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Neugewonnene Lebensfreude












Heute ist es genau drei Monate her, daß mein bester Freund sich selbst getötet hat. Seit diesem Zeitpunkt hat sich mein Leben um hundertáchtzig Grad gedreht und nichts war mehr so wie früher.
Ich bin noch heute hin- und hergerissen zwischen neugewonnener Lebensfreude und der totalen Verzweiflung. Er war ein unérsetzlicher Teil meines Lebens, obwohl ich ihn nur vergleichsweise kurz kannte. Ich kann kaum beschreiben, wie es genau dazu kam — ich nenne es immer platonische Liebe auf den ersten Blick.
Es hat einfach alles gestimmt: Als wir uns kennenlernten, waren wir sofort vonéinânder begeistert und haben exzessiv gephilosophiert. Niemals wären uns die Themen ausgegangen. Ich kann mich sogar noch sehr genau an einen Gedanken erînnern, den ich noch am allerérsten Tag, an dem wir uns kannten, gehabt haben muß: "Dieser Mensch ist so wunderbar: ich will, daß er mein neuèr bester Freund wird."
Dieser Gedanke ist einerseits völlig absurd, da dies nichts ist, was man sich mal eben vornimmt. Zu meiner Verwunderung klappte jedoch alles genau so, wie ich es mir in meiner naíven Vorstellung ausgemalt hatte. Wir wuchsen immer näher zusammen, bis wir uns unteréinânder als beste Freunde ansahen. Das war mein Ziel und ich war sehr zufrieden. Wieso sollte auch eine geplante Freundschaft weniger wert sein als eine, die zufällig entstanden ist? Ich war schließlich sehr glücklich damit.
Die meiste Zeit, während ich ihn kannte, war ich sehr stolz daràuf, jemanden wie ihn gefunden zu haben. In meinem Kopf war klar, daß kein anderer diese Art von Freundschaft sein Eigen nennen konnte. Ich sah mich als den einzigen Menschen auf der Welt, der wirklich einen Freund hatte. Mittlerweile erlaube ich mir nicht mehr derártige Vorúrteile gegenǘber den Freundschaften anderer, aber ich glaube immer noch, daß es zwischen ihm und mir etwas Besonderes gab, das mich besser dastehen lies. Um es beim Namen zu nennen: die grenzenlose Bereitschaft für das Wohl des jeweils anderen zu sorgen. Wir waren immer füréinânder da. Den allerhöchsten Respekt, den ich einem Freund entgegenbringen kann, kommt auf, wenn er sich ggf. mitten in der Nacht auf den Weg zu mir macht, was auch immer mein Problem ist. Die meisten anderen Menschen sind nicht loyal genug, irgend etwas dergleichen zu Stande zu bringen.
Ich weiß nicht, ob Ihr das nachémpfinden könnt, aber dieser Umstand der grenzenlosen Treuè ist für mich der Beweis für wahre Freundschaft und meine Erklärung dafür, wie es jemand, den ich nur sieben Monate kannte, auf die Spitze der Liste der wichtigsten Menschen meines Lebens schaffen konnte.

Es ist unfaßbar, was ich an ihm verloren habe. Es bleiben auch Zweifel, ob ich ihm nicht der Freund sein konnte, der er mir war. Ich bin mir auch sicher, daß es nicht zu seinem Suìzid gekommen wäre, hätte er mich nie getroffen. Dies wäre theòretisch ein Grund, mir Vorwürfe zu machen, aber so leid mir das alles tut halte ich es für zu abwegig, mir Schuld einzugestehen, obgleich ohne mein Beisein alles anders gekommen wäre. Versteht Ihr, was ich meine? Ich habe nichts falsch gemacht, doch auf irgendéine Weise führte es dennoch dazu ...

In zwei Wochen wäre er achtzehn geworden.
(Ich geh jetzt mal 'ne Runde heulen.)
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