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Hallo miteinander,
sehr gern würde ich von Euch einige Antworten auf meine folgenden Zeilen erhalten.
Es würde zu weit führen, hier mein ganzes Leben (bin 50 Jahre alt, schon immer Single, seit 2001 arbeitslos und seit einem Jahr wegen Depressionen im Krankenstand) auszubreiten. Es geht mir um ein spezielles Problem, mit dem ich nur schwer fertig werde.
In den vergangenen vier Jahren sind meine Eltern und meine zwei engsten Freunde in meinem Alter verstorben. Obwohl ich an das Leben nach dem Tod glaube, haben mich die ganzen Umstände ziemlich nach unten gezogen. Bei meinem Vater waren meine Mutter, meine Schwester und ich am Krankenbett, als er starb. Mit meiner Mutter war ich alleine, als sie an Leberzirrhose starb, denn meine Schwester konnte es nicht mehr mit ansehen. Und einen meiner Freunde, der 2006 an Magenkrebs gestorben ist, habe ich langsam verfallen sehen.
Zur gleichen Zeit, als meine Mutter im Sterben lag, wurde ihr Bruder, mein einziger Onkel, zum zweiten Mal am Herzen operiert und es sah lange Zeit nicht gut aus. Heute geht es ihm wieder einigermaßen gut.
Das Schlimmste für mich war jedoch das Verhalten meiner Schwester mir gegenüber.
Als es unserem Vater schon sehr schlecht ging, schrieb sie mir ein langes Email, in welchem sie mich schwer attackierte. Sie nannte mich einen Sozialschmarotzer, meinte, ich hätte im Leben nichts zustande gebracht und würde nur in meinen Schriften lesen, anstatt zu arbeiten. Im Gegensatz zu ihr habe ich Mittlere Reife und einen anständigen Beruf erlernt. Allerdings habe ich häufig gewechselt und musste krankheitsbedingt manchmal den Job aufgeben.
Irgendwann im Warteraum der Intensivstation habe ich sie darauf angesprochen, aber sie meinte nur, dass sie noch sehr zurückhalten gewesen sei und ich die Wahrheit nicht ertragen könne.
Erklärend möchte ich hinzufügen, dass meine Schwester fünf Jahre älter ist als ich, zwei erwachsene Kinder hat, seit 7 Jahren geschieden ist und seither in einer lesbischen Beziehung lebt. Ihre beiden Kinder (27 und 2 waren nie besonders an mir interessiert und ich vermute, dass es mit meinem Glauben zu tun hat, den meine gesamte Familie mehr oder weniger ablehnt.
Nach dem Tod unserer Mutter habe hauptsächlich ich mich um den Nachlass und die Wohnungsauflösung gekümmert. Das war alles sehr anstrengend. Mein Neffe und meine Nichte haben dabei kaum geholfen.
Ein Jahr danach ging es mir gesundheitlich sehr schlecht. Ich hatte schwere Depressionen und psychosomatische Beschwerden. Es fällt mir sehr schwer Kontakte zu knüpfen, weil ich auch noch mit den Bronchien zu tun habe und nirgendwo hingehen kann, wo geraucht wird. Meine Schwester hat dafür jedoch keinerlei Verständnis.
Da ich in dieser schweren Zeit niemanden mehr hatte, habe ich mich entschlossen, kurzfristig in eine Klinik zu gehen. Ich teilte dies meiner Schwester per Email mit und schrieb ihr Neujahrswünsche aus dem Krankenhaus, doch sie reagierte nicht darauf.
Als ich nach 8-wöchigem Aufenthalt wieder nach Hause kam, begegnete ich ihrer Freundin auf der Straße. Einige Tage später bekam ich ein Email, in dem meine Schwester wissen wollte, ob meine „Kur“ etwas gebracht hätte.
Ich schrieb ihr, dass dies ein Aufenthalt in einer Akut-Klinik war und ich mich sehr gefreut hätte, von meiner Schwester, Neffe oder Nichte etwas Anteilnahme und Interesse zu erfahren. Daraufhin schrieb mir meine Schwester einen weiteren bösen Brief. Ich könne keine Anteilnahme erwarten, sie halte nichts von diesem ganzen Psychogetue, mein einziges Problem wäre mein Egoismus und ich könne sie kreuzweise.
Es hat einige Wochen gedauert, bis ich mich entschloss, doch noch auf diesen unverschämten Brief zu antworten. Sehr sachlich, ohne Polemik, aber dennoch deutlich, habe ich ihr meinen Standpunkt mitgeteilt. Unter anderem auch, dass es wohl das Beste sei, wenn ich von der Gegend wegziehe, in der wir aufgewachsen sind und wo anders ein neues Leben beginne.
Ich habe den Brief sogar meinem Therapeuten gezeigt und der befand ihn auch als gut und sehr sachlich.
Eine Antwort auf meinen Brief bekam ich jedoch nicht. Ganz im Gegenteil: Nach einigen Tagen kam er von der Post ungeöffnet zurück mit dem Vermerk „Annahme verweigert“.
Es gab für mich keinen Grund mehr, in meiner alten Heimat zu bleiben. Meine Eltern und meine engsten Freunde waren tot, meine Schwester und ihre Kinder wollten von mir nichts mehr wissen und arbeitslos war ich ohnehin.
Ich bin schließlich 500 Kilometer weit weggezogen und wohne jetzt in einer mir völlig fremden Gegend. Es gibt hier langjährige Freunde von mir, die mich bei meiner Umsiedlung sehr unterstützt haben. Inzwischen ist der Kontakt allerdings nicht mehr so intensiv und ich fühle mich sehr allein gelassen und einsam. Ende Februar gehe ich wieder für 6 Wochen in eine Reha-Klinik und versuche, wieder einen Einstieg ins Berufsleben zu finden. Wenn dies nicht klappt, werde ich wohl eine Erwerbs-Unfähigkeits-Rente erhalten.
Seit über einem Jahr habe ich keinerlei Kontakt mehr zu meiner Schwester. Einerseits sehe ich keinen Grund dazu, denn sie wird ihre schlechte Meinung über mich niemals ändern. Andererseits ist es für mich schwer zu ertragen, denn als Kind waren die Familienbande sehr intensiv.
Viele Jahre habe ich auch hart gearbeitet und für meinen Glauben Opfer gebracht. Ich bin kein schlechter Mensch, hilfsbereit und ehrlich.
Aber ich fühle mich sehr einsam und leide körperlich sehr darunter. Alleine diesen Text zu schreiben, treibt schon meinen Blutdruck in die Höhe, ich zittere, habe eiskalte Hände und Durchfall.
Wie würdet Ihr Euch verhalten?
Es bricht mir fast das Herz, wenn ich darüber nachdenke, wie gemein und ignorant meine verbliebene Familie zu mir ist.
Herzlichen Dank für Eure Antworten und entschuldigt bitte den langen Text.
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