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Liebe Andrea,
auch das wohl eine Folge des Tabuthemas. In Würde sterben. Ja, das möchte ich. Eine sehr komplexe Situation. Zwickmühlen ohne Ende. Aus "unserer Sicht" würden wir das "künstliche Schwangerschaftsverlängerung nennen", die lebenserhaltende Maßnahme wird zur Behinderung bei der Geburt?
Fällt mir zu ein:
| Zitat: |
Die von den gelehrten Größen der Kunst und der Wissenschaft so oft gepriesene Zivilisation wird, wenn man ihr gestattet, die Grenzen der Mäßigung zu überschreiten, großes Unheil über die Menschen bringen. So warnt euch der Allwissende. Ins Übermaß gesteigert, wird sich die Zivilisation als eine ebenso ergiebige Quelle des Übels erweisen, wie sie, in den Schranken der Mäßigung gehalten, eine Quelle des Guten war. Denkt darüber nach, o Menschen, und gehört nicht zu denen, die verwirrt durch die Öden des Irrtums streifen.
(Baha'u'llah, Aehrenlese) |
Alles Liebe von Yojo
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| Andrea hat folgendes geschrieben: |
| Viele verbinden den Tod auch gleichzeitig mit Leid, Krankenhaus, Pflegeheim und das ist vielleicht auch ein Grund, warum die Gesellschaft das Thema verdrängt. |
Dieses sind sicherlich auch Hauptgründe, warum der Tod ein Tabuthema ist. Hinzukommt m.E. aber auch, dass viele Menschen unserer Gesellschaft(en), damit meine ich die, die der sogenannten Zivilisation (und über Zivilisation und darüber, wer nun inwiefern zivilisiert ist, könnte ich ebenfalls abschweifende Gedanken aufwerfen, lohnt vielleicht, einen extra Thread hierüber zu eröffnen...), den wohlstands- und materiellgeprägten Industrienationen angehören, ihre Gedanken, ihr Streben in der Hauptsache auf Materielles ausrichten. Mehr Geld, mehr Macht, egal, wieviele Menschen man damit auf der Strecke lässt. Mein Haus, mein Auto, drei - zwei - eins MEINS. Schönheit, Jugend, Spaßgesellschaft ohne Ende - und am Ende? ... begeht ihre Seele Selbstmord in gewissem Sinne. Sie mögen nicht an ihren Tod denken, weil sie aus lauter "Fun & Co-Gier" sich keine Gedanken darüber machen möchten, was danach kommt. Für viele ist es keine Theorie, sondern Gewissheit: nach dem Tode ist nichts. Aus. Basta. Nimm dann als Beispiel die Menschen, die einen täglichen Überlebenskampf führen müssen. Sie wissen Dinge, die uns von der Natur gegeben sind, weitaus mehr zu schätzen, denken - so ist meine persönliche Auffassung - weitaus intensiver über Sterben, Tod, Weiterleben, Gott nach. Leben mit der Natur, und nicht von ihr. Beispiel: die Todas, ein Volksstamm in Indien.
Was "man" nicht in einer Formel, in Lehrsätzen ausdrücken kann, ist einfach nicht existent und wird kurzerhand zum Tabuthema erklärt. Es haben viele immer noch nicht verstanden. Oder wollen es einfach nicht. Das, was nach dem Tode kommt, ist nicht nach irdischen Gleichungen berechenbar, man kann "darüber" keinen Film in Form eines Reiseberichtes oder eines Werbefilmes diverser Reiseunternehmen anschauen, um mal zu gucken, was denn so auf uns zukommt, also wird die (Weiter-)Existenz entweder belächelt oder schlimmstenfalls belächelt, somit auch die, die daran festhalten...
| Zitat: |
| Ich selbst habe keine Angst vor dem Tod - gar nicht, aber ich hab Angst davor alt und verlassen in einem Krankenhaus oder Pflegeheim zu sterben und die Menschen dort tun mir aufrichtig leid, das ist nicht okay, dass die Menschen dort abgeschoben werden, kein Wunder, dass die alten Leute sich den Tod herbeisehnen. Ich möchte auch nicht mal an eine Maschine angeschlossen sein, die für mich das Atmen übernimmt. Die letzten Jahre eines Menschen können glaub ich wirklich sehr grausam sein - vor allem wenn man niemanden mehr hat oder die Kinder sich nicht um einen kümmern möchten. |
Vor dem Tod habe ich auch keine Angst. Im Gegenteil. Und in meinen Augen ist es auch keinesfalls gerechtfertigt, Menschen abzuschieben. Aber, liebe Andrea, glaube mir eines: um abgeschoben zu werden, braucht man nicht einmal alt oder pflegebedürftig zu werden. Das kann dir - in vielen Varianten - auch passieren, wenn du einmal eine Phase durchmachst, in der du nicht funktionierst, nicht in dieses oberflächliche Weltenschema passt nach Auffassung derer, die diese Schemata aufgestellt haben... Meine persönliche Erfahrung.
| Zitat: |
| Aber so ist unsere Gesellschaft: Leistungorientiert, Schönheit und Jugend im Vordergrund - Altsein und Tod nebensächlich und unbedeutend. |
dito
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Liebe Suchende,
das hast du wunderschön geschrieben und es spricht mir jedes Wort aus der Seele. Du hast einen souveränen Schreibstil, und bringst die Dinge super gut auf den Punkt.
Ja, wie oft schieben wir einen Menschen ab, distanzieren uns von ihm, von seinem Sein, von seinem Wesen, obschon wir ihn überhaupt gar nicht kennen. Im Großen wird es sichtbar, aber im kleinen, im alltäglichen Straßenverkehr, wieviele sind beieinander "untendurch" weil sie nicht genauso fahren wie man das gerne hätte, wieviele werden aufgrund kleiner Mißgeschicke spöttisch beäugt.
Ich verstehe ihn immer deutlicher und klarer, diesen Satz von Bahá'u'lláh:
| Zitat: |
| Jeden einzelnen Atemzug, der in der Liebe Gottes und zu Seinem Dienst ausgehaucht wird, zeichnet die Feder der Herrlichkeit auf als eine fürstliche Tat. |
Weil ein solcher Atemzug Achtsamkeit erfordert; Er erfordert dem Stumpfsinn zu entfliehen, Er erfordert Liebe.
Alles Liebe von Yojo
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Hallo Yojo,
den Vergleich mit dem Straßenverkehr finde ich hervorragend.
Was hältst du davon, wenn man die Tatsachen einmal umkehrt, das Leben als Autobahn betrachtet, und behauptet, dass unter Umständen nicht der einzelne ein Geisterfahrer ist, sondern die Mehrheit? Vielleicht fährt ja der einzelne, der "scheinbar" die falsche Ausfahrt genommen hat, in die richtige Richtung?
Vielleicht wäre dann Gott der, der über Verkehrsfunk durchgibt, WER falsch fährt... Aber ich befürchte, dass dennoch die meisten Geisterfahrer uneinsichtig wären und stur weiterfahren würden... Denn nicht jedes Schild, welches als Wegweiser fungiert, muss auch auf den richtigen Weg führen. Die Schilder können durchaus auch vertauscht oder falsch aufgestellt worden sein.
| Zitat: |
| Jeden einzelnen Atemzug, der in der Liebe Gottes und zu Seinem Dienst ausgehaucht wird, zeichnet die Feder der Herrlichkeit auf als eine fürstliche Tat. |
Dieser Satz gefällt mir sehr gut. Es wäre schön, wenn viel mehr Menschen viel mehr bewusste Atemzüge tun könnten...
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| suchende hat folgendes geschrieben: |
Was hältst du davon, wenn man die Tatsachen einmal umkehrt, das Leben als Autobahn betrachtet, und behauptet, dass unter Umständen nicht der einzelne ein Geisterfahrer ist, sondern die Mehrheit? Vielleicht fährt ja der einzelne, der "scheinbar" die falsche Ausfahrt genommen hat, in die richtige Richtung?
Vielleicht wäre dann Gott der, der über Verkehrsfunk durchgibt, WER falsch fährt... Aber ich befürchte, dass dennoch die meisten Geisterfahrer uneinsichtig wären und stur weiterfahren würden... Denn nicht jedes Schild, welches als Wegweiser fungiert, muss auch auf den richtigen Weg führen. Die Schilder können durchaus auch vertauscht oder falsch aufgestellt worden sein. |
Liebe suchende!
Das ist wunderbar ausgedrückt! In der Tat neigen wir dazu, mit der Masse "mitzuschwimmen", oft ohne zu hinterfragen. So sind wir auf der "geistigen Autobahn des Lebens" schnell Geisterfahrer.... Ab un zu mal ne Rücksprache mit der "Regierung" ist ganz angebracht: "bin ich auf der richtigen Spur?" Die Antwort kommt dann, manchmal überraschend......
Die Tendenz zum Mitgehen mit allen ist oft sehr erstaunlich. Einmal waren mein Sohn und ich auf einer Fähre von England nach Frankreich. Als das Schiff morgens in den Hafen von St Malo einlief, standen die Menschen oben an der Treppe (Das Schiff hatte 12 Stockwerke), Schlange, um hinunterzugelangen zu ihren Autos. Wir wollten uns gerade (waren ganz oben) an die Schlange anreihen, da sahen wir, daß nach links auch eine Treppe hinuntergeht. Wir blickten kurz fragend hin und her, hmmm.... und gingen die linke Treppe hinunter. Einmal zick, dann zack, und wir waren auf dem Flur von Stockwerk 11. Die rechte Treppe war ein einziges Gedränge, die Menschen standen dicht an dicht, auch weit auf den Flur von Stockwerk 11 hinaus. Aber auch hier wieder dasselbe Bild: Die linke Treppe war völlig leer. Wir konnten es nicht fassen, mußten immer lauter lachen je tiefer wir kamen, aber bis ganz unten am Parkdeck immer dasselbe Bild: Auf der rechten Treppe ging gar nichts, Mensch an Mensch warteten sie daß sich etwas tut, und die linke Treppe von Stockwerk 12 bis 3 völlig verwaist und leer.
Alles Liebe von Yojo
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