Gespräche mit Atheisten


Schönen Guten Abend!

Ich denke viele werden schonmal mit Atheisten über Gott geredet haben.
Vor allem in Foren findet man ja viele. In meinem Jahrgang alleine befinden sich fast ausschließlich Atheisten.

Ich persönlich finde es zum Teil demütigend, da sich viele über einen lustig machen und nicht ernst nehmen. Es mögen ja nette Leute sein, aber wieso sind sie dermaßen respektlos?
Bei vielen bemerke ich aber auch eine sehr antikirchliche Einstellung oder einfach nur ein verfahrenes materiellistisches Weltwelt. Viele hassen Gott aber auch und glauben deswegen nicht an ihm, sie machen ihn für das Leiden des Lebens und der Welt verantwortlich.
Im Endeffekt habe ich noch nie ein wirklich interessantes Gespräch mit ihnen gehabt, da man entweder Hass, Respektlosigkeit entgegebekommt oder ausgelacht wird.

Meine Frage an euch, was sind eure Erfahrungen mit Atheisten und was denkt ihr über sie?


Gruß Renascor
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Der Glaube kommt aus dem Herzen. Die Vernunft muß ihn festigen. Je tiefer der Glaube ist, um so mehr schärft er die Vernunft. Wenn der Glaube blind wird, stirbt er.
Hallo Renascor

Meine Haupterfahrung mit Menschen, die sich Atheisten nennen, ist, dass viele von ihnen gar keine echten Atheisten sind! Sie gehören zwei Richtungen an:
- die einen sind nicht Atheisten, sondern "nur" Agnostiker: Da sich Gott nicht beweisen lässt, ist jegliche Diskussion über ihn müssig;
- die anderen nennen sich Atheisten, weil sie den "Gott der Kirche" ablehnen, nicht an diese Gottfigur, wie sie gelehrt wird, glauben können; doch wenn man nachfragt, bekommt man zu hören, dass sie "schon an eine höhere Macht oder sowas" glauben.

Wenn ich es mir jetzt so genau überlege, glaube ich, noch nie einem wahren Atheisten persönlich begegnet zu sein

Und nun meine Frage an dich: Warum willst du überhaupt mit Atheisten über Gott diskutieren? Was erwartest du von solchen Gesprächen? Bekehren kann man niemanden – und es wäre meines Erachtens auch völlig unnötig: Es gibt so viele Wege zum Göttlichen, wie es Menschen gibt. Jeder Mensch ist bereits auf einem Weg zum Göttlichen, das ist der Sinn des Lebens, und jeder wird früher oder später ankommen.

Oft kann man mit sogenannten Atheisten hingegen gut über alles Mögliche reden und auch etwas dabei erfahren und lernen; man sollte nur nicht das Göttliche wörtlich ins Spiel bringen: Doch weil ja alles das Göttliche ist, alles Eins ist, reden wir immer über das Göttliche, egal unter welchem konkreten Aspekt

Herzlichst,
Ibnatulbadia
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Spiritualität findet im Alltag statt.
Zitat:
Und nun meine Frage an dich: Warum willst du überhaupt mit Atheisten über Gott diskutieren? Was erwartest du von solchen Gesprächen?

Solche Gespräche kommen mit solchen Leuten auch nicht oft vor und ich suche sie auch nicht unbedingt. Jedoch ist mir soetwas aufgefallen, dass dann meistens auf diese Schiene abläuft.

Aber diese Erfahrung mit den Agnostikern und den Antikirchlern habe ich auch gemacht. Ich bin aber auch schon richtigen Atheisten begegnen. Die sind noch eine Nummer konsequenter, haben meiner Meinung nach auch eine Art Religion.
Zitat:
Ich bin aber auch schon richtigen Atheisten begegnen. Die sind noch eine Nummer konsequenter, haben meiner Meinung nach auch eine Art Religion.


Das kann ich mir gut vorstellen! Irgendeine Religion hat wohl jeder Mensch, sei es Gott, Macht, Geld, Familie, Hobby ... oder eben Atheismus

Herzlichst,
Ibnatulbadia
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Spiritualität findet im Alltag statt.
Ich möchte mal folgendes in den Raum stellen, auch wenn es nicht 100% zum Thema passt:

Wer gutes tut, mit dem Hintergedanken, in den Himmel zu kommen und schlechtes nicht tut mit dem Hintergedanken, nicht in die Hölle zu kommen, der handelt viel eigennütziger als ein Atheist, der das selbe tut, oder nicht tut, und dabei nicht an einen richtenden Gott glaubt.
Zitat:
Wer gutes tut, mit dem Hintergedanken, in den Himmel zu kommen und schlechtes nicht tut mit dem Hintergedanken, nicht in die Hölle zu kommen, der handelt viel eigennütziger als ein Atheist, der das selbe tut, oder nicht tut, und dabei nicht an einen richtenden Gott glaubt.

Das stimmt, aber tut ein Gläubiger etwas Gutes, weil er Angst vor der Hölle hat?

Also bei mir ist das so, dass ich mich beim helfen und unterstützen besser fühle und freue, wenn ich anderen helfen kann, als wenn ich gar nichts tue und sie im Stich lasse.
Das ist natürlich auch eine Gewissenfrage, aber für mich ist die Nächstenliebe zu betreiben das beste, was man tun kann.
@ Renascor

Zitat:
Das stimmt, aber tut ein Gläubiger etwas Gutes, weil er Angst vor der Hölle hat?


Wer es nicht um der Belohnung Willen Gutes tut, der ist wirklich gläubig, denn Gott tut auch nichts um der Belohnung Willen.

Ein Atheist glaubt nicht an Himmel, oder Hölle im Jenseits. Er konzentriert sich somit auf das Diesseits. Gläubige, die geradezu nur auf das Jenseits hinleben und dabei das Diesseits vergessen, werden der Welt entfremdet.

Ich frage kürzlich eine Zeuge Jehova Frau, warum sie eigentlich nie soziale Projekte ausführen. Ihre Antwort war, dass die von der NASA ja genug Geld hätten, die Welt zu ändern. Meine Gegenfrage: „Kennst Du das Gleichnis mit der Hochzeit, in der alle einen Krug Wein mitbringen sollten um ein Fass aufzufüllen. Als der Wein im Fass verteilt werden sollte, war darin nur Wasser: Jeder dachte, dass es auf seinen Krug Wasser nicht ankam.
Ich bekam von Ihr keine Antwort mehr.

Was (manche) Gläubige von (manchen) Atheisten lernen können, ist das Sein im Hier und Jetzt, sowie die Überwindung des Belohnungsdenkens.

Gespräche über Gott führe ich mit Atheisten keine. Ich sage einfach, dass ich früher selbst Atheist war, mich heute aber viel glücklicher fühle. Dennoch gestehe ich jedem Menschen zu, nicht an Gott zu glauben.
Hallo und danke an Renascor für diese Interessanten Fragen. Ich denke, dass wir bei diesem Thema wenigstens eine Sprache sprechen werden.

Meine Erfahrungen sind da auch sehr unterschiedlich. Ich habe gemerkt, dass wenn ich mit einem "Atheisten" rede, gar nicht über den Islam spreche sondern eher versuche zu verstehen wie es kommt das jemand einfach nicht an Gott glaubt. Meistens kommen dann Aussagen wie:"Ich brauche Gott nicht, ich brauche auch nich die Hilfe oder Liebe von Gott."

Manchmal höre ich aber auch:"Man sieht ja wie toll Gott ist. Während es den Menschen schlecht geht, findet man für Millionen errichtete Kirchen/Moscheen. Statt es den Menschen zu geben wird da rein gesteckt....

In allem finde ich persönlich eine Art verzweiflung wieder. Als Zensur habe ich mir auch gesagt, dass ich meine Eltern nicht brauche. Ich kann alles alleine schaffen und brauche keine Hilfe. In wirklichkeit war ich tief unglücklich über die Trennung meiner Eltern und habe mich mit diesen Aussagen geschützt und versucht meine Schwäche zu überspielen.

Ich denke bei Atheisten ist das ähnlich. Nur das diese eben Gott für Ihre Situation, Ihre Enttäuschungen und Probleme verantwortlich machen. Ich denke aber das diese Menschen einfach nicht verstanden haben wer Gott wirklich ist. Meine Art ist es, diesen Menschen sehr verständnis und respektvoll zu begegnen. Den ich sehe und fühle ihren Schmerz. Die Liebe, ist das einzige was ich diesen Menschen entgegenbringen kann.

Ich sehe mich aber keinesfalls als was besseres als jemand der nicht an Gott glaubt. Ein Mensch besteht für mich mehr als nur seine Bekentnis zu einem Gott oder einem glauben.
Fatih hat folgendes geschrieben:
Ich denke bei Atheisten ist das ähnlich. Nur das diese eben Gott für Ihre Situation, Ihre Enttäuschungen und Probleme verantwortlich machen. Ich denke aber das diese Menschen einfach nicht verstanden haben wer Gott wirklich ist.

Das ist natürlich Unfug. Ein Atheist sucht Erklärungen nur im Diesseits. Er selbst, Andere oder Zufälle sind für seine Situation verantwortlich. Gott ist eine unnötige Hypothese, ob es nun um das Universum, die Natur oder um die Moral geht. Nach der Regel von Ockhams Rasiermesser sind unnötige Hypothesen abzulehnen.

Gibt es eine Grenze zwischen Glaube und Aberglaube?
Hallo Fatih

Ja, da stimme ich dir zu, aber diese verzweifelten und enttäuschten Menschen sind nur eine Gruppe.

Wie Kereng schrieb, einige leben ausschließlich im Diesseits. Sie glauben nichts mehr, was sie nicht eindeutig sehen oder bewiesen ist und halten alles andere für Unfug. Viele von denen haben also ein sehr materiellistisches Weltbild und gerade die sind es, die eine Art Allergie gegen alle Hypothesen in Form von Gott haben. Das sind auch die, die sich darrüber lustig machen, wenn man sagt man glaube an Gott, da sie es für Schwachsinn halten. Eigenartigerweise nehmen diese Menschen wissenschaftliche Thesen meist auch einfach hin, ohne zu schauen, was davon eigentlich wirklich bewiesen ist, wie zum Beispiel die Quantentheorie, die man wohl nie wissenschaftlich nachweisen kann. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Zitat:
Gibt es eine Grenze zwischen Glaube und Aberglaube?

Ich denke, da gibt es keine eindeutige Grenze, das geht fließend ineinanderüber. Ich merke es ja manchmal an mir selber.

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