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Lieber lonly,
Du schreibst, das es Dir schlecht geht, weil Du nicht bemerkt hast, das es Deiner Mutter schlechter geht. Man kann nicht sehen, was wann und wie geschieht. Und, ich finde das auch gut, weil wir so nicht so grosse Angst vor dem Leben haben, als wenn wir alles im Voraus wissen würden.
Nun, sicher hast Du Deine Mutter angeschrieen, kurz bevor sie starb, aber, sie versteht das sicher. Deine Mutter hat nun unsere begrenzte Vorstellung mit Gut/Böse, Hell/Dunkel usw. verlassen und versteht um so vieles mehr, als wir uns jemals vorstellen können. Wäre sie sonst so besorgt um Dich und würde sie sonst bei Dir bleiben wollen?
Ausserdem wäre eine Welt in der nur noch Friede Freude Eierkuchen herrschen würde doch furchtbar (in jeder Hinsicht). Man muss auch mal schreien dürfen und böse sein dürfen, man weiss ja nicht, ob der, den man anschreit, im nächsten Augenblick nicht vielleicht sterben könnte.
Das Deine Freunde Dich nur schweigend angesehen haben ist normal, denn: Was sagt man als junger Mensch, wenn man auf einmal bemerkt wie kurz und begrenzt unser Leben ist? Mit dem Tod und dem Leben umzugehen ist sehr schwer und, gerade wenn man meint es begriffen zu haben ist es schon an der Zeit zu gehen.
Selbst mir fällt es oft schwer Worte zu finden, und ich arbeite schon lange Zeit in Sterbebegleitung. Wenn ich sehr an einem Patienten gehangen habe weine auch ich und dann ist es mir fast unmöglich Worte des Trostes für die Familie zu finden, weil ich selber so traurig bin. Nach langer Zeit habe ich aber dann gelernt mit der Familie zu weinen, weil das besser als schweigen ist. Nur: Wie wollen das so junge Menschen wie Du wissen, wo sollt ihr das gelernt haben?
Lass Dir noch ein bisschen Zeit zum Trauern und gehe langsam und in kleinen Schritten wieder zurück ins Leben. Lass Deine Mutter gehen. Irgendwann seht ihr euch wieder. Mal sehen wann und wo das ist.
Ganz liebe Grüsse
Bobo
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