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Sakina für alle
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Auch das Bilderverbot des Islam dürfte von politischen Überlegungen diktiert sein. Zu Mohammeds Zeit war die persische Malerei die höchstentwickelte der Alten Welt, subtil realistisch und von einer geradezu köstlichen Detailfreude. Die Malerei römischer Schule aber lag ziemlich im argen die meisten Maler begnügten sich mit dem Kopieren von Prototypen, und daraus entwickelte sich ein steif-ritueller Stil, wie wir ihn von Ikonen her kennen.
Das Christentum bevorzugte feierliche, jederzeit wieder erkennbare Darstellungen,und so ging in Konstantinopel nicht nur die Kenntnis der Perspektive wieder verloren, sondern auch die Beachtung individueller Details. Selbst die gegensätzlichsten Kaiser gleichen einander auf den Porträts wie ein Ei dem anderen. In Arabien hatte sich daher der persische Stil durchgesetzt. Allein zu Medina lebten vier gutbezahlte persische Porträtisten, und das war ein triftiger Grund, Bilder ganz allgemein zu verbieten. Einen weiteren dürfte Mohammed von dem ihm sonst verhassten Judentum übernommen haben : Schon Moses grenzte seine Gemeinschaft von anderen Religionen wirkungsvoll durch ein Bilderverbot ab. Mohammed erzählte seinen Gläubigen, Gott sähe es gar nicht gern, wenn man sein Schöpferhandwerk durch Malerei nachzuäffen ersuche. Am Jüngsten Tag werde Allah daher alle Künstler dazu verurteilen, ihre Kunstprodukte zu wirklichem Leben zu erwecken. Gelänge dies nicht, hätten die Maler ihr ewiges Leben erwirkt.
Diese Drohung wirkte auf orthodoxe Muslims. Ihre ästhetischen Gelüste befriedigten sie fortan mit Schrift noch heute zählt im Islam Kalligraphie zu den geachtetsten Künsten, und einige Meister schafften sogar, dass ihre Buchstaben vor lauter Schönheit völlig unlesbar wurden. Außerdem erfanden die Muslims zahlreiche Ornamente. Die hatte der Prophet ja nicht erboten, und auf dieser Spielwiese der Phantasie tobten sich die Künstler des Islam so kräftig aus, dass wir heute noch Formspiele als "Arabesken" bezeichnen.
Doch in seiner ganzen Strenge ließ sich das Bilderverbot nie durchsetzen. Vor allem im persischen Kulturkreis kehrten die Künstler bald wieder zum Abbild zurück. Allerdings wurde auch für sie der Islam stilbildend: Um nicht frontal gegen das Verbot realistischer Malerei zu verstoßen wurden nur Details realistisch wiedergegeben die Gesamtkomposition jedoch in einer Art synthetischer Perspektive ornamental gestaltet. Sogar Mohammed wurde abgebildet, und hier erhielt sich ein letzter Respekt vor seiner Bildfeindlichkeit: Mit nur einer einzigen bekannten Ausnahme tritt der Prophet stets verschleiert auf und von himmlischen Flammenzungen umgeben. Außerdem wurde eine neue Malform entscheidend, die Miniatur. Großflächige Malereien blieben stets ornamental, im kleinen Format aber triumphierte der Realismus. Ein Grund mag sein dass sich kleine Sünden gegen den Propheten, wie Miniaturen auf persisch tatsächlich heißen, mühelos vor bigotten Besuchern verstecken ließen.
Der ausschlaggebende war zweifellos die nomadische Lebensweise der Araber - kleine Kunstschätze lassen sich leicht transportieren. So können arabische Künstler als die eigentlichen Schöpfer der illustrierten Bücher gelten. Zwar versahen schon die Römer ihre Kodizes mit Bildern, doch die wurden meist gleich von den Schreibern angefertigt und waren mehr oder minder Beiwerk zum Text, künstlerisch kaum bedeutend und auf keinen Fall den Schöpfungen wirklicher Maler vergleichbar. Erst im Islam wurde das Bild im Buch dem Text gleichwertig, wurde der Buchmaler wichtiger als der Buchschreiber. Das europäische Mittelalter hat diese islamische Sitte begeistert übernommen, und in gewissem Sinn sind auch unsere Illustrierten entfernte Enkelkinder jener Künstler, die zwischen den Seiten wider das Bilderverbot des Koran löckten.
http://www.1000and1.de/deutsch/kult.....r/soehnedw1.htm#ZMarciana |
Wer Zeit hat kann das Buch "Söhne der Wüste" ganz Lesen
mfggg gnostik
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