Buddhismus in eurem Alltag


Hallo,

Mich würde es mal interessieren inwiefern ihr euren Glauben an Buddha in den Alltag integriert. Wie oft Meditiert und/ oder Betet ihr? Habt ihr eine Art Haualtar? Was macht ihr bei Christlichen Feiertagen wenn der rest der Familie Christlich ist? Geht ihr in die Kirche?
Hallo Altefrohne,

1) nun, Buddhismus ist kein Glaube an Buddha, sondern die Arbeit mit dem Geist. Da es keinen Alltag gibt, an dem der Geist nicht teilnimmt, besteht also 24 h am Tag die Möglichkeit zum Praktizieren. Und das versuche ich, wann immer ich mir dessen bewußt werde.
Meine tägliche formelle Praxis (= Meditation) schwankt zwischen ca. 2 min. bis 3 h oder mehr. Hängt von den Umständen ab. Meine informelle Praxis kann ich zeitlich schlecht abschätzen. Es ist letzten Endes das, was ich oben geschrieben habe: Ein bewußtes Arbeiten mit dem Geist. Dieses kann unterschiedliche Ansätze beinhalten, die von dem abhängen, was in der Situation gerade möglich erscheint.

2) Ja, ich habe eine Art Altar gestaltet, der hauptsächlich aus einigen Bildern besteht.

3) Ich gehe Weihnachten mit meiner Familie in die Kirche, weil es meiner Mutter etwas bedeutet.

Jetze habe ich aber noch die Frage an Dich, woher Dein Interesse an diesen Fragen kommt?

LG, Alex
Hi Alex,
Ich setze mich zurzeit mit dem Buddhismus auseinander und habe mich das mal gefragt.

Aber ist eine Art Verehrung von Buddha und das von ihm erreichte im Buddhismus als Religion nicht ein genauso wesentlicher Bestandteil wie die Beschäftigung mit dem Geist?
Ich dachte die alleinige Beschäftigung mit dem Geist
würde mehr eine Rolle spielen, wenn man den Buddhismus als eine Art Philosophie oder Lebenseinstellung betrachtet(?)

Wie gesagt ich dachte, also verbessert mich wenn ich falsch liege

LG, Altefrohne
Hallo Altefrohne,

Alex hat sicherlich recht, wenn er sagt, daß Buddhismus in erster Linie eine Geisteschulung ist.

Für mich steht an erster Stelle der Kampf mit meinen "Geistesgiften". Beschäftigt man sich in dieser Form mit seinem Geist, stellt sich unweigerlich die Frage, woher kommen diese Gifte, wie wirken sie sich aus und wie kann man sie erfolgreich bekämpfen.

Buddha wird n.m.M. deshalb verehrt, weil er ein leuchtendes Beispiel ist. Doch er hat sich anfänglich sogar geweigert, das Rad der Lehre anzustoßen. Also seine Lehre zu verbreiten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist für mich der Zusammenhang zwischen den uns umgebenden Phänomenen und deren Wechselwirkung mit unserem Geist. Wie sind sie beschaffen und welche Wirkung haben sie auf uns?

Über diese Fragen kann man dann mehr als ausgiebig analytisch meditieren. Die Erkenntnisse dieser Meditationen nimmt man dann mit in den Tag. Auf diese Weise kann man seine Geistesgifte verringern.

Das kann dann so weit gehen, daß man Zuflucht nimmt. Zuflucht zum Buddha, zur Lehre und zur Gemeinschaft.

Der Buddha konnte die Lehre nur verbreiten. Den Pfad muß jeder selbst gehen.


Liebe Grüße
R.R
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Die Phänomene sind nicht inhärent existent
http://ahimsayama.blogspot.com/
Hi Altefrohne,

wesentliche Dinge sind schon gesagt.
Dennoch interessiert mich eine Frage an Dich: Wie kommst Du auf den Begriff des Betens? Wer soll hier angebetet werden? Es geht doch um die Arbeit am "eigenen" Geist, aber jetzt folgere nicht daraus, dass das eine Anbetung der eignen Person ist.

In der Meditation versuche ich, die Schleiher meiner verblendeten Sicht zu lüften. Als Schwierigkeit ist da nun mal die erlebte Illusion meines "ich's". Es ist schon wichtig zu unterscheiden, zwischen Glaube und Erkenntnisphilosophie.

Christl. und staatl. Feiertage sind für mich Tage der Ruhe von der Arbeit für den Lebensunterhalt. Da "meine" Frau auch buddhistisch denkt und handelt, haben wir keinerlei Probleme, ob da ein sog. christl. Gottesdienst auf dem Besuchsplan steht oder nicht.

Du soltest bei Deiner "Analyse" über den buddhistischen Alltag solche Querverbindungen einfach weglassen, und schon geht es um so einfacher!

Gruß alwin
Hallo Altefrohne,

auch wenn es schon ein jahrealter Beitrag ist, möchte ich antworten:

für mich ist der Buddhismus ebenfalls eine Geistesschulung.

Zitat:
Wie oft Meditiert und/ oder Betet ihr?


Ich versuche mir jeden Tag Zeit zu nehmen für Meditation. Abends bin ich leider häufig zu müde um mich aufs Kissen zu setzen und daher versuche ich im Alltag achtsam zu leben. Manchmal passt es dann doch und ich habe immer wieder erfahren, wie wohltuend und klärend ein Sitzmeditation sein kann.

Zitat:
Habt ihr eine Art Haualtar?


Ja, ich habe einen einfachen Hausaltar. Darauf befindet sich eine Buddhastatue, eine Kerze und ein Räucherstäbchenhalter. Jeden Morgen spreche ich die Zufluchtsnahme ("Ich nehme meine Zuflucht in den Buddha. Ich nehme meine Zuflucht in den Dharma. Ich nehme meine Zuflucht in den Sangha.") und verneige mich und spüre ich eine tiefe Dankbarkeit gegenüber dem Menschen, der uns Mittel aufgezeigt hat mit dem Leiden im Leben umgehen zu können.
Am Morgen erinnere ich mich auch noch an die fünf Silas (ethischen Ratschlägen: Leben zu schützen, großzügig zu sein, wahr und sinnvoll zu sprechen, treu zu sein und mich nicht durch Alkohol zu berauschen). Ein freies, kurzes Gebet (z.B. Mögen alle Wesen frei sein von Gier, Hass und Verblendung, mögen alle Wesen Weisheit, Gleichmut, Mitfreude und Wohlwollen kultivieren) spreche ich ebenfalls. Anmerkung: ein buddhistisches Gebet wird nicht an einen Gott oder den Buddha verrichtet. Es soll eine positive Haltung und heilsame Sichtweise anstoßen.

Zitat:
Was macht ihr bei Christlichen Feiertagen wenn der rest der Familie Christlich ist? Geht ihr in die Kirche?


An hohen Feiertagen, wenn die Familie geht, dann schließe ich mich an. Buddha riet nachdrücklich Respekt vor anderen Religionen zu haben und der interreligiöse Dialog ist denke ich für Buddhisten naheliegend.

Liebe Grüße,
Wohlwollen _()_