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Der Westen fordert von Kabul Erfolge ein
Internationale Konferenz in London beschließt neue Hilfszusagen für die kommenden fünf Jahre
Afghanistan wird in den kommenden zwei Tagen von der Internationalen Staatengemeinschaft neue verbindliche Hilfszusagen bekommen. Im Gegenzug muß Kabul versprechen, die Korruption und den Drogenhandel zu bekämpfen. Morgen beginnt in London eine zweitägige Konferenz, bei der Delegierte aus 70 Ländern einen Fünfjahresplan verabschieden sollen - mit dem Titel "Afghanistan Compact". Ziel dieses Paktes zwischen Kabul und den Geberländern ist, die Internationale Hilfe effektiver zu gestalten, so daß die Bevölkerung endlich Erfolge der Neuordnung sehen kann - daran hapert es noch in dem kriegszerstörten Land.
In verschiedenen Provinzen schalten und walten Regionalfürsten mit ihren Privatarmeen an Kabul vorbei und in ihre eigenen Taschen hinein. Im Süden und Osten des Landes bekommt die Widerstandsbewegung unter Führung der Taliban und ihren Verbündeten Zulauf. Sie haben es auf Regierungsbeamte und ausländische Truppen abgesehen, morden und attackieren fast täglich. Ihr Ziel: Ausländer raus und die Regierung Karsai, den sie für einen Lakaien des Westens halten, am besten gleich mit. Die Gewalt hat in den vergangenen Monaten zugenommen, auch durch eine Welle von Selbstmordanschlägen. Im vergangenen Jahr starben 1500 Menschen, darunter rund 60 US-Soldaten. Die Attentäter sind nicht länger "ausländische Taliban", also Al-Qaida-Terroristen aus anderen Ländern, sondern immer häufiger unzufriedene Afghanen. Die Taliban werden zwar kaum in der Lage sein, noch einmal in Kabul die Macht zu übernehmen, doch ihre Fähigkeit, Chaos und Anarchie zu schaffen, wächst. Das enorme Einkommen aus dem Drogenhandel hat die afghanische Widerstandsbewegung finanziell unabhängig gemacht. Afghanistan ist der größte Exporteur illegaler Drogen, 87 Prozent des Opiums weltweit kommen aus Afghanistan.
Ein weiteres Problem für den Wiederaufbau sind die fehlgeleiteten Hilfsgelder. Die Millionen, die in den vergangenen vier Jahren nach Afghanistan geflossen sind, kommen nicht da an, wo sie dringend gebraucht werden. Überzogene Gehälter und Kommissionszahlungen, überteuerte Preise und vor allem die Korruption verschlingen Hilfszahlungen. "In Afghanistan ist eine regelrechte Plünderung im Gange", sagt der zuständige Weltbankdirektor Jean Mazurelle, "vor allem durch private Unternehmen."
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