Über das Konzil von Nicäa


In der islamischen Welt ist die Meinung weit verbreitet, dass im Jahre 325 n.Chr. auf dem Konzil von Nizäa die teilnehmenden Bischöfe aus einer Vielzahl von vielen Evangelien 4 Stück ausgewählt haben. Die Restlichen seinen dann vernichtet worden. Man muss sich wundern, dass dieser Geschichte immer noch so viel Glauben geschenkt wird. Der einzige Weg um die Richtigkeit eines Ereignisses, das sich in der Geschichte abgespielt hat, zu überprüfen, ist die schriftlichen Zeugnisse der Augenzeugen dieses Ereignisses auszuwerten und zu überprüfen. Darauf basiert wissenschaftliche Geschichtsforschung. Die einzigen schriftlichen Werke, die dieses Konzil betreffen, sind die Werke von Athanasius, Eusebius und Eustatius, die persönlich daran teilgenommen haben. Darüber hinaus gibt es keine weiteren schriftlichen Quellen. Diesen Quellen zufolge wurde das Konzil nur zur Diskussion einer einzigen Frage einberufen, nämlich der Göttlichkeit von Jesus Christus. Meinungsverschiedenheiten unter den Teilnehmern des Konzils in Bezug auf die Evangelien und deren Inhalt gab es nicht.
Im Übrigen wäre es unmöglich gewesen im Jahre 325 nach Chr. die Bibel zu verfälschen. Zu dieser Zeit waren die Christengemeinden schon über ein Gebiet verstreut, das sich von Indien bis nach Irland und von Äthiopien bis nach Norddeutschland erstreckte. Diese Gemeinden, die höchst unterschiedlichen Glaubensströmungen angehörten, waren zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte einem einzigen Verwaltungszentrum untergeordnet. Das heißt, dass kein einziger Pabst oder sonstiger Herrscher die Macht besessen hätte, die Evangelien zu verfälschen oder zu vernichten. Außerdem gab es damals schon mehrere zigtausend Exemplare des griechischen Originals des Neuen Testaments und diverser Übersetzungen. Niemand hätte sie alle einsammeln und vernichten können.
Aus den Werken der ersten Kirchenväter wie zum Beispiel Klemenz, der im 1. Jahrhundert lebte und von den Jüngern Jesu ausgebildet worden war, kann man entnehmen, dass die vier Evangelien schon gegen Ende des 1. Jahrhunderts in gebundener Buchform vorhanden waren. Die 13 Briefe des Apostel Paulus und die Apostelgeschichte wurden in derselben Zeit zusammengestellt. Diesen 18 Schriften, dem 1. Brief des Apostel Paulus und dem 1. Brief des Apostel Johannes wurde seitens der ersten Christen eine unermessliche Wertschätzung entgegengebracht. Man wäre gar nicht ernsthaft auf den Gedanken gekommen in Frage zu stellen, ob es sich bei diesen Schriften um Gottes Offenbarung handelt. Die restlichen 7 Teile des Neuen Testamentes ( Hebräer, Jakob, 2. Petrus, 2. und 3. Johannes, Judas und Offenbarung) konnten, da sie nur einem begrenzten Teil der christlichen Gemeinden bekannt waren, erst nach einer Phase langer und genauer Untersuchungen von allen Christen akzeptiert werden. Auf den Kirchenkonzilien, auf denen entschieden wurde, welche Werke Bestandteil des Neuen Testamentes sind, wurde nur der Status der Letztgenannten diskutiert.
Matthäus, Markus, Lukas, Johannes, die 13 Briefe des Paulus, der 1. Brief des Petrus und der 1. Brief des Johannes wurden stets als von Gott inspirierte Schriften akzeptiert und diese Bewertung wurde niemals in Frage gestellt. Auf der anderen Seite wurde nach intensiven Nachforschungen entschieden, dass manche Werke wie zum Beispiel der Brief des Klemenz oder der Brief des Barnabas (dieser hat nichts mit dem angeblichen Evangelium des Barnabas zu tun), die von einigen Gläubigen als offenbarte Schrift verehrt wurden, nicht dem Neuen Testament zuzurechnen sind. Im 2. Jahrhundert nach Christus tauchten viele andere Texte auf, die man Evangelium nannte. Aber diese „Evangelien“, die es heute noch gibt, wurden verfasst um die Neugier derjenigen zu befriedigen, die mehr zu Themen wissen wollten, die in den vier Evangelien nicht behandelt worden waren (z.B. die Kindheit von Jesus und seiner Mutter Maria). Aber selbst diese Werke widersprechen nicht in den entscheidenden Frage wie z.B. der Kreuzigung Jesu den Darstellungen in den vier Evangelien; es ist vielmehr so, dass im Vergleich deren Unzulänglichkeit und mangelnde Glaubwürdigkeit offen zu Tage tritt.

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