... Dies hatte natürlich zur Folge, dass sich nicht nur Eltern, sondern auch Lehrer und selbst die Kirche verstärkt einer - vor allem religiösen - Erziehung der Kinder zuwandten. (Es wurde bereits am Beginn dieser Arbeit auf die vielen religiösen Pflichten der Kinder sowie auf die Einrichtung der Kinderlehre hingewiesen.) Jedoch begann sich damit auch ein (Teufels)Kreis zu schließen: Kinder lehnten sich unter anderem ja gerade wegen dieser rigiden religiösen Erziehungsmaßnahmen auf und begannen Erwachsene als Hexen zu denunzieren um damit aus dem strengen Erziehungswesen auszubrechen. Die Erwachsenen hingegen reagierten nur mit umso strengeren Maßnahmen darauf. Ein System, welches demnach schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.
" ....Ein weiterer Grund, wie es zum Glauben an Kinderhexen kommen konnte, ist darin zu sehen, dass Hexen in ihren Geständnissen immer wieder angaben, schon in frühen Jahren von der eigenen Mutter verführt worden zu sein. Umgekehrt gestanden auch als Hexen eingezogene Frauen, ihren eigenen Kindern das Zaubern und Hexen gelehrt zu haben. So unter anderem Katharina Simmen von Steinbergern, welche in ihrem Prozess in Urseren (Schweiz) am 20. Jänner 1459 laut Verhörprotokoll folgendes aussagte:
Item aber Het sy vergigen, wie sy ir tochter hab gelert, wenn ira iemann waz ze leid tuy, Das sii das eim wol verdienen künn mit bosheit.
Item aber Hät sy vergigen, Das sy mit ira tochter sy gangen nebent der Hitzlinneregg in ein tal, und da ist der tüfel zu inen kommen, und gab ir tochter greten den eid, das sy müst verschweren Got und all sy Heilgen.
Item het sy vergigen, das ir tochter dem suster Haby we gemachet, der V wuchen im Bett lag.[249]
Die Frau gesteht hier also nicht nur, ihrer Tochter das Zaubern gelehrt zu haben, sondern auch mit ihr gemeinsam Schaden angerichtet zu haben. Weiters hatte sie zugelassen, dass sich ihre Tochter dem Teufel mittels Eid verschrieb. Auch nebenstehender, leider etwas unscharfer, Bildausschnitt aus dem Jahre 1588 zeigt eine Hochzeit zwischen einem Mädchen und dem Teufel - am Schwanz erkennbar - welche von der Mutter arrangiert wurde. Wenn nun sowohl Eltern zugaben ihren Kindern zaubern und hexen gelehrt zu haben, als auch Kinder gestanden, von den Eltern verführt worden zu sein, musste dies bei den Behörden zwangsläufig zum Glauben führen, dass auch Kinder hexen könnten. Außerdem ging bereits der Hexenhammer davon aus, dass "die Hexen meistens die eigenen Kinder den Dämonen darbringen, oder sie unterrichten, und gewöhnlich die ganze Nachkommenschaft infiziert ist." .... |