unterschiedlichen Religionen und Glaubensrichtungen nach der jeweiligen Kultur. Aber all diese Religionen hatten meiner damaligen Ansicht nach letztlich denselben Ursprung, nämlich den Glauben des Menschen an etwas Höheres. Vielleicht deswegen, weil der Mensch so etwas wie den Schatten einer Erinnerung daran in sich tragen könnte, wo er eigentlich hergekommen ist, bevor er auf diese Welt kam. So eine ganz diffuse Art Erinnerung, die zwar da ist, aber zu schwach und zu diffus um (be)greifbar zu sein. Und um diese Ahnung herum haben sich im Laufe der Geschichte die verschiedenen Glaubensrichtungen aufgebaut und entwickelt. Kurz gesagt, die Religionen sind von den Menschen - unbewußt - entwickelt worden, gewissermaßen als Hilfsmittel, um ihre Herkunft und den Sinn ihrer Existenz zu verstehen. Das zumindest ist meine Theorie. Ich erhebe keinen Anspruch darauf, daß es wirklich so ist, aber für mich klingt das einleuchtend.
Und wenn es nun heißt, Gott hat zu uns gesprochen und uns dieses und jenes mitgeteilt, dann ist das für letztendlich auch nur ein Baustein der jeweiligen Religion. Es mag entsprechende Ereignisse und Erlebnisse gegeben haben, die dann so interpretiert wurden, daß Gott gesprochen hat. Ich persönlich konnte schon damals nicht an so etwas glauben. Das hat für mein Verständis vielmehr menschliche Züge als göttliche.
|
|
|