Foren-Übersicht
Login | Registrieren | Forum | Suche

Opfertheologie












Hallo,

ob Jesu nun Gott, Gottes Sohn, der Messias oder ein Prophet ist, hängt mit der Beantwortung der Frage nach der Erlösung des Menschen zusammen. Letztlich und wesentlich auch mit Beantwortung der Frage nach der (Erb)Sünde.

Allein die Art der Fragestellung zeigt uns die entsprechende Antwort. Glaubt ein Mensch nicht an die (Erb)Sünde, so erübrigen sich weitere Fragen nach dem Erlöser und einer Opfertheologie. Die (Erb)Sünde ist eine Theorie von Herrn Paulus. Psychologisch gesehen, ist die Erlösungstheologie im Prinzip angstabwehrend. Weltweit gesehen, gibt es wohl nur wenig Menschen, die "Böse" sind. Viel Unglück kommt in die Welt nur deswegen, weil die Menschen den Willen zum unbegrenzten Guten haben. Weil sie die Folgen ihrer Taten nicht übersehen können. Weil sie letztlich nicht wissen, was ihnen wirklich nützt. Hier setzt nun der Glaube ein: für Luther und andere war / ist es nicht so wichtig, "gute" Werke zu tun, von denen letztlich niemand weiß, ob sie sich im weltweiten Spiel der Kräfte "gut" auswirken. Was zählt, so ihre Ansicht, ist allein die "gute" Absicht. Es bleibt der Gnade Gottes überlassen, ob der "richtige" Glaube zu "guten" Taten führt. Der Gläubige fällt in die Gnade Gottes.
Auch diese Haltung ist angsterlösend. Führe uns nicht in Versuchung; erlöse uns von dem Bösen !

Von Kindern weiß man, dass sie erst ab einem bestimmten Alter ( meist vier ) in der Lage sind zwischen Subjekt und Objekt zu unterscheiden. Klemmen sie sich die Finger an der Tür, so wird die Tür als "böse" oder "dumm" angesehen und entsprechend ausgeschimpft - dies konnte ich erst vor 3 Wochen wieder einmal beobachten. Ich sehe eine Analogie des christlichen Gottes- und Weltbildes zur frühkindlichen Bewusstseinsstruktur: alles, was die Angst abwehrt, ist "gut". Der katholische Christ findet denn auch Trost bei der "Gottesmutter" Maria, die ihrer mütterlichen Gefühle wegen, ein gutes Wort bei ihrem Sohn, dem "Richter der Welt", einlegen soll. Der Mensch fühlt sich im christlichen Glauben wie ein Stück Schmiedeeisen zwischen Hammer und Amboss ! Er ist Spielball unbekannter himmlischer und höllischer Kräfte: der geistige Kampf im Jenseits wird hier im Diesseits ausgetragen.

Die Historie zeigt, wie schwer die Auswirkungen einer Lehrmeinung sein können: immer komplexer und komplizierter werden die Fragen und Antworten. Sie verwirren die Gläubigen, die eine Sehnsucht nach Einfachheit haben.

Gruß

Reinhard
Forum -> Spiegel- und Reflexionsforum II