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Hallo an alle,
ich bin neu hier und fühle mich genötigt, auf den Eingangsbeitrag dieses Threads zu replizieren.
Ein großes Dankeschön dafür!
Kurz zu meinem Hintergrund: ich bin bekennender und praktizierender Christ (evangelisch) und werde diesen Herbst mein Theologiestudium aufnehmen. Für mich ist Jesus der alleinige Weg.
Ich habe seit jeher ein unstillbares Interesse daran, andere Religionen zu erforschen, näher kennen zu lernen und besser zu verstehen. In diesem Wunsche alleine sehe ich den Schlüssel zu einem besseren Miteinander (es ist an sich schon mehr als traurig, dass solch ein Zustand überhaupt erst angestrebt werden muss - in meiner Geisteswelt wäre dies Normalzustand).
Mit Bestürzung verfolge ich seit einigen Jahren die globale und speziell die europäische Entwicklung - vor allem die undifferenziert zu Werke schreitende Medienwelt, die Muslime in aller Welt pauschal als Terroristen brandmarkt, und somit die Spirale der Intoleranz immer schneller und enger werden, Entspannung kaum noch aufkommen lässt. Dies widerspricht meinem aufgeklärten Selbstverständnis und meiner generellen Sicht der Dinge zutiefst.
Bedenklich, dass Intoleranz und mittelalterliche Vorstellungen (Stichwort: "Feuer und Schwert des Islam") immer noch Nährboden finden.
Die derzeit in Europa, speziell auch in Österreich vorhandenen Tendenzen (die österreichische FPÖ: "Daham statt Islam"), den Islam in plumper, populistischer Weise zu stigmatisieren finde ich sehr bedenklich.
Den Terminus "Islamistenterror" kann ich schon nicht mehr hören und schlage ihn hiermit inoffiziell als Unwort des Jahres 2007 vor.
Starke christlich-fundamentale Strömungen, vor allem der evangelikalen Christen in den USA halte ich für mindestens ebenso gefährlich wie islamischen Fundamentalismus. Unter welchem Deckmantel man Menschen instrumentalisiert und gegeneinander aufhetzt, spielt keine Rolle. Bedenklich ist es allemal - unabhängig davon, welchen Vorwand man benutzt, um Hass und Intoleranz zu säen - dem gehört Einhalt geboten.
Als Angehöriger der evangelischen Kirche, die in Österreich auch lange um Anerkennung kämpfen musste, stehe ich diesen Entwicklungen kritisch und höchstgradig alarmiert gegenüber. Für mich ist jede Religion eine Bereicherung. Information und die Sicht aus "dem Elfenbeinturm" heraus halte ich für essentiell.
Respekt anderen Menschen gegenüber ist für mich auch nicht mit einer speziellen Religion junktimiert, sondern sollte zum Selbstverständnis eines jeden Menschen werden (dass es nicht so ist, finde ich traurig).
Unabhängig davon, wie man zu anderen Religionen (und in diesem Kontext speziell zum Islam) steht: es gibt uns nicht das Recht, Menschen auf Grund ihrer Religionszugehörigkeit in ein Eck zu drängen, speziell dann, wenn man sich nicht einmal die Mühe macht, sich genauer zu informieren.
Noch dazu, wo viele Menschen, die gerne gegen den Islam zu Kreuze ziehen, mit Religion (und christlicher Lebensführung) nichts am Hut haben - man sucht seine Spiritualität in unverbindlichen, der Beliebigkeit anheim fallenden "Ersatzreligionen": Konsum, Esoterik etc.
Geht es um den Islam, ist man dann plötzlich wieder "Christ".
Man macht es sich einfach und verzichtet auf Gott und Jesus Christus (weil man der Meinung ist, es reiche ein "guter Mensch" zu sein, ohne den Geboten des Herrn folgen zu müssen), geht es aber um "Unbequemes", beruft man sich wieder darauf.
(Ich möchte an dieser Stelle eindeutig festhalten, dass dies keine Pauschalaussage darstellt, sondern von mir gemachte Beobachtungen und subjektive Eindrücke wiedergibt).
In Österreich ist meines Erachtens nach die islamische Glaubensgemeinschaft in einer Position, die vorbildhaft für Europa und die Welt ist. Obwohl noch vieles verbesserungswürdig ist, aber die generelle Grundhaltung gegenüber dem Islam ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sehr positiv.
Islam ist nichts "Fremdes" und hat schon lange nichts mehr mit "Gastarbeiterreligion" zu tun.
Anmerken möchte ich auch, dass mir gewisse Tendenzen in diesem Forum nicht gefallen. Teilweise wird hier immer wieder der gleiche Fehler gemacht: Bibel wird mit Koran verglichen und vice versa, aus dem Zusammenhang gerissene Zitate werden einander gegenübergestellt, wodurch geglaubt wird, "generelle (negative) Eckpunkte" für die jeweils andere Religion ableiten zu können.
Eine Verkündigung der eigenen Religion mit Mitteln der Diffamierung der jeweils anderen ist armselig und sollte keinen Platz haben. Trennende Unterschiede (aber auch das viele Gemeinsame) darf und soll man aufzeigen, Schlüsse daraus zu ziehen ist in vielen Bereichen schwierig und gefährlich.
Es geht nicht um den Vergleich, es geht um Akzeptanz und gemeinsames Leben. Ist es wirklich so schwer, dieses in einer modernen Gesellschaft zu gestalten?
Als Christ möchte ich auch ein Beispiel anführen: das berühmte Thema der Reziprozität, z.B. Argumente wie "Der Islam darf in Europa keine Moscheen bauen, da Christen in islamischen Ländern auch nicht überall Kirchen errichten können". Selbst wenn es so wäre: na und? "Auge um Auge, Zahn um Zahn" - diese Devise hat ausgedient, bedingungslose Nächstenliebe (gleich, was mir mein Gegenüber entgegenbringt) sollte einen Christen auszeichnen. Aus dem Verhalten anderer lässt sich für mein Handeln nichts ableiten - ich bin Gott alleine verpflichtet, mein Tun muss ich vor mir und dem Herrn verantworten - er ist der Weg, er hat es in der Hand, und er wird Gericht über uns halten am jüngsten Tag.
"Aber im Islam, aber die Christen ..." - Aussagen wie diese zählen für mich nicht. Es geht darum, was ICH tue, nicht, wie andere das handhaben.
Wovor hat man Angst? Ein Christ wüsste: man muss sich nicht ängstigen, denn selbst, wenn man ihm das Leben nimmt - durch Jesus Christus erhält er das ewige Leben. Das ist ja letzten Endes das erklärte Ziel, DER zentrale Punkt für den christlichen Menschen.
Als zentralen Punkt im interreligiösen Dialog möchte ich auch folgenden Punkt herausstreichen, weil es mir wichtig ist: Einander ohne missionarische Intentionen begegnen können und wollen. Wiederum eine Sache des Respekts.
Ich würde mir persönlich und all meinen Schwestern und Brüdern wünschen, dass Menschen, die sich als "Christen" bezeichnen, mit differenzierter Sichtweise der Dinge und vorurteilsfreiem Herzen auf den Islam zugehen. Führt man sich als Christ sonst nicht ohnehin selbst ad absurdum?
Viele Grüße aus Wien und Gottes Segen!
Martin
P.S.: Da ich es satt habe, von sog. "wissenden Menschen" dauernd nur Negatives über den Islam berichtet zu bekommen, habe ich beschlossen, mich selbst zu informieren und werde demnächst mit der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich Kontakt aufnehmen. Ich möchte mich mit Muslimen treffen und einfach "mehr" erfahren.
Eine gute Einstiegsquelle war für mich die Seite der IGGÖ: www.derislam.at
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Hallo Jerubaal,
ich habe mich sehr über Deine Haltung gefreut!
In diesem Zusammenhang möchte ich auf diese (österreichische) Homepage hinweisen: http://www.religionen.at/ (Nicht nur wegen der guten Witze! )
Herzliche Güße von
Leòn
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Lieber Jerubaal,
Zunächst einmal herzlich Willkommen hier im Forum
Ich finde deine Beitrag sehr schön und ich finde es gut, dass du dich auch mit dem Islam beschäftigen willst um dir selbst ein Bild zu machen. Das ist wirklich eine Voraussetzung für ein besseres gegenseitiges Verständnis.
Ich empfehle dir hierzu auch folgende Seite: http://www.alrahman.de/index.php?id=88
Liebe Grüße und Frieden!
Kiki
P.S. Habe dir noch PN geschrieben
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Der Friede sei mit Dir jerubaal!
Erst mal vielen Dank für Deinen Beitrag, dieser war sehr beeindruckend und schön. Ich wünsche Dir für Dein Theologiestudium viel Erfolg. Und evtl. trittst du ja auch ein Amt in einer Gemeinde an und erinnerst Dich an Deine jetzigen Urgeist. Und lässt diesen in Deinen Predigten mit einfließen.
Ich habe Anfang August an einem Gottesdienst in der Frauenkirche zu Dresden teilgenommen. Die Predigt hielte Dr. Friedrich Weber. Ich war äußerst beeindruckt über diese Predigt, da sie mein Herz auf eine besondere Art berührt hat. Ähnlich wie Dein Beitrag. Es ging Inhaltlich um Verständigung, Einheit der Menschheit egal welcher Religiösen konfessionellen Zugehörigkeit ……
Es ging um das Gotteshaus, welches die Welt an sich ist und Gott in seiner Größe kein platz in einem Haus oder Tempel finden kann. Nur das Herz der Menschen kann groß genug sein, das ER Platz darin findet. Es ging um Kritik, die die Kirche an sich selbst üben muss um den Menschen gerecht zu werden und um sich in der Lehre Jesu zu erneuern und weiter zu entwickeln.
Mir wurde sehr schnell klar, dass ich an etwas sehr großen teilnehmen durfte. Und als die Menschen in der Frauenkirche auch alle Notleitenden Muslime der Welt öffentlich mit in ihr Bittgebet eingeschlossen haben, war ich den Tränen nahe und wusste, das Gott mir in diesem Augenblick ein teil meiner Brüder und Schwestern gezeigt hatte.
Wenn ein Muslim mit reinem Herzen in eine christliche Kirche gehen kann um Gott zu Preisen und zu gedenken und wenn die Menschen in diesem Gotteshaus für und mit den Muslimen sind, dann denke ich, ist dies ein Beginn einer neuen Zeit.
Denn das Paradies findet zwischen den Menschen und den Religionen statt, so wie es Dein Beitrag auch zeigt.
Vielen Dank ISA!
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Hallo Fatih!
Ich danke Dir für diesen wirklich guten Beitrag. Auch ich erlebe in meinem Freundeskreis immer wieder Anti-Islam-Einstellungen. Ich selbst bin Christin und habe einen sehr großen moslemischen Freundeskreis. Von meinen nicht-moslemischen Freunden werde ich oft deswegen aufgezogen. Ich denke, daß der wahre Islam von den Menschen in den Schmutz gezogen wird, die ihn falsch verstanden haben: von Menschen die für den Islam töten würden und von Menschen, die ihn falsch interpretieren durch jahrhundertealte Gewohnheiten, die genau genommen nichts mit dem Leben im Koran zu tun haben, sondern eher in uralten teilweise vorislamischen kulturellen Traditionen. Krieg entsteht durch Mißverständnisse. Wenn man etwas nicht versteht, wird man unsicher und Unsicherheit macht Angst und Angst macht unter Umständen agressiv. Bevor etwas möglicher Weise in einem Mißverständnis endet, sollte man sich ersteinmal informieren. Dafür müßte es mehr
Aufklärung in diesem Bereich geben. Aber selbst daran fehlt es, meiner Meinung nach, in einem so fortgeschrittenen Land wie Deutschland.
Gruß von deva79
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