|
|
|
| Zitat: |
| Woher weißt Du, dass diese Worte von Jesus stammen? |
Folgen wir der Entwicklung der christlichen Religion, dann sehen wir, dass die „offizielle“ Kirche, die sich viel später in die (römisch) katholische und die (griechisch) orthodoxe Kirche aufspalten wird, im ersten und auch noch im zweiten Jahrhundert nur eine unter mehreren „christlich angehauchten“ Bewegungen war. In jener Zeit war die christliche „Gnosis“, die sich wiederum in vielen Schattierungen ausdrückte, weit wichtiger die Begriffe „Christen“ und „Gnostiker“ wurden teilweise sogar synonym benutzt.
Und die „Gnostiker“ brauchten keine Kirche, um ihr Seelenheil zu erreichen! Ihre Lehrer waren „Erleuchtete“ und „Eingeweihte“, die ihre Autorität meist von einer direkten Tradition herleiteten, die über einen der Apostel bis zu Jesus führte. Sie bemühten sich darum, ihre Schüler aus ihrem inneren“ Wissen (= Gnosis) heraus zu lehren - genauso, wie es Jesus getan hatte -, damit auch diese geistig heranwuchsen und schließlich zur Erkenntnis (= Gnosis) gelangten. Denn Gnosis ist nicht Kenntnis, die gelehrt wird; sondern reines Wissen, das erkannt und gelebt wird. Damit war der Konflikt vorprogrammiert, und tatsächlich wurden die Gnostiker zu den wichtigsten
„Feinden“ der um ihre Vormachtstellung ringenden „offiziellen“ christlichen Kirche.
Diese Kirche verketzerte, unterdrückte und zerstörte die gnostische Bewegung systematisch. Dass sie dabei nicht davor zurückschreckte, selbst die Schriften eines Markus abzuleugnen (wenn deren Inhalt allzu „gnostisch“ klang), ist bewiesen. Dass die Evangelisten (oder ihre kirchlich beauftragten Redaktoren) auch aus dem ihnen zur Verfügung stehendem Material die Zitate auswählten, die jeweils am besten mit der anerkannten Theologie übereinstimmten, ist offensichtlich. In einigen Dingen stehen deren Aussagen sogar in einem diametralen Widerspruch zu dem Standpunkt, den Jesus selbst eingenommen hat (siehe Stellung der Frau, der „gute Hirte“ usw.).
Es ist eine Ironie der Geschichte, dass gerade diese Zerstörungswut der kirchlichen Obrigkeit wahrscheinlich um ca. 390 Mönche eines Klosters bei Nag Hammadi (ca. 60 km Luftlinie nordwestlich vom ägyptischen Luxor) bewog, einen Teil ihrer Bibliothek im Wüstensand zu verstecken – und uns somit die reinste Quelle von Jesusworten zu erhalten, die damals noch existierte. Die „Bibliothek von Nag Hammadi“ wurde 1945 zufällig entdeckt und war ab ca. 1952 der Wissenschaft zugänglich. Einzelne Übersetzungen, z. B. des Thomasevangeliums, wurden schon ab 1959 veröffentlicht, eine Gesamtausgabe in englischer Sprache erschien erstmals 1977.
Wichtig sind die Tatsachen, dass erstens das Thomasevangelium eines der ältesten Zeugnisse von Jesus ist (in seinem Ursprung wahrscheinlich das älteste) und dass zweitens die Schriftrolle fast 2000 Jahre im Sande Ägyptens „sichergestellt“ war und so dem Zugriff all derer, die in anderen Evangelien die Worte des Meisters „zum besseren Verständnis“ abänderten, entzogen blieb.
* * *
Meine Gegenfrage:
Woher weißt Du, dass die Worte in der Bibel wirklich von Jesus stammen?
|
|
|