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Gaza: "50 Cent in der Tasche"












18.02.2007:
Gaza: "50 Cent in der Tasche"
Fischindustrie in Gaza vor dem Aus – Israels Politik zerstört Lebensgrundlage

(ips)Im strömenden Regen steht Suhail el-Amoudi auf dem Kai im Hafen von Gaza-Stadt und hält Ausschau nach den alten Fischerbooten, die gefährlich im stürmischen Wind hin- und herschaukeln. Doch mehr als der Sturm beunruhigt den 30-jährigen Fischer das Schiff der israelischen Marine, das trotz des Unwetters am Horizont deutlich zu erkennen ist. In den letzten 30 Jahren hat El-Almoudi mit vielen Veränderungen leben müssen – doch die Israelis sind eine Konstante. "Sie sind überall präsent", erklärt der junge Mann. Vor allem seit Beginn des palästinensischen Aufstands im September 2000 stünden die Fischer von Gaza unter Beobachtung. "Doch noch nie waren die beidseitigen Beziehungen so schlecht wie heute", fügt der Palästinenser hinzu.

Die Folgen der Überwachung sind auch auf den Kais zu spüren, wo sich kaum Menschen aufhalten und kein einziger Marktstand zu sehen ist. Der Hafen von Gaza ist zu einem Museum für verfallene Ruderboote geworden, deren Instandsetzung sich die Besitzer nicht leisten können. "Um mein Boot wieder flott zu machen, brauche ich 20.000 US-Dollar", sagt El-Amoudi. Die ungünstige Lage habe ihn arm gemacht. Gerade mal 50 Cent hat er in seiner Tasche, und "das wird wohl kaum reichen".

433 Boote sind im Hafen von Gaza-Stadt registriert, aber nur ein kleiner Teil von ihnen ist seetauglich. Nach Angaben des UN-Büros für die Koordination humaner Angelegenheiten (OCHA) bestand ab Oktober 2003 ein mehrmonatiges Fischereiverbot in den Gewässern Gazas. Seit Juni 2006 darf überhaupt nicht mehr gefischt werden.

Die Fischer trifft das hart. Während ihr monatlicher Fang im Juni 2000 noch 823 Tonnen betrug, sank er bis Ende 2006 auf 50 Tonnen. Auch die Zahl der Fischer ging zurück. Nach UN-Angaben sind von ehemals 5.000 Ende der 80er Jahre nur noch 3.000 übrig geblieben.

Armut und Proteinmangel

Mindestens 35.000 Menschen in Gaza sind Subsistenzfischer, rund 80 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Während die Produktivität der Industrie im Jahr 2000 gemäß des Zentralen Statistikbüros Palästinas noch zehn Millionen Dollar betrug, ist sie heute bei null angelangt. Die Abteilung für Fischerei der Palästinensischen Nationalbehörde (PNA) geht davon aus, dass die gesamte Fischindustrie bis Ende 2007 zusammenbricht, wenn keine drastische Änderung in der Politik Israels gegenüber den Fischern in Gaza eintritt.

UN-Organisationen bestätigen die PNA-Prognose in einem Bericht, der Ende des letzten Jahres erschienen ist. Auch er geht davon aus, dass ohne Änderungen der Lebensbedingungen "die Ernährungssicherheit weiter abnehmen wird, mit dramatischen Auswirkungen für besonders gefährdete Gruppen". Die Fischknappheit hat den Fischpreis so in die Höhe getrieben, dass die Bevölkerung von 1,5 Millionen Menschen auf diesen wichtigen Eiweißlieferanten verzichten muss.

Das Welternährungsprogramm (WFP), das rund ein Viertel der eine Millionen Armen im Gazastreifen mit Nahrungsrationen versorgt, hat sich besorgt über die Unterernährung geäußert, die aus dem Proteinmangel resultiert. Ein Drittel des Eiweißbedarfes nahm Gazas Bevölkerung, die zu einem Großteil aus Flüchtlingen besteht, durch Fisch zu sich.

Als im September 2005 die 38 Jahre anhaltende Besatzung des Gaza-Streifens durch Israel beendet wurde, stufte die Weltbank den Zusammenbruch der palästinensischen Wirtschaft "als den schlimmsten der modernen Geschichte" ein. Die Weltbank machte "vor allem" die Blockadepolitik Israels dafür verantwortlich.

Verstoß gegen die Vierte Genfer Konvention

Als Besatzungsmacht unterliegt Israel im Gazastreifen besonderen völkerrechtlichen Verpflichtungen. Dazu zählt vor allem die Vierte Genfer Konvention aus dem Jahr 1949, die dem Schutz von Zivilpersonen im Krieg dient. Auch Israel gehört zu den Unterzeichnern. Artikel 52 des Abkommens schreibt das Recht auf Arbeit arbeiten fest. Darin heißt es, dass alle Maßnahmen, die Arbeitslosigkeit schaffen oder die Möglichkeiten einschränken, in einem besetzten Gebiet zu arbeiten, unterbleiben sollten.

Viele Fischer aus Gaza-Stadt gehen trotz des Verbots aufs Meer. "Wir haben keine andere Wahl", sagt El-Amoudi, da ansonsten seine Familie hungern müsste. Die israelische Armee macht auch vor Angriffen auf die Fischer nicht halt. Nach einem Bericht des Palästinensischen Zentrums für Menschenrechte (PCHR) werden die Fischer und ihre Ausrüstung ständig von den israelischen Besatzungsmächten kontrolliert. Hierfür werden Kampfhubschrauber und Kanonenboote eingesetzt. Routinemäßige Verhaftungen von palästinensischen Fischern sind an der Tagesordnung, und die Boote stehen unter Beschuss der israelischen Marine.

Im letzten Jahr wurden vier Fischer bei einem Angriff der israelischen Armee getötet, Dutzende verhaftet. Mitte Januar nahm die Israelische Armee mindestens 14 Fischer aus Gaza fest, obwohl sie sich in palästinensischen Fischgewässern befanden. Die palästinensischen Männer befinden sich immer noch in Haft, so PCHR. Die Palästinenser sind oft gezwungen nur hunderte Meter entfernt vom Strand zu fischen oder sie müssen ihre handgeknüpften Netze am Ufer auslegen.

Das Osloer Friedensabkommen legt fest, dass palästinensische Fischer bis zu 20 Seemeilen von Gazas Küste entfernt ihre Netze auslegen dürfen, doch El-Amoudi versichert, dass ihnen dieses Recht nie zuteil wurde.


aus der Islamischen-Zeitung .
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