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Die antichristlichen jüdischen Traditionen von der Geburt Jesu
Die Frage stellt sich: Lassen sich die obigen Ausführungen zu Jesus als dem Sohn der Maria durch jüdische Quellen weiter absichern?
Die Toledot Jeschu, eine Sammlung volkstümlich-romanhafter Erzählungen über Jesus, berichten in aller Ausführlichkeit von der Verführung der jungen Maria. Doch scheiden sie aus chronologischen Gründen aus, denn sie stammen aus dem Mittelalter. Ebenso wenig kommen die rabbinischen Quellen der tannaitischen Zeit (bis 220 n. Chr.) in Frage, denn sie erwähnen an keiner Stelle Maria und Jesus. Eindeutige jüdische Kritik findet sich in der ältesten erhaltenen heidnischen Schrift gegen die Christen vor 178 n. Chr.
Dank der Schrift des Kirchenvaters Origenes (gest. ca. 251 n. Chr.) „Gegen Kelsos“ (Gegen Celsus) sind Auszüge aus einem antichristlichen Werk erhalten geblieben, das der gebildete Heide Kelsos ungefähr im Jahre 178 n. Chr. abgefasst hatte. Im Rahmen der erhaltenen Stücke bezieht sich Kelsos wiederholt auf die Aussagen eines jüdischen Gewährsmannes. In Kap. 1,28-38 begegnet die Behauptung, die Jungfrauengeburt sei von Jesus selbst erdichtet worden. In Wahrheit sei er ärmlicher Herkunft gewesen und entstamme einer ehebrecherischen Beziehung seiner Mutter, einer Handarbeiterin, zu dem Soldaten Panthera (Pandera). Sie sei darauf vom Ehemann, einem Handwerker, verstoßen worden und habe, ehrlos umherirrend, Jesus irgendwo im geheimen zur Welt gebracht. Dieser sei später nach Ägypten gegangen, um dort als Tagelöhner zu arbeiten, habe dort mit magischen Kräften umzugehen gelernt und sei schließlich, stolz auf seine Fähigkeiten, in die Heimat zurückgekehrt, wo er sich öffentlich als Gott ausgegeben habe.
Fragen wir nach dem geschichtlichen Wert der Erzählung im Matthäusevangelium, so sprechen vorläufig folgende Gründe gegen die Unhistorizität der Zeugung Jesu aus dem heiligen Geist und seiner Geburt aus der Jungfrau Maria.
a) Der heilige Geist ist im Hebräischen weiblich und nicht sächlich wie im Griechischen. Die Voraussetzungen einer Zeugung durch den Geist sind daher brüchig.
b) Geistzeugung und Jungfrauengeburt Jesu sind im Neuen Testament nur selten und zudem ausschließlich in späten Traditionsschichten bezeugt.
c) Wollte man die Jungfrauengeburt für historisch halten, müsste man doch wohl annehmen, Maria habe von ihren intimen Erfahrungen berichtet. Dagegen spricht jedoch, was die älteste Überlieferung über die Familie Jesu berichtet. Diese, einschließlich die Mutter Maria, meinte, Jesus sei verrückt und wollte ihn daher „ergreifen“.
Als historisches Faktum hinter Mt 1,18-25 schält sich hingegen ein feindliches Gerücht heraus, das von nichtchristlichen Juden über die illegitime Geburt Jesu verbreitet wurde. Das ist der eigentliche Kern der Geschichte des Mt. Dann aber ist auch klar, dass die Zeugung Jesu von einem Unbekannten eine weitere historische Einzelinformation ist. Diese Zeugung Jesu durch einen Unbekannten dürfte auch daraus folgen, dass Jesus in der ältesten Tradition, die in Mk 6,3 erhalten ist, „Sohn der Maria“ heißt. Sie wird von der durch Kelsos aufbewahrten jüdischen Polemik bestätigt, die Maria der Unzucht zeiht. Vgl. ähnlich Joh 8,4: (Die Juden zu Jesus:) „Wir sind nicht aus der Unzucht geboren.“
a) Nicht einmal in der Datierung der Geburt Jesu stimmen Mt und Lk überein: Bei Mt soll die Geburt Jesu noch zu Lebzeiten Herodes des Großen (gest. 4 v. Chr.) erfolgt sein, bei Lk hingegen kurz nach einer von Kaiser Augustus angeordneten Steuerschätzung zur Zeit der syrischen Statthalterschaft des Quirinius (ab 6 n. Chr.). Von einem reichsweiten Zensus unter Augustus ist allerdings aus nichtchristlichen Quellen nichts bekannt. Der erste Zensus in Judäa, nicht im ganzen Römischen Reich, ist 6/7 n. Chr. ausgeschrieben worden.
b) Bei Mt wohnen die Eltern in Bethlehem, und erst nach der Rückkehr aus Ägypten siedeln sie nach Nazareth um. Lk dagegen lässt die Eltern vor der Geburt Jesu von ihrem Wohnort Nazareth nach Bethlehem ziehen.
c) Von Magiern aus dem Morgenland, einem Wunderstern, einer Flucht nach Ägypten und einem Kindermord des Herodes berichtet Lk nichts; umgekehrt weiß Mt nichts von einer Verkündigung der Geburt an die Hirten usw.
Ein letzter ebenso verzweifelter wie abwegiger Versuch, beide Erzählungen zu harmonisieren, wäre die Annahme, beide wollten dasselbe nur auf verschiedene Weise darstellen oder das von Mt Berichtete setze die lk Geschichte als früher Vorgefallenes voraus (bzw. umgekehrt). Vielmehr liegen zwei gleich unhistorische Erzählungen vor.
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