der Tränenkrug


Eine Mutter hatte ihre kleine Tochter verloren. Sie war
sehr traurig über den Verlust ihres geliebten Kindes und
weinte den ganzen Tag bittere Tränen. Nichts und niemand
konnte sie trösten.

Eines Nachts erschien ihr ihr totes Kind im Traum.
In seinen kleinen Händen hielt es einen Krug. Er war bereits
am Überlaufen und es schien, als könnte das Kind diesen Krug
wegen seines Gewichtes kaum mehr halten.

Das Kind sagte zu seiner Mutter:
"Siehst du - hierin habe ich alle deine Tränen, die du um mich
vergossen hast und immer noch vergießt, gesammelt. Jede
einzelne. Und nun ist der Krug so schwer geworden, dass ich ihn
bald nicht mehr packe. Und immer noch weinst du, und immer noch
fange ich deine Tränen auf und kann mich aber nicht in dieser
neuen Welt, in der ich nun sein darf, umschauen und eingewöhnen.
Dabei ist es hier so schön.

Bitte, liebe Mutter, weine nicht mehr. Denn ich habe Angst, dass
ich deinen Tränenkrug fallen lassen könnte und kann mich doch mit
nichts anderem mehr beschäftigen.

Du sollst nicht traurig sein, denn das macht mich hier doch auch traurig und hindert mich daran, Freundschaften zu schließen und fröhlich zu sein.
Ich habe hier eine neue Familie und Spielkameraden gefunden. Aber weil deine Traurigkeit mich so schmerzt, kann ich nicht ausgelassen sein und spielen.

Bitte, weine doch nicht mehr, damit ich diesen Krug endlich wieder aus meinen kleinen Händen geben kann. Sieh, ich bin gekommen, um dir dieses zu sagen und um dir zu versprechen, dass ich auf dich warten werde.

Die Mutter weinte fortan nicht mehr und ihr Kind besuchte sie noch oft. Die Mutter war froh darüber, von ihrem Kind zu hören, dass es nun endlich fröhlich sein konnte, und darüber war auch sie froh.