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Hallo Gabriele,
Hallo Wolfgang,
Ich habe eure Diskussion etwas mitverfolgt ...
Die Bhagavad-Gita zu verstehen ist nicht so einfach.
Das wichtigste ist, man muss sie im ganzen studieren, dh. ALLE 700 Verse und 18 Kapitel. Denn Shri Krishna führt den "Studenten" auf einem Pfad bis hin zur absoluten Wahrheit.
Was ich damit sagen will,
um die Bhagavad-Gita zu verstehen muss man deren Sprecher, Shri Krishna auch als Autorität anerkennen, denn sonst können wir nicht die Position Arjunas einnehmen.
Shri Krishna sagt im 4. Kapitel (transzendentales Wissen) zu Arjuna:
| Zitat: |
| "Diese uralte Weisheit von der Beziehung zum Höchsten wird dir heute von Mir mitgeteilt, weil du Mein Geweihter und mein Freund bist und weil du deshalb das transzendentale Mysterium dieser Wissenschaft verstehen kannst." (BG 4.3) |
Shri Krishna benutzt die Worte bhakta (Geweihter) und sakha (Freund) in diesem Vers.
So ist es auch mit Christus und den Lehren Christi; um sie zu verstehen muss man ein Geweihter Christi werden.
Das Sanskritwort Veda bedeutet Wissen und das lateinische Wort Vidare ist davon abgeleitet. Vidare bedeutet gesehen haben / erkannt haben = Erkenntnis. Wissen ist also nicht das, was wir nur theoretisch verstehen, sondern das was wir innerlich erkannt haben und dementsprechend im aktiven Leben umsetzen.
Als nächstes ist es wichtig eine Bhagavad-Gita-Ausgabe zu haben die auch die original Sanskritverse und deren Wort für Wort Übersetzung enthält (alles andere wäre nur Zeitverschwendung).
Ich studiere die Bhagavad-Gita erst seit 7 Jahren und könnte mich deshalb auch nicht als "BG-Kenner" bezeichnen.
Im Zusammenhang mit der Bhagavad-Gita ließt und hört man heutzutage häufig von dem Begriff atma/atman und es wird erklärt das die Bhagavad-Gita lehrt, man solle diesem atma/atman dienen.
Was dabei übersehen wird (bewusst oder unbewusst), ist, das Shri Krishna erklärt das es zwei verschiedene Arten von atma gibt:
1. Param-atma = die Höchste Persönlichkeit Gottes, die grösste unteilbare, allmächtige, individuelle alles kontrollierende eine Person
2. jivatma = die untergeordnete, individuelle Person, deren Wesen es ist der Höchsten Persönlichkeit Gottes in transzendentaler Glückseligkeit zu dienen.
Niemals kann der jivatma mit dem Paramatma verschmelzen, da beide individuell (unteilbar)und ewig sind. Und beide einen eigenen Willen besitzen. Einheit - Einssein, wie es Shri Krishna in der Bhagavad-Gita lehrt ist dvaita-advaita Philosophie(verschieden und doch nichtverschieden), was bedeutet, das sich sowohl der jivatma als auch der Paramatma gegenseitig die Wünsche erfüllen wobei der Paramatma IMMER übergeordnet bleibt.
Ein Beispiel:
wenn wir den kleinen Finger an unserer Hand betrachten, können wir sagen; "der Finger ist Körper" und gleichzeitig müssen wir feststellen; "der Finger ist nicht DER Körper". Wenn der Finger sagt; "das ist mein Körper" so ist das richtig, ABER wenn der Finger sagt "ich bin der ganze Körper" das ist falsch. der Finger ist gleichzeitig "Eins-und-doch-verschieden" vom Körper das ist dvaita-advaita = gleichzeitig Eins- und doch Verschieden.
Shri Krishna benutzt die Worte "mamaivamsho jiva loke" in der Bhagavad-Gita (BG 15.7) der "jivatma ist ein kleines abgesondertes Teilchen (amsha) Krishnas", aber er ist nicht Krishna, er ist nicht Gott, und dennoch göttlich.
Wenn man sagt der Goldring ist Eisen (Materie) ist das falsch, der Goldring ist Gold und das Gold stammt von der Goldmine, aber Goldring und Goldmine sind nicht das gleiche.
Die Devise "Ego-Aufgeben" (in der Esoterik weit verbreitet), ist undifferenziert und laut Aussage Shri Krishnas in der Bhagavad-Gita falsch.
Wir müssen lediglich ahankara, unser falsches Ego aufgeben, jedoch nicht unser ewiges, individuelles wahres Selbst. Dieses falsche Ego ist die illusorische Identifikation mit unserem groben und feinstofflichen Körper.
Die Bhagavad-Gita ist grundsätzlich dreifach Unterteilt, in;
sambandha = das Wissen über die eigene Position, Beziehung des Lebewesens zu Gott (der jivatma ist ewig, hat eine individuelle Persönlichkeit und ist dem Paramatma untergeordnet)
abhideya = der Pfad der zur Vollkommenheit führt, der Prozess wieder mit Gott eine Beziehung aufzunehmen = es gibt nur einen Pfad, den, der vom allwissenden Höchsten Herrn vorgegeben wird.
(das nach eigenem Gusto "herauspicken" von Aussagen aus verschiedenen Schriften und Lehren und zusammenmixen um sich seine eigene "Wahrheit" zu konstruieren ist Mode geworden in unserer "Supermarkt-Gesellschaft" (Supermarktmentalität) - dies führt jedoch nur zu Verwirrung und Orientierungslosigkeit)
prayojana = das Ziel das durch die spirituelle Praxis (abhideya) angestrebt wird, das Ergebnis dieses Prozesses (der Prozess = yoga (Sanskrit) = Re-Ligio Rückverbindung); gemäß Shri Krishna in der Bhagavad-Gita, prema-bhakti, reine Liebe und Hingabe, zur Höchsten Persönlichkeit Gottes.
Von dieser reinen liebenden Hingabe zum Höchsten Herrn sind folgende vier Faktoren ausgeschlossen:
weltliche Religion (Dharma), wirtschaftliche Entwicklung (artha), Lust (kama) und das Streben nach Befreiung (moksha), denn Moksha, Befreiung/Erlösung ist in diesem Prozess bereits erreicht.
In der Bhagavad-Gita geht es darum, den Anweisungen der Höchsten Persönlichkeit Gottes zu folgen und nicht einem unbekanntem atma/atman/Selbst dessen wir noch gar nicht gewahr sind, da wir noch nicht Erleuchtung/Selbsterkenntnis erreicht haben. Wenn wir den Anweisungen des Höchsten Herrn folgen, erreichen wir beides gleichzeitig, wir dienen sowohl dem eignen individuellen Selbst, atma und auch allen anderen Lebewesen.
Wenn der demütige Schüler den Anweisungen des Höchsten Herrn folgt und zum Meister geworden ist (göttlich aber NICHT GOTT), wird er zum Licht/Wissenden für andere.
| Zitat: |
| "Denjenigen, die Mir ständig hingegeben sind und Mir mit Liebe dienen, gebe Ich das Verständnis, durch das sie zu Mir gelangen können." (BG 10.10) |
Shri Krishna benutzt in diesem Vers das Wort "mam", Mir, und nicht etwa atma/atman.
| Zitat: |
| "Um ihnen besondere Barmherzigkeit zu erweisen, zerstöre Ich, der Ich in ihren Herzen Weile, mit der leuchtenden Fackel des Wissens die aus Unwissenheit geborene Finsternis." (BG 10.11) |
Grüsse
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