selbstfindung


Hallo Dornroeschenwach,

natürlich gibt es [viel zu viele ] solche Menschen - niemand kann es leugnen, und das
Bemitleiden hilft nicht - man kann nur versuchen, dieses 'Funktionierenmüssen' im
Rahmen des eigenen Wirkungskreises zu minimieren. Mich aus Empathie absichtlich in
die gleiche Situation zu begeben ist nicht nur sinnlos, es ist kontraproduktiv - ich stärke
dadurch ja nur die oppressiven Kräfte...
Zitat:
wo ein Wille ist, ist auch ein Weg
ist einer der dümmsten Sprüche die es gibt - wenn man ihn so nimmt wie er dasteht.
Selbst wenn in manchen Situationen ein Wille zur, sagen wir mal allgemein 'Leidfreiheit'
möglich wäre - was oft gar nicht der Fall ist [in destruktiven Beziehungen z.B. ] -
was hilft dieser Wille einer Gefangenen, einem unheilbar Kranken, einer Verhungernden,
einem geistig Behinderten, einem Kleinkind...

Es ist wie es ist; manchmal kann man was dran ändern und manchmal nicht -
wer aber etwas zum Guten ändern könnte, es aber aus grundsätzlichen Erwägungen
nicht tut, der übernimmt die Mitverantwortung dafür, dass sich nichts geändert hat,
auch wenn er das nicht will.
Lieber Wu,
was bitte ist eine "grundsätzliche Erwägung" ? Ich hatte früher beruflich viel mit Frauen zu tun, die eben in diese Kategorie "Funtionierer" gehörten.
Frauen, die sich letztendlich und nach schwerem inneren Kampf dazu entschlossen hatten, zumindest eine Beratung betreffend Scheidung/Trennung in Anspruch zu nehmen. "Was würden sie tun", war oft die Frage. Und ich mußte immer wieder denken, kann ich, nur weil ich mit meinem Partner nicht mehr klarkomme oder weil ich andere WEge einschlagen will wie er, es meinen Kindern zumuten, eine Trennung durchzuziehen, obwohl ich weiß, dass ich damit (und nicht nur finanziell) den Kindern ein großes Stück Lebensqualität nehme??? ODer wäre es nicht am einfachsten, die Kinder einfach bei dem Mann zu lassen?
Irgendwie sind diese ganzen Ratschläge, die man von sogenannten Fachleuten bekommt, im Grunde doch nichts als leere Worte. Wenn es so einfach wäre!
Vielleicht sollte man sich "selbst finden", bevor man sich einen Sack
Verpflichtungen aufhalst, doch wer bedenkt das schon....Und dann ist es meistens zu spät, dann heißt es in den meisten Fällen Augen zu und durch.
Liebe Dornroeschenwach,
Zitat:
was bitte ist eine "grundsätzliche Erwägung" ?

naja - eine grundsätzliche Erwägung wäre z.B., dass es aus einem bestimmten Grund von vornherein nicht gut - und daher abzulehnen - ist, sich selbst finden zu wollen... Genau in diesem Punkt haben aber die in destruktiven Partnerschaften 'funktionieren Müssenden' eine gewisse Schwäche und sollten m.E. ermutigt werden. Ja, ich weiß auch, dass das zum überwiegenden Teil Frauen sind - wie soll aber jemand zu einer Entscheidung kommen, wenn sie/er nicht zu sich selbst finden kann? Ist das nicht die Grundvoraussetzung für jede Entscheidung? Ich hatte direkt und indirekt (Frau in der Beratung, eine Freundin in einem Frauenhaus tätig) Einblick in div. Probleme - die mit einem Partner oder Ex-Partner sind m.E. häufig irgendwie lösbar durch Kommunikation, evtl. mit Unterstützung einer Therapeutin oder eines Mediators - und wenn der Partner allzu borniert und unzugänglich ist, mit Rechtshilfe; die Probleme die sich dadurch ergeben, dass man sich selbst nicht kennt und findet, und nicht weiß was man eigentlich will, die zu lösen ist weit schwieriger.
Bei der Sache mit den Kindern und ihrer Lebensqualität muss man natürlich abwägen, wenn es nur darum geht, dass ich mit meinem Partner nicht mehr klarkomme oder andere Wege einschlagen will als er - bin ich, ist er in der Lage, den gemeinsamen Weg fortzusetzen in einer Weise, dass die Kinder eine geringere Einbuße an Lebensqualität hinnehmen müssen als bei einer Trennung? Konkret: bei mir war das nicht der Fall - die Lebensqualität aller Beteiligten, auch der Kinder, hat sich durch die Trennung deutlich verbessert. Dasselbe habe ich in meiner Jugend als selbst 'Scheidungskind' erfahren...
Natürlich wäre es wünschenswert, zu sich selbst zu finden, bevor man dauernde Verpflichtungen eingeht, aber - a) wer hat das tatsächlich schon, wenn er/sie das tut, und b) es ist auch in einer Partnerschaft möglich sich selbst zu finden - im Idealfall kann man einander dabei sogar unterstützen - selbst wenn man nicht einer Meinung ist
ich habe da noch eine frage. ist es bei der selnbstfindung, nicht nätürlich,das man sich einfach von beestimmten menschen entfernt? ist das dann falsch? mir ist es passiert, dass ich nicht nur mein eigenes wesen erkantte, sondern auch die wesen in meinem umfält. ist das normal, oder mache ich schon wieder ausnahmen?
Hallo Shadow,

ich vermute, solange ich mich selbst nicht erkannt habe, kann ich natürlich auch
keinen Unterschied zu Anderen erkennen... Das kommt erst mit der Ich-Findung.
Aber es ist m.E. nicht die Endstation - wenn ich in mich wirklich 'reingegangen bin,
dann merke ich, wie unwichtig und zweitrangig diese Unterschiede letztlich sind,
und höre auf, das 'Ich' furchtbar wichtig zu nehmen und allem Anderen gegenüber
abzugrenzen...
Hallo,

wie heißt es schon bei Buddha, der Ursprung allen Übels liegt im "ich".
Angenommen ich erreiche diese offensichtlich erstrebenswerte "menschliche Reife", sehe alle Mißerfolge in meinem Leben als Chance, es beim nächsten Mal besser zu machen und danke den Menschen, die mir übel mitgespielt haben für diese Erfahrungen, die ich mit ihnen machen durfte, schließe Freundschaft und vielleicht sogar Liebe mit einem dankbaren Händeschütteln ab und freue mich, dass
ich denn nun so gereift bin, dass ich alles mit einem Lächeln im Gesicht ertragen kann und gleichzeitig die Ärmel hochkremple um ins nächste Fiasko zu rennen. Was soll mir denn schon noch passieren, jetzt, wo ich so gefestigt bin und so viel fürs Leben gelernt habe....
Was aber ist mit meinen Gefühlen, der enttäuschten Liebe, der Wut, der Trauer, dem Hass, jegliche menschliche Gefühlsregung, die in meinem Kopf, in meinen Gedanken auf Jahre hin gefangen bleibt? Wie legt man diese Gefühle ab und wohin? Oder hat man die dann automatisch nicht mehr, wenn man so "gereift" ist und über den Dingen steht?
Ich denke, ich verzichte lieber auf diese Reife und gebe mich lieber
meinen Emotionen hin, bin Mensch, mit allen Ecken und Kanten,
mit allen Gefühlen. Niemals möchte ich so abgeklärt sein, nein, niemals möchte ich so abgeklärt werden, dass alles an mir abprallt wie an einer Wand. Wenn das "Reife" sein soll, möchte ich mein Leben lang lieber ein naives,kindliches Gemüt behalten, unvoreingenommen an Dinge herangehen, die gleichen Fehler mehrfach machen aber nie den Mut verlieren, es wieder und wieder zu versuchen! Jetzt erst recht!
Hallo Dornröschenwach,
Zitat:
wie heißt es schon bei Buddha, der Ursprung allen Übels liegt im "ich".

Also soweit ich es verstanden habe, bist Du doch davon ausgegangen, dass man sein Ich
überhaupt nicht zu finden versuchen sollte, weil 'das doch nur auf Kosten Anderer geht'
Wenn das so ist, was hast Du dann an dieser Aussage des Buddha auszusetzen?
Zitat:
Was aber ist mit meinen Gefühlen, der enttäuschten Liebe, der Wut, der Trauer, dem Hass, jegliche menschliche Gefühlsregung, die in meinem Kopf, in meinen Gedanken auf Jahre hin gefangen bleibt? Wie legt man diese Gefühle ab und wohin? Oder hat man die dann automatisch nicht mehr, wenn man so "gereift" ist und über den Dingen steht?

Deine Gefühle, die enttäuschte Liebe, die Wut, die Trauer, der Hass, jede menschliche
Gefühlsregung, die in Deinem Kopf, in Deinen Gedanken auf Jahre hin gefangen bleibt,
das sind ja genau die Gefühle jenes 'Ich', das Du gar nicht haben willst
'Reifen' kann nur das Ich; wenn das abgelegt ist, was ist dann noch 'reif' oder 'unreif'
Wenn man noch nie zu einem gefunden hat - nun, das ist eine andere Frage...
Zitat:
Ich denke, ich verzichte lieber auf diese Reife und gebe mich lieber meinen Emotionen hin, bin Mensch, mit allen Ecken und Kanten, mit allen Gefühlen. Niemals möchte ich so abgeklärt sein, nein, niemals möchte ich so abgeklärt werden, dass alles an mir abprallt wie an einer Wand. Wenn das "Reife" sein soll, möchte ich mein Leben lang lieber ein naives, kindliches Gemüt behalten, unvoreingenommen an Dinge herangehen, die gleichen Fehler mehrfach machen aber nie den Mut verlieren, es wieder und wieder zu versuchen! Jetzt erst recht!

Hast Du Nietzsche gelesen? Das hört sich ziemlich nach der 'ewigen Wiederkehr' an...
Ja, das ist natürlich Deine Entscheidung - aber wie schon gesagt: Entscheidungen ohne
'Ich' sind relativ schwer - wer soll sie denn treffen, und für wen?

P.S. Vielleicht sollte ich noch dazusagen - an wem alles abprallt wie an einer Wand,
der ist von Ichlosigkeit noch sehr weit weg... Worum es dabei geht, ist nicht das
Abprallen-, sondern das Herankommenlassen, ja das Verlieren von Trennwänden...
Hallo Wu,

ich glaube, du weißt gar nicht, was ich meine und wir reden aneinander vorbei. Aber was soll´s. So ist das Leben.
Hallo,

das ist natürlich möglich - ich kann mich nur beziehen auf das was Du schreibst -
wenn ich Dich da falsch verstanden haben sollte, tut's mir leid. Für mich war's
aber recht wertvoll, weil ich wieder mal gezwungen war, ein paar Dinge gründlich
auszuformulieren, die ich eher vage im Hinterkopf hatte...

Danke
Ich denke mir zu sich selbst zu finden ist, seine Schwächen und Stärken zu kennen, dazu zu stehen und sie lieben zu lernen! Also bei mir ist es so ich kenne meine jetzigen Schwächen und Stärken, manche davon mag ich, manche nicht! Beides steht nicht immer im Gleichgewicht, aber genau das macht MICH aus, das ist ein Teil meiner Persönlichkeit und entweder man mag mich so wie ich bin oder man lässt es bleiben! ICH bin ICH!