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Nun besteht die Ironie dieses Vorgangs religiöser Selbsttäuschung darin, dass die Bibel selbst die Mittel für seine Aufdeckung bereitstellt. Denn die Kirche musste ein Interesse daran haben, Weltenherrn und Wanderprediger als ein und dieselbe Person dingfest zu machen. Ohne diese begriffliche Fixierung und historische Verankerung des mythischen Christus keine Autorität und Macht für die Kirche auf dieser Erde! Daher bewahrte sie in ihren Reihen auch die Traditionen vom historischen Jesus und nahm sie - dogmatisch geschönt - in den Kanon heiliger Schriften auf. Das gereichte ihr in der Neuzeit unter den Gebildeten zur Schande, weil man erkannte: Jesus hat diese Kirche nicht gewollt. Er hat ihr gar nicht die Binde- und Lösegewalt zugeschrieben, die ihre Vertreter bis heute für sich beanspruchen.
Seitdem reißen die Versuche nicht ab, doch noch zwischen historischem Wissen und lieb gewonnenem Glauben zu vermitteln.
Der eine besteht darin, die heilsnotwendigen Lehren zu unterteilen in solche, die man wörtlich nehmen soll, und andere, die man besser bildlich versteht. „So kommen etwa das Heilshandeln Gottes und der Erlösungstod Christi ins Töpfchen der Fakten, die Jungfrauengeburt und der Teufel ins Kröpfchen der Metaphern“ (Christoph Türcke). Doch ist das nichts anderes als eine Immunisierungsstrategie. Längst hat die historische Kritik hat auch die harten Fakten als Fiktionen entlarvt.
Ein anderer Versuch will den historisch widerlegten Glauben offensichtlich als „Religion light“ vermitteln. Der evangelische Kirchentag im Jahre 2001 liefert dafür ein Beispiel. Seine Losung: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ (Psalm 31, Vers 9) soll angeblich Freiheit verheißen und zugleich Hoffnung auf Orientierung zu Beginn des 3. Jahrtausends ausdrücken. Doch treiben die Veranstalter mit diesem Text aus Psalm 31 als Losung nur Schindluder. „Weiter Raum“ heißt dort nämlich Rettung vor den Feinden, und ihnen wünscht der Beter folgendes: „die Gottlosen sollen zuschanden werden und hinabfahren zu den Toten und schweigen“ (Vers 1 . Das ist etwas anderes, als was die Losung des Kirchentags suggeriert. Jesus fände in dieser Mischung von „Religion light“ und Ahnungslosigkeit keinen Raum.
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