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Ich sehe es nicht so, dass jemand die Sinneslust aufgeben soll, um dann das Göttlich zu erfahren.
Ich glaube eher, dass dann, wenn das Göttliche erfahren wird, die Sinneslust einen niedereren Rang einnimmt. Aber sie muss deswegen auch nicht passe sein. Denn auch sie ist ein Ausdruck des Göttlichen, wenn auch auf einer niedereren Stufe. Da es aber schwer ist, immer auf der höheren Stufe zu verweilen, stehen natürlich ebenfalls die niedrigeren Stufen offen. Höher und niedriger ist auch nicht wertend gemeint, denn die Entwicklung der Seele beginnt nicht bei „Schlecht“ und endet bei „Gut“. Ebenso wenig ist Kindheit „Schlecht“ und Erwachsensein „Gut“. Es ist eben eine Entwicklung. Somit ist die Sinneslust nicht als schlechter anzusehen als das Göttliche. Beides ist gewissermaßen ein Rauschzustand. Das eine ist die Sinnestunkenheit, das andere ist die Gottestrunkenheit. Ich kenne genügend tiefgläubige Menschen, die die Sexualität sehr intensiv ausleben. Auch Tantra ist ein Weg zum Göttlichen durch die Sexualität.
Und wenn wir hier schon bei der Bhagavad-Gita sind, für die Gopis war Krishna durchaus auch ein sinnliches Begehren. Dennoch waren sie tiefgläubige Frauen.
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