Aus Faulheit wird Reichtum für andere


Auf Grund einer Unterspannung im Stromnetz unseres Dorfes musste vergangenes Jahr die Stromzulieferung für das komplette Viertel eingestellt werden. Leitungen mussten geprüft, gefunden und repariert werden. Das ganze hat von 8 Uhr morgens bis ungefähr 16 Uhr Nachmittags gedauert, was uns aber von vornherein mitgeteilt wurde. Also ein vollständiger Arbeitstag. Nicht zu vergleichen mit einem gewöhnlichen Stromausfall, der sich zu weilen auch schon mal 1-2 Stunden hinziehen kann.
Wir sind regelmässige warme Mahlzeiten, zu einer bestimmten Uhrzeit, gewohnt - wie aber ohne Strom?
Nun, mir fiel die Antwort nicht schwer - sie hatte für mich etwas ganz selbstverständliches, aber dazu ein paar Sätze später...
Meine Nachbarn trudelten nach und nach ein; Gesprächspriorität natürlich der fehlende Strom. Sie schmunzelten darüber, das ich mir die Mühe machte Zuccinisuppe vorzubereiten; machten sich sogar lustig darüber und warfen mit Sprüchen um sich wie "ha, hier hast 'n Stöckchen zum Feuer machen".
Was soll ich sagen?

Ich ging nach draussen in den Garten, stellte die Tonne auf und entzündete das Brennholz - legte das Rost vom Grill darüber, packte ein paar Schamottsteine vom Kamin darauf und letztendlich den Topf. Um 13 Uhr gab es dann eine leckere Zuccinisuppe und das Gelächter verstummte...

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Manchmal frage ich mich ernsthaft, wie weit wir heute schon sind, das wir die Einfachsten Möglichkeiten einfach nicht mehr sehen. M.E. hat das nichts mit Blindheit - eher mit Faulheit zu tun.
Wie viele Menschen können heute noch, draussen am Wald, einen Champignon identifizieren oder den Schierling? Uns wird doch alles nur noch auf dem Silbertablett gereicht!
Pfui eigentlich...

Grüsse
Gaby
Liebe Gaby,

das erinnert mich an unser Haus in Bolivien. Wir hatten es auf einem Hügel über der Stadt gebaut. Der Einzug war ein Abschied vom elektrischen Strom.
Jedesmal, wenn es dunkel wurde und die Gaslampen entzündet wurden, durchströmte mich eine tiefe, innere Freude, deren wahren Ursprung ich gar nicht richtig orten konnte. Ich wußte und fühlte, dieses Licht war das schönste Licht.
Es ist dieses Schlichte, dieses Einfache, was die Seele als eine ungeheure Wohltat empfindet.

Alles Liebe von Yojo
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"Es ist die Sehnsucht Gottes an diesem Tage, alle Menschen als eine Seele und einen Körper zu betrachten" (Bahá'u'lláh)
Lieber Yojo,

gerade jetzt wo Du von einem Gefühl schreibst...

Ich hatte mir überhaupt nicht überlegt, wie ich die Suppe heiss bekomme... ehrlich nicht; ich schnippelte die Zuccini, die Kartoffeln und portionierte das Mett. Ich tat es einfach ohne zu wissen DAS!
Ich weiss auch nicht was mich trieb...,
als ich den Kochlöffel rührte fühlte ich mich jedoch auch ganz eigenartig - selbst das kann ich nicht beschreiben.

Warum in alles in der Welt haben wir uns bloss so dem unnatürlichen Verfall hingegeben???
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Lieben Gruss
Gaby
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Zitat:
jw MAa.t xai.tw r-HA.t =k
mAa.t r-Hna =k
Unnatürlichen Verfall....Revolution? *g*
Natürlicher Verfall....Evolution! *g*

Warum wir uns entwickeln, in welche Richtung auch immer, ist eine gute Frage. Ich denke wir sind von Natur aus mit Attributen der Neugier ausgestattet. Neugier die uns gemütlich wurde.