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ich finde dazu passt der kommentar zu dem artikel:
"Erweitern Sie Ihren Religionsbegriff!" von hannns -
"Eigentlich kann man Träume nicht beantworten, aber da Herrn McEwans Traum die scheinbar aktuelle Frage nach dem Wesen von Religion berührt, wage ich es trotzdem.
Wer mit Religion nichts zu tun haben will neigt dazu, ihre Bedeutung eher eng abzugrenzen und Begriffe wie Spiritualität, Ästhetik, Menschenrechte Psychologie usw. jenseits von Religion anzusiedeln. Für streng Gläubige dagegen ist alles Religion und entsprechend sind Fömmigkeit, die Schönheit Gottes und der Schöpfung, Gerechtigkeit, Seelsorge usw. religiöse Kategorieen. Überspitzt gesagt, ist für die einen alles Wissen und für die anderen alles Offenbarung. Beides scheint mir im Grunde derselbe Irrtum zu sein. Er entsteht aus der ängstlichen Weigerung, sich auf die Gratwanderung zwischen Wissen und Offenbarung zu begeben. Sowohl magisches Denken als auch Wissenschaftsgläubigkeit verhindern die notwendige Grenzfindung zwischen Wissen und Glauben. Daraus kann Extremismus entstehen: sogenannter religiöser Extremismus, aber auch Wissensextremismus.
In der Gefahr, dem letzteren zu verfallen, schein mir Herr McEwan zu stehen (,was ich um so dramatischer finde, da er offenbar ein typisch sympatischer Brite ist!), besonders wenn er von einer Institution träumt, die die Wahrheit feststellen soll. Wie passt das mit seiner Einsicht in die Irrtümer des Stalinismus zusamen? Hat er vergessen, was Prawda bedeutet? Dieses Parteiorgan hat lange genug die "Wahrheit" definiert. Die Suche nach Wahrheit findet entweder als offener Wettkampf mit chronisch offenem Ausgang oder überhaupt nicht statt. Bisher ist jede "Wahrheitsfeststellungsinstitution" schließlich in Missbrauch erstarrt ,woran auch die Weltreligionen immer wieder kranken.
Mein Vorschlag an Herrn McEwan lautet: Erweitern sie ihren Religionsbegriff! Dafür braucht es kein "Höheres Wesen", sonder die Einsicht, dass jeder seine eigene unbeweisbare Antwort auf die Frage nach einem höheren Wesen fällt. So ist beispielsweise ihr Glaube, ein höheres Wesen nicht zu benötigen, pure Religion! Der Glaube an die Existenz oder nichtexisten ("jeder hat seine eigene Wahrheit") von absoluter Wahrheit ist pure Religion. Möglicherweise ist auch die Verehrung oder Verachtung von Ästhetik pure Religion. Jeder hat Fragen ohne schlüssige Antwort (leider gehören wohl alle klassischen sog. existenziellen Fragen dazu) und unerklärliche Gefühle. Wenn eine Gruppe sich nun auf bestimmte Antworten und Erklärungen einigt, liegt das Dogma einer Religion vor.
Vielleicht habe ich es mit dem Erweitern des Religionsbegriffs jetzt auf die Spitze getrieben, aber ich denke, es ist nötig, Religion als Grundbedürfnis zu sehen. Dann würde jedes Reden über Religon und ihre Inhalte auf Augenhöhe stattfinden, vergleichbar mit einem Gespräch darüber, was wohl die beste Ernährung sei. Getragen von der Einsicht, dass man wissen soll, was man wissen kann, dass aber immer viel wesentliches im Dunkeln bleit und religiös offenbart werden muss, würde man sich gemeinsam auf die spannende Gratwanderung zwischen Wissen und Glauben begeben. Die Religionen würden ihre Tabus überwinden und die Wissenschaft würde sich ihrer Grenzen bewusst. Glauben wäre nicht unlogisch und Wissen keine Blasphemie.
Das ist mein Traum. (12.08.2006 00:53:11)"
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